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Wenn Chefs nicht loslassen können

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Region. IHK sieht sieht Entwicklung bei Unternehmensnachfolge kritisch.

Region. Das Interesse am Thema Unternehmensnachfolge ist im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg spürbar zurückgegangen. In der kostenlosen Nachfolgebörse www.nexxt-change.org der IHKs wurden für Nordhessen und den Altkreis Marburg im vergangenen Jahr 83 Verkaufsangebote von Senior-Chefs eingestellt. 2013 sank der Wert auf 69 Eintragungen. Ein Rückgang, den die IHK-Mitarbeiter ebenso bei den persönlichen Gesprächen zur Unternehmensnachfolge verzeichnen.

Diese Entwicklung beurteilt Carsten Heustock kritisch. "Das größte Hemmnis bei der Nachfolge ist, dass sich 80 Prozent der Senior-Unternehmer nicht rechtzeitig auf die Übergabe vorbereiten", erläutert der stellvertretende Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Existenzgründung und Unternehmensförderung. Allerdings: "In der Zeit zwischen Weihnachten und einem Jahreswechsel stellen sich Inhaber häufig die Frage nach der Zukunft des Unternehmens", schildert Heustock. Daher lautet sein Appell, das Thema der Nachfolge nicht zu verdrängen, sondern sich stattdessen mit einer geordneten Übergabe zu befassen. Denn diese erfordert Zeit. "Mindestens fünf Jahre bevor Firmenchefs aus dem Unternehmen ausscheiden, sollten sie sich intensiv mit der Nachfolge beschäftigen", rät er.Zu den weiteren größten Hürden für einen erfolgreichen Stabwechsel zählt nach Angaben von Heustock, dass fast jeder zweite Firmenchef sein Unternehmen emotional nicht loslassen kann. Viele fänden außerdem keinen passenden Nachfolger. Fast jeder Dritte fordere einen überhöhten Kaufpreis. "Oft treten mehrere dieser und weiterer Hemmnisse bei Senior-Unternehmern gleichzeitig auf", teilt der Experte für Unternehmensnachfolge mit.Dessen ungeachtet biete die Übernahme eines bestehenden Unternehmens für Existenzgründer viele Vorteile – unter anderem durch die im Laufe der Jahre gewachsenen Kundenbeziehungen. Auch bei potenziellen Übernehmern existiert eine Mixtur verschiedener Hinderungsgründe. "60 Prozent haben Schwierigkeiten bei der Finanzierung, 50 Prozent unterschätzen die Anforderungen einer Übernahme", sagt der IHK-Fachmann.

Etwa 40 Prozent der Senior-Unternehmer entschieden sich für den Verkauf, weil eine familieninterne Nachfolge nicht möglich ist. "Allerdings unterschätzt mehr als jeder dritte Nachfolger den Investitions- und Finanzierungsbedarf", berichtet Heustock. "Nachfolger müssen vom ersten Tag an die Ärmel hochkrempeln: Betriebswirtschaftliches Know-how ist ebenso gefordert wie die Unternehmerpersönlichkeit."

Checkliste

Weitere kostenfreie Informationen zum Thema finden Unternehmer unter www.ihk-kassel.de im Bereich "Existenzgründung und Unternehmensförderung" in der Rubrik "Unternehmensnachfolge". Dort gibt es unter anderem eine Checkliste rund um die Unternehmensaufgabe, Hintergründe zur Bewertung sowie Informationen über Rechte und Pflichten beim Betriebsübergang. Außerdem können sich Unternehmer direkt an den IHK-Fachmann Carsten Heustock wenden, Tel. 0561 7891-277, E-Mail: heustock@kassel.ihk.de, um kostenlos eine Beratung einzuholen.Für den 9. April 2014 plant die IHK Kassel-Marburg darüber hinaus eine größere kostenfreie Info-Veranstaltung zur Unternehmensnachfolge.

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