Weniger Einbrüche in Wohnunge, aber mehr Autos gestohlen

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Kassel. Polizeipräsident Eckhard Sauer hat heute die Kriminalstatistik 2013 vorgestellt: Weiter hohe Aufklärungsquote und wieder weniger Straftaten.

Kassel. "Ich hätte ja gerne die 60 Prozent geknackt", gestand Nordhessens Polizeipräsident Eckhard Sauer. Gerade hatte er die Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr im Bereich Nordhessen vorgestellt. Bei einem erneuten Rückgang der Straftaten um 1.245 Fälle (Stadt Kassel: - 230, Landkreis: -83) auf eine Gesamtstraftatenzahl von 44.838 (Kassel: 19.545) kam die Polizei – wie im Vorjahr – auf eine Aufklärungsquote von 59,1 Prozent.

Weniger Einbrüche in Wohnungen

Besonders erfreulich dabei: der Rückgang bei Wohnungseinbrüchen um 92 Taten in der gesamten Region gegenüber dem Vorjahr. "Die gezielten Bekämpfungsstrategien und die große Zahl an Polizeieinsätzen zu diesem Thema zeigen, dass wir auch weiterhin große Anstrengungen unternehmen, die Einbruchszahlen noch deutlicher zu senken", sagt Eckhard Sauer. Besonders fruchtete die Prävention durch die polizeiliche Beratung. Dank gut gesicherter Türen und Fenster scheiterten im Jahr 2013 173 Einbrüche in der Stadt Kassel im Versuchsstadium. Allerdings stiegen zugleich die Einbrüche in Boden- oder Kellerräume (Nordhessen: plus 111 auf 562, Kassel: plus 80 auf 416). "Sind die Täter erst einmal im Haus brechen sie gleich mehrere Verschläge auf", weiß Uwe Papenfuß, Leiter der Polizeidirektion Kassel. Oft habe man es auch mit den immer wieder gleichen Tätern zu tun, die zum Beispiel aus der Drogenszene kämen. Erfolgt nach der fünften oder sechsten Festnahme dann endlich Haft, könne man ein Absinken der Fallzahlen feststellen. "Sobald ein Drogensüchtiger aber wieder auf freiem Fuß ist, wird er häufig auf diesen Weg der Geldbeschaffung zurückkehren", so der erfahrene Polizist.

Autodiebstähle gestiegen – Banden als Tätergruppe

Ebenfalls negativ ins Auge, wenn auch durch ganz andere Tätergruppen verursacht, fällt der Anstieg beim Auto-Diebstahl um 19 Delikte gegenüber dem Vorjahr. Häufig sind organisierte Banden am Werk, die Aufklärung durch fehlende Tatortspuren schwierig. In Nordhessen verschwanden so 245 Autos (Kassel: 106, Landkreis: 68) – bevorzugt der gehobenen Preisklasse. Und auch bei Betrug und Cyberkriminalität – ein Feld höherer Intelligenz und Kreativität der Täter – gab es Anstiege. So stieg die Zahl der Schockanrufer von 176 im Jahr 2012 auf 244 im Jahr 2013. "Glücklicherweise sind 90 Prozent davon Fehlversuche", berichtet Oliver Kusan, Leiter der Kriminaldirektion des Polizeipräsidiums Nordhessen. Viel Geld steht auch beim sogenannten "Phishing" (Ausspähen von Kontodaten) auf dem Spiel. 34 Fälle verursachten fast 250.000 Euro Schaden (2012: 90.000 Euro bei 26 Fällen).

Mehr "Straftaten gegen das Leben"

In der Obergruppe "Straftaten gegen das Leben" stieg die Zahl der Delikte in der Region um 11 auf 45 an. Dabei starben 19 Menschen, 26 Mal blieb es beim Versuch. Vier der Tötungsdelikte wurden als Mord erfasst, sechs als Totschlag. Acht Menschen verloren durch fahrlässiges Verhalten einer anderen Person ihr Leben, in einem Fall wurde wegen eines strafbaren Abbruchs der Schwangerschaft im Landkreis ermittelt. Unter den erfassten Morden ist auch der an dem Kasseler Halit Y. im jahr 2006, dessen Klärung erst im Jahr 2013 in die Statistik einfloss.Noch nicht in der Statistik erfasst ist der tragische Ertrinkungstod zweier vier und sechs Jahre alter Geschwister am 10. November 2013 in der Badewanne der väterlichen Wohnung am Rothenberg in Kassel.  Das Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den 47 Jahre alten Vater wurde Anfang 2014 an die Staatsanwaltschaft Kassel abgegeben.

Prävention fruchtet im Jugendbereich

Prävention im Team (PiT) heißt das Programm der klassischen Gewaltprävention bei Jugendlichen, das an 20 Schulen in der gesamten Region etabliert wurde. "Ein wichtiges Feld", sagt Polizeipräsident Eckhard Sauer. Schließlich gelte es bereits früh die Weichen gegen eine kriminelle Karriere zu stellen. Und so freut er sich über einen erneuten Rückgang der Tatverdächtigen unter 21 Jahren von 4.193 (2012: auf 4.060). Insgesamt wurden 522 (-45 gegenüber 2012), 1.753 Jugendliche (-18) und 1.785 Heranwachsende (-70) als Tatverdächtige registriert. Traurig aber: Der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen hat zugenommen.

Lob für die Polizisten in einer "sicheren Region"

"Ich bin, auch angesichts der nun vorliegenden Zahlen, davon überzeugt, dass wir in Nordhessen – und da beziehe ich die Stadt Kassel ausdrücklich mit ein – in einer sicheren Region wohnen", bewertete Polizeipräsident Eckhard Sauer die Zahlen für 2013. Lob und Anerkennung dafür gebühre den rund 2.000 Bediensteten seiner Behörde: "Ich danke allen Mitarbeitern für ihre sehr engagierte und professionelle Arbeit."

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