"Vorbeigeschossen": Zwei Männer aus Kassel nach illegalem Autorennen verurteilt

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An der Ampel auf der Dresdner Straße, Ecke Sandershäuser Straße, endete die Fahrt der beiden Angeklagten.

Nach einem verbotenen Autorennen sind zwei Männer aus Kassel jetzt vom Amtsgericht verurteilt worden. Sie müssen für zwölf Monate ihren Führerschein abgeben und eine Geldstrafe in Höhe von 4250 Euro und 3600 Euro zahlen.

Kassel. Amtsrichter Dr. Holland erklärte, der Führerschein könne eingezogen werden, wenn die Vermutung naheliegt, dass eine Person charakterlich ungeeignet ist, am Straßenverkehr teilzunehmen. „Und dass das auf Sie zutrifft, daran habe ich keinen Zweifel“, sagte der Amtsrichter in Richtung Anklagebank.

Was war passiert? Die beiden Männer im Alter von 23 und 25 Jahren besuchten am 18. November 2018 eine Shisha Bar auf der Friedrich-Ebert-Straße. Nach Mitternacht bekamen die beiden Freunde allerdings Hunger und beschlossen, zum 25-jährigen Angeklagten nach Hause zu fahren. Anscheinend hatten sie dann aber solch einen Kohldampf, dass sie zuerst über eine rote Ampel und dann mit mindestens 150 Km/h über die Dresdner Straße rasten. Dumm nur, dass an der roten Ampel schon eine Zivilstreife der Polizei rund 30 Sekunden wartete. Dabei überholte ein Auto die Streife gar auf der Linksabbiegerspur, die gerade grün hatte. Der ältere der beiden Männer fuhr einen geleasten Golf GTI mit rund 200 PS. Sein Freund, ein Lagerarbeiter fuhr einen BMW SUV mit ca. 220 PS.

Die beiden Polizeibeamten schilderten im weiteren Verlauf des Prozesses, wie sie versuchten die beiden Autos einzuholen. „Die Autos sind an uns vorbeigeschossen. Anschließend beschleunigten wir auf 180 km/h und trotzdem wurde der Abstand immer größer“, berichtete einer der Polizisten. Die Polizisten schalteten Martinshorn und Sirene ein, an der Ampel auf der Dresdner Straße, Ecke Sandershäuser Straße, legten die Männer aus Kassel dann eine Vollbremsung hin und wurden gestellt. Vor Gericht bestritten die Angeklagten, sich ein Rennen geliefert zu haben und konnten sich auch nicht an ihre genaue Geschwindigkeit erinnern. „Ein wenig schneller, als die erlaubten 80, aber nicht mit 150 km/h“, gaben die beiden zu Protokoll. Zudem bestritten sie, über die rote Ampel gefahren zu sein.

Amtsrichter Dr. Holland hingegen hatte an den Aussagen der Polizisten keine Zweifel und hielt es für äußerst unwahrscheinlich, dass die Polizisten im Umkehrschluss rund 30 Sekunden vor einer grünen Ampel gestanden hätten. Die Verteidiger der Angeklagten hatten in ihrem Plädoyer Freispruch gefordert, da ihre Mandanten keine Straftat, sondern eine Ordnungswidrigkeit begangen hätten.

Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte eine noch höhere Geldstrafe gefordert und hatte keine Zweifel, dass sich die beiden Angeklagten ein Rennen geliefert haben. Es sei pures Glück gewesen, dass auch um 0.40 Uhr keine Fußgänger oder anderen Autofahrer unterwegs gewesen seien. Erst 2017 wurden die Strafen für illegale Autorennen vom Gesetzgeber verschärft. Besonders Menschen in ihren Mittzwanzigern seien häufig an illegalen Autorennen beteiligt, so der Amtsrichter. 

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