Weniger Plastik: Wie Kasseler gezielt Müll vermeiden und andere überzeugen

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Um Plastikmüll zu vermeiden, stellt sich Karolin Feige ihr Putzmittel oder Deodorant unkompliziert selbst her.

Immer mehr Kasseler sind engagiert, Plastikmüll zu vermeiden. So auch Karolin Feige, die Putzmittel selbst herstellt oder Manfred Menze, der Gastronomen mit dem Plastikfrei-Siegel auszeichnet.

Kassel. Berichtete das Umweltbundesamt, dass jeder Deutsche rund 220 Kilo Verpackungsmüll im Jahr produziert, schwimmt im Pazifischen Ozean laut einer Studie in der Fachzeitschrift Scientific Reports ein 80.000 Tonnen Plastik umfassender Müllstrudel, der kontinuierlich wächst – Zahlen, hinter denen längst eine schwerwiegende Umweltverschmutzung steht. Nachdenklich gestimmt in puncto Müllproduktion wurde Ende letzten Jahres auch Karolin Feige, die seitdem die Absicht verfolgt, ein plastikreduziertes Leben zu führen.

„Als ich im Supermarkt einkaufen war und die Lebensmittel zuhause ausgepackt hatte, war der Gelbe Sack voll. Da ist mir bewusst geworden, dass ich einfach weniger Müll produzieren will“, erzählt die 33-Jährige. Anregungen und Tipps zur gezielten Müllvermeidung hat sich Karolin Feige anfangs im Buch ‚Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün‘ und schließlich durch unzählige Beiträge auf Instagram geholt. Dort gibt die Kasselerin mit ihrem Account ‚zerowaste_kassel‘ mittlerweile selbst nützliche Ratschläge für ein plastikreduziertes Leben.

Mittlerweile hat Karolin Feige ihren Plastikmüll so weit reduziert, dass in einem Zeitraum von zwei Wochen lediglich eine kleine Brötchentüte statt eines Gelben Sacks an Müll anfällt.

„Es gibt viele Kasseler, die sich dafür interessieren und die mir auf Instagram ihren Zuspruch mitteilen oder noch mehr hilfreiche Tipps geben“, so Feige. In der Praxis sieht das Ganze dann so aus: Zum Einkaufen nimmt die umweltbewusste Kasselerin grundsätzlich Stoffbeutel für Brot, Obst oder Gemüse mit. Steht sie an der Fleisch- oder Käsetheke, hat Karolin Feige Metalldosen für den Transport dabei. „Das Einkaufen muss man schon planen und genug Dosen dabei haben. Auch kann es eine Überwindung sein, den Verkäufern die Dose zu reichen, aber ich erhalte durchweg positive Resonanz“, sagt Karolin Feige.

Zum Putzen verwendet sie selbstgemachten Reiniger aus Essigessenz, Wasser und ätherischen Ölen oder auch Kartoffelschalen, deren Stärke Fensterscheiben und Spiegel blank macht. Zur Mundhygiene kommen spezielle Zahnputztabletten zum Einsatz, welche die Zahnpasta in der Plastiktube ersetzten. „Es geht nicht darum, alles selbst herstellen zu müssen, sondern einfach darauf zu achten, wie man Müll vermeiden kann. Ich mache auch immer noch Plastikmüll, aber deutlich weniger als zuvor“.

Nachhaltiger Tipp: Deodorant selber machen

Karolin Feiges umweltfreundlicher und selbstgemachter Favorit ist aluminiumfreies Deodorant, für das man nur Wasser, Natron und ätherische Öle für den Geruch benötigt.

– Das Wasser kochen und abkühlen lassen

– Ein bis zwei Teelöffel Natron darin verrühren

– Mehrere Tropfen eines ätherischen Öls (Lavendel, Zitrone etc.) hinzugeben

– Gemisch in eine Sprühflasche füllen und los geht‘s

Viele Lebensmittel gibt es außerdem direkt im Glas. Gute Kasseler Anlaufstellen, bei denen das Essen in eigenen Dosen geholt werden kann, sind laut der 33-Jährigen der Herbstapfel und Schmackes Bioladen im Schillerviertel. Dort sei nicht nur unverpacktes Toilettenpapier erhältlich, Nudeln und Geschirrspülmittel könnten dort auch unkompliziert in eigene Gläser abgefüllt werden.

Initiative „Kasselplastikfrei“

Im Schmackes kauft auch Manfred Menze mit eigenen Behältnissen ein, der im letzten Jahr mit „Kasselplastikfrei“ sogar eine eigene Initiative zur Müllvermeidung ins Leben gerufen hat. Der 53-Jährige möchte vor allem andere auf die Problematik aufmerksam machen, allen voran Kasseler Gastronomen.

Manfred Menze:"Wir haben hier wirklich eine Chance, den Ort plastikfrei zu machen, die Politik muss es nur begreifen."

„Ziel ist es, Mehrwegsysteme in Kassel längerfristig zu etablieren. Dazu habe ich ein Siegel entwickelt, das ich an Einrichtungen vergebe, die sich dazu verpflichten, Mehrweggefäße anzubieten,“ sagt Menze. Hat die Suppenplantage als erstes Kasseler Geschäft das Plastikfrei-Siegel bekommen, sind es mittlerweile neun weitere Lokalitäten. Als nächste erhalten laut Menze voraussichtlich die Nachbar in der Südstadt sowie Gambero Rosso in Wehlheiden das Siegel.

Ausgezeichnet wurde von Manfred Menze auch die Auefeldschule, nachdem er mit den zahlreichen Kindern über die Möglichkeiten zur Plastikvermeidung sprach. Eine 1.658 Unterschriften starke Petition startete der Familienvater außerdem auf der Internetseite kasselplastikfrei.de, um die Stadt Kassel aufzufordern, sich das Ziel zu setzten, Kassel zur plastikfreien Stadt zu machen.

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