Am Weltfrauentag für Gleichbehandlung: Frauen- und Queersstreik auch in Kassel

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Bereits vergangenes Jahr demonstrierten die Mitglieder des Kasseler Frauen- und Queers- streik-Komitees am Weltfrauentag mit zahlreichen Unterstützenden vor dem Rathaus. Als Zeichen der Arbeitsniederlegung klapperten die Streikenden mit Kochtöpfen und warfen symbolisch Haushaltsgegenstände zu Boden.

Auch in diesem Jahr ruft der Frauen- und Queersstreik wieder am Weltfrauentag zum Protest für eine gerechte Gesellschaft ohne Diskriminierung Herkunft auf.

Kassel. Im Kampf um Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen wurde am 19. März 1911 bereits der erste Internationale Frauentag begangen. Seit 1921 wird der Weltfrauentag jährlich am 8. März gefeiert und bis heute weltweit von zahlreichen Engagierten zum Anlass für Streikaktionen genommen. So auch von den Mitgliedern des ende 2018 gegründeten Frauen- und Queersstreik Kassel.

Bereits im vergangenen März streikte die Kasseler Gruppe mit zahlreichen Unterstützenden vor dem Rathaus. Als Zeichen der Arbeitsniederlegung klapperten die Streikenden lautstark mit Kochtöpfen und warfen symbolisch Putzmittel und Haushaltsgegenstände zu Boden. „Ich fand den Streik im letzten Jahr mit seinen vielen Vorträgen und Workshops ziemlich cool und wollte die Aktionen in diesem Jahr selbst mitgestalten“, erzählt Sozialarbeiterin Sandra aus der Organisationsgruppe des Frauen- und Queersstreik Kassel. Grundlegend hat es sich die Gemeinschaft zum Ziel gemacht, auch in Kassel ein breites feministisches Streikbündnis aufzubauen und möchte im Kampf für Gerechtigkeit und Solidarität vor allem rassistische und sexistische Strukturen aufbrechen.

„Ich streike am 8. März weil ich keine ‚Schlampe‘ bin2: Das feministische Streikbündnis in Kassel setzt sich für eine gerechte Gesellschaft ohne Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Arbeitstätigkeit, Sexualität oder Herkunft ein.

„Es sollte ganz normal sein, dass es unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben und Geschlechtern gibt oder, dass sie sich auch gar keinem Geschlecht zuordnen wollen“, sagt die 32-Jährige. Für die Streikenden ist es außerdem von großer Bedeutung, für mehr Chancen in Sachen Ausbildung und Arbeit sowie für die Wertschätzung alltäglicher Haushaltsarbeit einzutreten. „Es ist wichtig diese Kehrarbeit zu betonen, weil sie etwas sehr Unsichtbares ist. Putzen und kochen sind Dinge, die oft nicht anerkannt werden weil sie eben gemacht werden müssen“, erklärt Almu. War die 25-Jährige dem Aufruf verschiedener Städtegruppen des Frauen- und Queersstreik zu einem bundesweiten Treffen nach Göttingen gefolgt, rief sie mit einer weiteren Person die Kasseler Ortsgruppe ins Leben. „Es gibt in Kassel aber viele weitere Organisationen, die sich schon vor uns mit zahlreichen Aktionen in Sachen Frauenbewegung engagiert haben“, bekräftigt Almu. Zum ersten Mal getroffen hat sich der Kasseler Frauen- und Queersstreik im autonomen Frauen- und Geschlechterpolitikreferat der Universität und kommt seitdem jede Woche dienstags und donnerstags zusammen, um sich zu besprechen und zu organisieren. Beträgt die Organisationsgruppe rund 20 Mitglieder, ist es schwierig eine exakte Zahl aller Mitglieder zu fassen. „Beim Streik und der anschließenden Demonstration im letzten Jahr waren 250 Menschen aktiv“, sagt Sandra.

Demonstration geplant

Auch in diesem Jahr ruft der Frauen- und Queersstreik wieder zum Protest für eine gerechte Gesellschaft ohne Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Arbeitstätigkeit, Sexualität oder Herkunft auf. „Wir haben bestimmte Themen ausgewählt, die mit Unterdrückung und Ungleichheit für Frauen zu tun haben und wollen die Menschen eine ganze Woche lang mobilisieren“, erklärt Almu, die als persönliche Assistentin für Menschen mit Behinderung arbeitet. „In dieser Woche geht aber nicht nur alles von uns aus. Die Idee hinter dem Ganzen ist, dass alle Kasseler Gruppen sich kennenlernen und vernetzten“, ergänzt sie.

Freitag sollen hingegen Konsum und Klima hinterfragt und dementsprechend auf Bus- und Bahn ausgewichen werden. Am Samstag, 7. März, stehen von 12 bis 18 Uhr auf dem Rathaus-Vorplatz wieder feministische Begegnungen und der Austausch untereinander im Vordergrund. Dazu gibt es Vorträge, Musik, und kreative Aktionen wie beispielsweise Plakate für die große Demonstration am Folgetag zu malen. Um 14 Uhr startet die feministische Demonstration gegen unwürdige Zustände am Sonntag am Hauptbahnhof. Sie soll über Ständeplatz und Fünffensterstraße zur Universität am Holländischen Platz führen und voraussichtlich um 16 Uhr dort enden.

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