Zu wenig Geld für Schulen: Kasseler Schüler streiken am Montag

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Nachdem es in ihrer Schule durch die Decke regnete, wird nun endlich etwas getan: Die Bündnismitglieder und Schulsprecher Lilo Rüdiger und Simon Richter vor der Offenen Schule Waldau.

Das Bündnis "Unsere Zukunft erkämpfen" ruft Kasseler Schüler am Montag zu einem Streik auf, um für mehr Geld für sanierungsbedürftige Schulen zu protestieren.

Kassel. Die Zustände an den meisten Kasseler Schulen sind nicht mehr tragbar. Da sind sich die Mitglieder des Bündnisses „Unsere Zukunft erkämpfen“ einig. Im Sommer dieses Jahres hat sich das Bündnis aus Schülervertretern, Schülern und Ehemaligen von mittlerweile zehn Kasseler Schulen zusammengeschlossen. Unterstützt wird es nach eigenen Angaben von Stadt- und Kreisschülerrat, der Linksjugend Solid, der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) sowie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Der traurige Anlass für die Zusammenschluss: Kaputte Fenster, schimmlige Klassenräume, Löcher in den Decken, unzureichende Medienausstattung – generell sanierungsbedürftige Schulgebäude und schlecht ausgestattete Klassenräume. „In so einem veralteten, teilweise baufälligen Umfeld kann man einfach nicht gut lernen. Der Unterricht leidet darunter, dass die Stadt Kassel seit Jahren zu wenig in ihre Schulen investiert“, sagt Lilo Rüdiger, Schulsprecherin der Offenen Schule Waldau. Aus diesem Grund engagiere sich die 15-Jährige im „Bündnis Unsere Zukunft Erkämpfen“. Einmal wöchentlich trifft sich das Bündnis und organisiert Aktionen, um öffentlich auf die Missstände an den Schulen aufmerksam zu machen.

An Lilos Schule ist derzeit ein Treppenhaus gesperrt, weil es hier durch die Decke geregnet hat. Nun wird das Dach der Schule notfallmäßig saniert. Löcher in der Decke und Kabel, die aus offenen Wänden ragen, gehören für die Schüler hier zur Normalität. Experimente in den Naturwissenschaftsräumen können oft nur vom Lehrer durchgeführt werden, weil die Gasleitungen an den Arbeitsplätzen der Schüler nicht sicher genug sind. Und die Waldauer Gesamtschule ist kein Einzelfall. Viele Schulgebäude, die der Stadt gehören, sind längst sanierungsbedürftig.

Anfang November hatte es bereits ein gemeinsames Gespräch zwischen dem Bündnis, Oberbürgermeister Christian Geselle und Schuldezernentin Anne Janz gegeben. „Herr Geselle und Frau Janz haben die meiste Zeit des Gesprächs erklärt, dass kein Geld vorhanden sei und ihnen deshalb die Hände gebunden seien. Dabei haben die Kasseler Schulen einen Sanierungsstau von 144 Millionen Euro“, berichtet die Schülerin und Aktivistin Vanessa Diener. Die Stadt weist diese Aussage zurück. Laut einer Mitteilung zur Haushaltsplanung der Stadt Kassel für das kommende Jahr sollen 31 Millionen Euro in die Modernisierung der Kasseler Schulen fließen. Dies sei durch ein Kommunalinvestitionsprogramm des Landes Hessen möglich. „Die dringend notwendige Modernisierung unserer Schulen wird voran kommen“, sagt Oberbürgermeister Geselle. Welche Schulen erneuter werden, stehe jedoch noch nicht fest, da die Planungen und Abstimmungen mit dem Land Hessen noch liefen.

Einen Schulstreik (siehe Extra Info) zur Sitzung der Stadtverordneten wird es trotzdem geben und auch das Bündnis soll fortbestehen. „Bis sich an unseren Schulen nicht auch tatsächlich etwas tut, werden wir für unsere Ziele kämpfen“, sagt Lilo Rüdiger im Namen des Bündnisses.

EXTRA INFO:

Schulstreik

Am Montag, 11. Dezember, ruft das „Bündnis Unsere Zukunft erkämpfen“ zu einem Schulstreik unter dem Motto „Mehr Geld für unsere Bildung – saniert unsere Schulen“ auf. Schüler, Azubis, Eltern und Unterstützer werden dazu aufgerufen, sich um 9 Uhr vor dem Kasseler Rathaus zu versammeln. Dort findet eine erste Kundgebung durch das Bündnis statt. Danach wird es einen angemeldeten Demonstrationszug durch die Kasseler Innenstadt geben, der vom Rathaus zur Stern-Kreuzung, zum Altmarkt und dann über Steinweg und Fünffensterstraße zurück zum Rathaus führen wird. An diesem Tag wird in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung der Haushalt für das Jahr 2018 beschlossen.

Rechtslage

Zum Streik erwartet das Bündnis mehrere hundert Schüler. Rechtlich gesehen dürfen Schüler jedoch nicht während der Unterrichtszeit streiken. Wer es dennoch tut, gilt als unentschuldigt fehlend und muss mit einem entsprechenden Vermerk in Klassenbuch und Zeugnis rechnen.

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