Briefwechsel: Der Wahlkampf wird heiß

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Hessengipfel der SPD

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel diese Woche an SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Sehr geehrter Martin Schulz,

Sie waren am Samstag beim Hessengipfel der SPD und haben für einen regelrechten Aufruhr gesorgt. Im friedlichen Friedewald drängten sich die Journalisten. Politiker, Mitglieder und Funktionäre der Partei waren außer Rand und Band. Die SPD ist nach jahrelangem Tiefschlaf aufgewacht und hat wieder Hoffnung geschöpft. Der Grund ist klar – raketenartig sind die Werte der Partei in den Himmel geschossen. Zu Zeiten eines Parteichefs Sigmar Gabriel dümpelten die Sozialdemokraten bei zwanzig Prozent herum. Mittlerweile sind es 29 Prozent bei Umfragen und die CDU/CSU wird langsam nervös.

Samstag war es schon ein wenig putzig. Gerade mal fünf Minuten dauerte eine Pressekonferenz mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Dann stürmte alles raus. „Schulz kommt.“ Dicht umdrängt von Fotografen kamen Sie auf das Gelände des Hotels „Prinz von Hessen“. Nur mit Mühe ging es eine Treppe hoch in den Rittersaal. Wirklich jeder brauchte sein Schulz-Foto. Und im Saal ging gar nichts mehr. Minutenlange standing ovations. Auch der letzte Platz war besetzt. „So einen Aufschwung hat es noch nicht einmal mit Schröder gegeben“, war man sich einig. Dann ging Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel ans Mikro. Umjubelter Angriff auf das Handelsblatt: „Es ist unglaublich, was sich der Chefredakteur Gabor Steingart geleistet hat. Es spielt keine Rolle, ob Martin Schulz das Abi hat, studiert hat. Es rüttelt an den Festen unserer Überzeugung, wenn man allen weiss machen will, dass nur solche Leute Bundeskanzler werden können.“ Ungeheurer Jubel!

Und in der Tat. Hier bewirbt sich kein Berufsanfänger um einen Job. Sie, Herr Schulz, haben als Buchhändler geearbeitet, haben jahrelang eine Stadt als Bürgermeister geleitet. Sie haben sich im Europaparlament nicht nur immer klar und deutlich geäußert, sondern übelsten Beleidigungen die Stirn geboten. Als Berlusconi sie als „KZ-Wärter“ beschimpft hat, als ein rechtsradikaler Abgeordenter im Europaparlament gehetzt hat. Sie haben sich nicht irritieren lassen. Das ist auch heute so. Natürlich hatte man bei der CDU gehofft, Gabriel werde als Kanzlerkandidat antreten.

Sie, Herr Schulz, sind als ehemalger EU-Ratspräsident ein ganz anderes Kalibger. In Friedewald waren Sie überhaupt nicht friedlich, haben Ihrer Genossin, die von VW Millionen kassiert hat, klar und deutlich ins Poesiealbum geschrieben, dass das überhaupt nicht geht. Sie scheuen sich nicht davor zurück, auch Fehlentwicklungen in der eigenen Partei klar und deutlich anzusprechen. Ich freue mich jetzt schon auf einen spannenden Wahlkampf.

Mit demokratischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Tigerblog, Epoch Times, Compact, ET Deutsch, Kopp und Junge Freiheit hetzen im Internet schon mächtig los. Leute, die Behauptungen dieser Gruppierungen ungeprüft übernehmen, kann man nicht mehr erst nehmen.

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