Muuh! Türkei weist vierzig Kühe aus

Europa war der große Gewinner der Wahlen in den Niederlanden. Verloren hat Erdogan.

Sehr geehrter Mark Rutte,

Sie sind der niederländische Ministerpräsident und sind mit Ihrer rechtsliberalen Partei der große Sieger der Parlamentswahlen geworden. Gewonnen haben aber auch die Wähler in Ihrem Land, die sich mit fast unvorstellbaren 81 Prozent an der Wahl beteiligt haben. Dafür meinen größten Respekt. Doch nicht nur das. In Deutschland waren die Übertragungen während der Wahl in Ihrem Land der große Renner. Egal, ob im Fernsehen oder in den Zeitungen und sozialen Medien – das Thema Wahlen in den Niederlanden überschattete alles. Und woran lag das? In erster Linie wohl daran, dass sich bis dato nur Fachleute mit Ihrem Wahlsystem und den zahllosen Parteien beschäftigt haben. In unserem Land gab es viele, die tatsächlich geglaubt haben, dass die Niederlande in Zukunft von dem Rechtsradikalen Geert Wilders, einem guten Freund und Vorbild für unsere AfD um Petry, Gauland und Höcke, regiert werden könnten. Die Chance war nie da, denn keine andere Partei wollte und will mit diesem Mann etwas zu tun haben. Bei Ihnen kennt man noch das schöne Lied: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern...“ Wilders – und damit auch unsere AfD – sind die großen Verlierer dieser Wahlen.

 „Schuld“ an Ihrem Wahlsieg ist aber auch der türkische Ministerpräsident Erdogan, der versucht hat, auch Ihrem Land seinen unsäglichen Wahlkampf aufs Auge zu drücken. Ihre Reaktion war bemerkenswert. Ein Minister durfte nicht landen, eine Ministerin wurde aus Ihrem Land komplimentiert. Ungebetete Gäste waren sie und wurden auch so behandelt. Hier haben gleich zwei Staatenlenker alles auf eine Karte gesetzt.

Gewonnen haben bisher nur Sie, denn Sie haben mit Ihrer Vorgehensweise gezeigt, dass Sie sich von nichts und niemandem vorschreiben lassen, was in den Niederlanden passieren soll. Als Belohnung für Ihre Standhaftigkeit gab es einen klaren Wahlsieg. Gewonnen hat damit auch die EU. Nach dem Brexit haben viele voller Sorge auf Ihre Wahlen geschaut. Ihr Sieg hat für große Erleichterung bei allen überzeugten Europäern gesorgt.

Aber auch die ersten Opfer gilt es zu beklagen. Noch am Wahlabend wurde bekannt, dass die Türkei vierzig Kühe aus Holland ausweisen wird. Warum ist noch unklar. Wohin die Widerkäuer reisen werden ebenfalls. Wer bisher geglaubt hat, der Irrsinn Erdogans hätte schon seinen Höhepunkt erlebt, wird sich wohl noch wundern. Der Straßenkämpfer aus dem Hafen Istanbuls zerschlägt alles Pozellan in Reichweite. Und damit auch die türkische Wirtschaft. Und dabei kann ihn sowieso niemand daran hindern, das Wahlergebnis zu fälschen. Es gibt keine Opposition, keine Pressefreiheit mehr in der Türkei.

Mit wahltaktischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Dafür gibt es Reisewarnungen in den Niederlanden und Deutschland. Wer in die Türkei reist, tut das auf eigenes Risiko!.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub verstorben

Schocknachricht aus Baunatal: Manfred Schaub ist verstorben.
Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub verstorben

E-Sport kommt in der Region an: KSV Baunatal will Zocker unterstützen

In der Region ist der Trend E-Sport angekommen. Nicht nur der Baunataler KSV rüstet auf, auch Kasseler E-Sportler mischen bei internationalen Wettkämpfen mit.
E-Sport kommt in der Region an: KSV Baunatal will Zocker unterstützen

Waffendeal in Ziegelei: Jakale Film drehte weitere Kassel-Szenen für Kino-Thriller EneMe

Und dabei ging es ordentlich zur Sache: PS-starke Luxusautos, muskelbepackte und finster dreinblickende Männer sowie Sturmgewehre bestimmten die Szenerie.
Waffendeal in Ziegelei: Jakale Film drehte weitere Kassel-Szenen für Kino-Thriller EneMe

13-Jährige aus Jugendhilfeeinrichtung in Calden vermisst

Seit Donnerstag, 17. Mai, 16 Uhr, wird die 13-jährige Alina Sander aus dem Schutzhof Calden vermisst.
13-Jährige aus Jugendhilfeeinrichtung in Calden vermisst

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.