Wenn der Alltag einstürzt: Kasselerin berichtet über die Erdbeben in Mexiko

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Viele Häuser sind zerstört oder nicht mehr bewohnbar, wie hier in den Stadtteilen „Condesa“ und „Roma“.

Schon zwei Mal bebte Anfang September in Mexiko die Erde. Die Kasselerin Victoria Vicum berichtet über die aktuelle Lage.

Kassel/Mexiko-City. Das letzte Beben ist erst wenige Tage her, die Zerstörungen sind groß und mindestens 248 Menschen sind ums Leben gekommen. Die Kasselerin Victoria Vicum, die seit einem Jahr als Lehrerin in Mexico-City arbeitet, erlebt die Katastrophen hautnah und berichtete lokalo24 von der aktuellen Lage.

Nach dem Studium ging es für die Kasselerin Victoria Vicum von Freiburg nach Mexiko-Stadt.

„Mein erstes Erdbeben in Mexiko-Stadt hab ich am 8. September miterlebt und es war mit 8,2 auf der Richterskala das stärkstes Erdbeben seit 30 Jahren hier in der Stadt. Glücklicherweise geht es mir und meinen Freunden gut,“ so die 26-Jährige. „Aus meinem direkten Umkreis geht es allen gut, wobei von meinen mexikanischen Freunden immer noch Familienangehörige und Freunde vermisst werden. Alltag gibt es bei uns aber seit Dienstagmittag nicht mehr. Ich bin unglaublich dankbar, dass Dienstag um 11 Uhr der Probealarm war, sodass alle Kinder in der Schule genau wussten, was zu tun ist! Wir hatten um 13.10 Uhr in der Grundschule Schulschluss, sodass Gottseidank schon fast alle Kinder im Freien waren, als es bebte. Den Nachmittag haben wir dann draußen auf den Sportplätzen verbracht, bis alle Kinder von ihren Eltern abgeholt wurden, da die Schulbusse nicht mehr fahren durften. Dann folgte natürlich das Verkehrschaos, um nach Hause zu kommen und die Angst um unsere Wohnungen, da wir von einigen eingestürzten Gebäuden in „Roma“ und „Condesa“, wo viele meiner Kollegen und viele Europäer wohnen, gehört haben. Drei Kollegen können nicht mehr in ihren Wohnungen bleiben, die anderen und ich hatten Glück. Der Unterricht wird erst am Montag wieder aufgenommen. Am Mittwoch sind wir mit der Liste vom Roten Kreuz Hilfsgüter einkaufen gegangen und haben sie an die Sammelstellen gebracht. Wir sind von einem eingestürzten Gebäude zum nächsten gelaufen und haben Hilfe angeboten, aber es waren so viele hilfsbereite Menschen auf den Straßen, dass wir wieder weggeschickt wurden, damit wir die Straßen nicht blockieren. Es besteht ein unglaublich großer Aktionismus unter der Bevölkerung!

Große Hilfsbereitschaft

Viele Bürger in der Stadt helfen und halten zusammen.

Die Mexikaner erlebe ich schon im Alltag sehr herzlich und hilfsbereit, in diesen Ausnahmesituationen zeigt sich das natürlich noch stärker. Jetzt ist gerade Donnerstagmorgen bei mir und ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, wie der heutige und die nächsten Tage aussehen werden. Ich werde gleich wieder zur nächstgelegen Hilfsstelle gehen und dort fragen, ob und wo Hilfe benötigt wird. Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Man hört immer wieder von kleinen Dörfern südlich von Mexiko Stadt, die näher am Epizentrum lagen, die zu einem Großteil zerstört wurden, bei denen aber immer noch keine Hilfe angekommen ist! Die Hilfsaktionen konzentrieren sich auf die Großstädte Mexiko Stadt und Puebla. Wir sind immer noch alle ganz schön durch den Wind.“

Es wird wohl Monate dauern, bis die beschädigten Gebäude in Mexiko-Stadt überprüft sind. Noch länger, bis die zerstörten abgerissen werden können. Nach Angaben der Stadtregierung trugen bei dem Beben der Stärke 7,1 am vergangenen Dienstag mindestens 1.500 Häuser Schäden davon.

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