Volle Busse trotz Corona: NVV sieht auch Bedarf bei Schüler-Beförderung

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Auch im Stadtgebiet kamen lange vor der Corona-Pandemie massenhaft Schülerinnen und Schüler an den Haltestellen zusammen und warteten auf den Bus.

Gedränge an Haltestellen und in Bussen – Wie viel Abstand können Schülerinnen und Schüler derzeit zueinander halten? Zahlreiche Eltern, Schüler und Lehrer sind aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 beunruhigt.

Die Region. Schülerinnen und Schüler warten in großen Gruppen nah beieinander an Haltestellen, besetzen den eintreffenden Bus bis auf den letzten Platz und sammeln sich im Gang – Schon vor der Corona-Pandemie gehören diese Szenen zum Alltag im Stadtgebiet und in der Region. Wie viel Abstand die Schüler seit dem Schulbeginn im August nun zueinander halten können ist fraglich, viele Eltern, Schüler und Lehrer sind daher aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 beunruhigt.

„Nach Einschätzung der letzten Untersuchung des Robert Koch-Instituts besteht im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aktuell kein erhöhtes Infektionsrisiko. Außerdem haben wir in der Region einige Maßnahmen umgesetzt, um das Infektionsrisiko weiter zu reduzieren“, erklärt Sabine Herms, Pressesprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV). Demnach seien die Fahrer dazu angehalten, alle Türen zu öffnen, um eine Stausituation im Eingangsbereich zu vermeiden und um an den Haltestellen eine gute Durchlüftung zu erzielen. Außerdem würden die Fahrgäste durch Plakate und Durchsagen in den Fahrzeugen verstärkt dazu aufgefordert werden, Masken zu tragen und in fast allen Bussen seien Schutzscheiben für die Fahrer eingebaut worden. Dadurch konnten die mit dem Beginn der Pandemie zunächst gesperrten Sitze hinter dem Fahrpersonal wieder freigegeben und mehr Platz im Bus gewonnen werden.

Auf diese Maßnahmen beruft sich auch die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) und Pressesprecherin Heide-Marie Hamdad ergänzt: „Vor allem fahren wir seit Schuljahresbeginn ein 100 Prozent-Angebot, sodass wir alle zur Verfügung stehenden Busse und Bahnen einsetzen, einschließlich der Zusatzverkehre und sämtliche Straßenbahn-Beiwagen“.

Masken sind Pflicht, Mindestabstand nicht

Darüber hinaus gilt im ÖPNV per Verordnung durch das Land Hessen grundlegend eine Maskenpflicht, an die sich auch Schüler in Bussen und Bahnen halten müssen, nicht aber die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 Metern zueinander. „Zeitweise wird es zu Situationen kommen, in denen Schüler Mindestabstände in Bussen und Bahnen wegen einer hohen Anzahl zu befördernder Personen nicht einhalten können. Umso wichtiger ist hier das Tragen der Masken, zu dem die Fahrgäste per Verordnung angehalten sind“, erläutert Sabine Herms weiter.

Problematisch ist das allerdings zu den Spitzenzeiten im Schülerverkehr, wenn zwischen 6.30 und 8 Uhr sowie von 12.30 bis 14 Uhr nach Angaben von Sabine Herms rund 700 Busse mit insgesamt knapp 25.000 Sitzplätzen im NVV gleichzeitig unterwegs sind. Während im Stadtgebiet zu diesen Spitzenzeiten alle Straßenbahn- und Buslinien von den Schülern genutzt werden, sind es laut Heide-Marie Hamdad grundlegend die Buslinien 10, 11 und sowie die speziellen E-Wagen zur Gesamtschule Waldau, die dann am stärksten ausgelastet sind.

Dass seit der Aufnahme des regulären Schulunterrichts Busse und Bahnen wieder regelmäßig überfüllt sind, betont kürzlich auch die Kasseler Linke in einer Pressemitteilung. „Gerade zu den Stoßzeiten ist es schwer Abstand zu halten. Mit dem Einsatz zusätzlicher Busse und Bahnen kann das Infektionsrisiko gesenkt und der Komfort für die Nutzerinnen und Nutzer des ÖPNV gesteigert werden,“ sagt Vera Kaufmann, gesundheitspolitische Sprecherin. Um mehr Fahrzeuge nachzusteuern und die Situation zu verbessern, analysiert der NVV derzeit schon gemeinsam mit allen Nahverkehrsgesellschaften die Bussituation im Schülerverkehr.

„Wir haben bereits mit Busunternehmen, die über die jeweiligen Ausschreibungen unsere Vertragspartner in den Verkehrsverträgen sind, gesprochen. Wenn diese Unternehmer keine Möglichkeit für weitere Fahrten haben, dann suchen wir gemeinsam nach weiteren Alternativen“, führt Sabine Herms aus. Denn der Einsatz der angesprochenen Busunternehmer im ÖPNV sei nicht nur von besonderen gesetzlichen Rahmenbedingungen abhängig, auch ihre Kapazitäten seien „endlich“.

Erste Erfolge sind jedoch schon erzielt worden. So ist im Schwalm-Eder-Kreis morgens auf der Linie 491 zwischen Homberg und Malsfeld ein zusätzlicher Reisebus der Firma Frölich unterwegs und in Kassel lässt die KVG auf der Linie 17 vom Schulzentrum Brückenhof in Richtung des Fraunhofer Instituts an Schultagen um 13.39 Uhr einen Zusatzbus verkehren.

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