Bei Wärme steigt die Klau-Rate: Fahrraddiebstähle in Kassel nehmen zu

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Fahrrad-Experte gibt Tipps:  Kai Langer (Radsport Bornmann) rät zum Thema Fahrradschloss - lieber ein paar Euro mehr auszugeben.

Neben den ungesicherten oder nur unzureichend gesicherten Fahrrädern im öffentlichen Raum, werden auch häufig Fahrraddiebstähle aus Kellern geklaut.

Kassel. Der Schock kam an einem frühen Morgen, als Rudi F. aus dem Vorderen Westen mit seinem Fahrrad den Weg zur Arbeit nach Bettenhausen antreten wollte. Das Schloss am Kellerverschlag aufgebrochen, das 800 Euro teure Fahrrad weggeschafft – neben einem Akku-Bohrschrauber und einer Maglite-Taschenlampe. Kein Einzelfall.

„Neben den ungesicherten oder nur unzureichend gesicherten Fahrrädern im öffentlichen Raum, werden auch häufig Fahrraddiebstähle aus Kellern angezeigt. Nicht selten stellen die Besitzer ihre Räder ohne Schloss in extra ausgewiesenen Fahrradkellerräumen oder hinter Lattenverschlägen ab, die ebenfalls nur dürftig mit einem Vorhängeschloss gesichert sind“, weiß Torsten Werner, Sprecher des Polizeipräsidiums Kassel. Und in den Monaten April und Mai kletterten nicht nur die Temperaturen nach oben. Auch die Zahl der Fahrraddiebstähle stieg rasant an. Gut 100 Räder mehr als im Vorjahr wurden gestohlen. „Das gute Wetter hat offenbar nicht nur mehr Fahrradfahrer auf die Straße, sondern auch Fahrraddiebe an die Tatorte gelockt“, mutmaßt Torsten Werner. Waren im Vorjahr bis Ende Mai 228 Fälle (Gesamt 2017 = 729 Fälle) bei der Polizei registriert worden, bei denen Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs durch einfachen oder schweren Diebstahl abhanden gekommen sind, so sind es in diesem Jahr bereits 319 Fälle (Stadt Kassel 275 Fälle, Landkreis Kassel 44 Fälle). „Wir nehmen dabei wahr, dass häufig eine unzureichende Sicherung der Zweiräder es den Fahrraddieben einfach macht“, beobachten Torsten Werner und seine Kolleginnen und Kollegen.

Das gilt auch für Pedelecs und E-Bikes, die meist in der Anschaffung deutlich mehr kosten, als ein klassisches Fahrrad. Der Anstieg der Fallzahlen in diesem Bereich ist ähnlich signifikant. Waren im gesamten Jahr 2017 in Stadt und Landkreis Kassel 36 (Stadt Kassel = 32 / Landkreis = 4) solcher Fälle bekannt geworden, so sind es bislang bereits 40 Fälle (Stadt Kassel = 36 / Landkreis = 4). Im Vorjahresvergleichszeitraum waren nur sieben Diebstähle (Stadt Kassel = 5 / Landkreis = 2) dieser Zweiradarten angezeigt worden.

Zu leicht knackbar: Experte gibt Tipps

Ein Grund dafür, dass Diebe oft ein leichtes Spiel haben, sind schlechte Fahrradschlösser. Denn: Der Fahrraddiebstahl wird häufig durch eine schlechte Sicherung mit „Billigschlössern“ begünstigt. Viele lassen sich in kürzester Zeit mit einem Bolzenschneider durchtrennen. Wer sein Fahrrad behalten will, sollte sich also ein gutes Schloss zulegen und es auch richtig anschließen. Fahrrad-Experte Kai Langer (Radsport Bornmann im Königstor) sagt: „Ein gutes Schloss kostet ab 70 Euro aufwärts.“ Dabei gibt es verschiedene Varianten. Bügelschlösser, Kabelschlösser, Faltschlösser oder Kettenschlösser. Nicht alle sichern gleich gut. Desto massiver das Schloss ist, desto schwerer haben es auch die Diebe. Je leichter und teurer ein Fahrrad ist, umso schwerer und teurer sollte auch ein adäquates Schloss sein. Langer rät zu Ketten oder Faltschlössern. „Faltschlösser gibt es auch mit einem 100 Dezibel lautem Alarm“, so der erfahrene Mountainbiker. Sein Anschlusstipp: Das Fahrrad immer an einem stabilen Gegenstand anschließen, der widerstandsfähig ist. Weiter sollte man es möglichst oben am Rad abschließen, da so der Dieb schwerer sein Werkzeug am Boden abstützen kann (beispielsweise beim Aufhebeln des Schlosses).

Zahlt die Versicherung für mein geklautes Fahrrad? 

 

Wir haben darüber mit Walter Thomas (Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute) gesprochen.

Welche Versicherungen für Fahrräder gibt es? Die meisten Fahrräder sind in Deutschland über eine Hausratversicherung gegen Einbruchdiebstahl versichert. Im Fall, wenn das Fahrrad in einem verschlossenen Raum (Keller) abgestellt wurde und dieser Raum wurde aufgebrochen und das Fahrrad gestohlen, zahlt die Hausratversicherung, da Einbruchdiebstahl versichert ist. Die Möglichkeit eine eigene Fahrradversicherung abzuschließen besteht aber auch, hier sollte jeder für sich prüfen, ob dies erforderlich ist. Und wenn mein Fahrrad auf der Straße geklaut wird? Auch wenn das verschlossene Fahrrad draußen gestohlen wird, gibt es unterschiedlichen Verträge. Bei neuen Bedingungen der Hausratversicherung gilt der Versicherungsschutz rund um die Uhr – sehr wichtig gerade für Menschen, die auch Nachts mit ihrem Rad unterwegs sind. Bei älteren Bedingungen galt als versicherter Zeitraum tagsüber – und danach noch, wenn das Fahrrad wieder genutzt werden sollte um nach Hause zu fahren. Ganz wichtig, das Fahrrad muss abgeschlossen sein, da sonst kein Versicherungsschutz besteht, das gilt für neue und ältere Bedingungen. In welcher Höhe ist mein Fahrrad versichert? Es gilt Neuwertversicherung. Bei älteren Verträgen dagegen Zeitwert. Welche Belege sind für einen Schadensausgleich wichtig? Kaufbelege von Fahrrädern immer aufheben, auch der Fahrradpass und ein Foto vom Fahrrad ist im Schadenfall hilfreich bei der Regulierung. Die Anzeige bei der Polizei ist zwingen

Polizeiberatung

Weitere Infos, wie Sie sich vor Fahrraddiebstahl schützen können, erhalten Sie im Internet unter www.polizei.hessen.de und www.polizei-beratung.de. Dort können Sie sich auch die so genannte „Fahrradpass-App“ herunterladen, in der wichtige Daten gespeichert werden können, die beim Diebstahl für die Fahndung gebraucht werden. Persönlich beraten können Sie sich auch in der Polizeilichen Beratungsstelle, dem Polizeiladen in der Kasseler Wolfsschlucht.

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