"S' Vroni macht auch gern Theater"

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Kassel/Bad Hersfeld. Briefwechsel von Rainer Hahne an Hersfelds Neu-Intendant Dr. Dieter Wedel.

Sehr geehrter Dr. Dieter Wedel,Ihre Vorstellung als neuer Festspielleiter der Hersfelder Festspiele im Rahmen einer Pressekonferenz werde ich so schnell nicht vergessen.In einer Luxuslimousine deutscher Bauart wurden Sie vor die Stadthalle kutschiert. Dort öffnete Ihnen der Bürgermeister die Tür. Fehlte eigentlich nur der rote Teppich.Und diesen Empfang hatten Sie sich auch verdient, denn anschließend haben Sie in einer 45minütigen Vorstellung die schwarzen Wolken über den Festspielen weg geschoben.Mit offenen Worten haben Sie dabei nicht gegeizt. Die jahrelangen Zerwürfnisse zwischen Bürgermeister und Ihrem Vorgänger Holk Freytag haben Sie mit dem Untergang der Titanic verglichen: "Es ist mir dabei egal, wer  der Kapitän und wer der Eisberg war.”

Nicht nur das ist Ihnen egal. Sie wollen sich auch mit Holk Freytag treffen und ihn als Regisseur engagieren – ganz großes Kino. Und der Bürgermeister muss Sie gewähren lassen, "wenn Sie sich nicht in die juristischen Schritte zwischen Freytag und Stadt einmischen.”Ja, für den Herrn Bürgermeister muss schnell klar geworden sein, dass man manche Kröte schlucken muss, wenn man einen bekannten Regisseur verpflichten und den Festspielen neuen Glanz verleihen will.Da ist es besonders schön, wenn man sich gemeinsam darauf einigen kann, dass der Dirigismus der Spiele durch städtische Gremien ein Modell ohne Zukunft ist. Eine gemeinnützige GmbH soll her, geleitet von einem kaufmännischen Leiter. Schluß müsse damit sein, die Festspiele zu einem Spielball lokaler politischer Auseinandersetzungen zu machen.Sie, sehr geehrter Dr. Wedel, wollen sich dem widmen, was Sie besonders gut können. Der Arbeit mit Schaupielern und mit Themen, die Sie niveauvoll, aber volksnah aufarbeiten.  In Worms haben Sie mit dem schweren Stoff der Nibelungensage sage und schreibe fast alle Aufführungen ausverkauft.Und wen werden Sie auf die Bühne bringen? Veronica Ferres? "Warum nicht? S’Vroni macht doch gern Theater”, machten Sie schnell deutlich, dass Sie "Ihre” Stars, die mit Ihnen "sogar ihre Familienplanung absprechen” nach Hersfeld holen wollen.Und wenn Ihre Theaterkritiker mal wieder darüber nörgeln? "Sollen sie doch, Hauptsache sie schreiben eine halbe Seite.”  Das ZDF, Ihr Leib- und Magensender ist sowieso dabei? "Aus Worms haben sie live überragen. Das könnte ich mir auch hier gut vorstellen”, bringen Sie neuen medialen Schwung in die Festspielstadt, der Sie eins schon ins Poesiealbum geschrieben haben: "Wer Angst hat zu feiern, sollte keine Festspiele veranstalten.”Mit feierlichen GrüßenRainer HahneChefredakteurP.s. Und kriegen Sie jetzt 900.000 Euro pro Jahr? Sie haben gelacht: "Mehr nicht?” Und mir angeboten: "Wir treffen uns und erzählen uns gegenseitig, was wir verdienen.”   Machen wir. Ich habe mir schon ein Badehandtuch eingepackt – um die Krokodilstränen zu trocknen.

Ihre Meinung? hahne@ks.extratip.de

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