Wenn im Kopf der Schmerz regiert: Ein Leben mit Migräne

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Rund acht Millionen Deutsche leiden unter Migräne.

Lucia Gnant ist seit über 40 Jahren Migräne-Patientin und Präsidentin der Selbsthilfeorganisation MigräneLiga. Bei einem Besuch in der Extra Tip-Redaktion erzählt sie, wie sie der Krankheit den Kampf ansagt.

Kassel. Am 27. Februar 1974, im Alter von 24 Jahren, hatte Lucia Gnant ihren ersten Anfall. Plötzlich pochte der Kopf, vor ihren Augen flimmerte es, ihr wurde übel vor Schmerz. Viele Menschen – in Deutschland über acht Millionen – kennen das. Sie leiden wie Gnant unter Migräne, einer chronischen neurologischen Störung, die zu schweren oft einseitigen Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit führt.

„Erst 20 Jahre nach diesem ersten Anfall wurde mir die Diagnose Migräne gestellt, bis dahin habe ich sehr unter der Krankheit gelitten“, erzählt die heute 68-Jährige. 20 Jahre lang wurde sie falsch behandelt und sogar unnötig operiert, weil Migräne zu dieser Zeit nur wenig erforscht war. Die Ärzte kannten sich kaum aus. „Das ist heute zum Glück ganz anders, Migräne ist ja ein echtes Volksleiden und viele Ärzte und Professoren beschäftigen sich intensiv und erfolgreich damit, wie Patienten geholfen werden kann.“

Lucia Gnant ist mittlerweile nicht nur Präsidentin von MigräneLiga e.V., einer gemeinnützigen, deutschlandweiten Selbsthilfeorganisation von und für Migränepatienten, sondern auch seit über sieben Jahren anfallsfrei. Das hat sie allerdings der täglichen Einnahme von Prophylaxemedikamenten zu verdanken. Ohne die ärztliche Behandlung ginge es nicht. „Ich hatte mein halbes Leben mit einer schweren Form der Aura, einer Migräneform, die zu Sehstörungen führt, zu kämpfen. Wenn sie plötzlich kam, war ich komplett hilflos, konnte nichts mehr sehen, nicht sprechen und brauchte absolute Ruhe. Irgendwann habe ich mich nicht mehr getraut, Auto zu fahren“, berichtet Gnant von dem Leiden, das Betroffene oft unvorhergesehen trifft und Lebensqualität und Berufsausübung stark einschränkt. Die Medikamente gaben ihr die verlorene Lebensqualität zurück.

Redaktionsbesuch von MigräneLiga e.V. (v.li.): Lucia Gnant, Präsidentin, und Heike Meier, Geschäftsführerin Logistik, sprachen mit ET-Volontärin Antonia Paul über die Krankheit Migräne.

Migräne ist eine Erbkrankheit – schweren Anfällen vorzubeugen ist in vielen Fällen aber durch das Einhalten einiger Verhaltensregeln möglich. So können etwa gesunde und regelmäßige Mahlzeiten, eine hohe Wasserzufuhr und Ausdauersport oder Spaziergänge an der frischen Luft vor einem Anfall schützen. Auch die Vermeidung von Stress, Lärm und übermäßiger Lichteinwirkung wirkt sich positiv aus. Sehr wichtig sei es außerdem, die eigenen sogenannten Trigger zu erkennen, die Migräneanfälle auslösen. „Die sind bei jedem Patienten unterschiedlich, beim einen ist es ein bestimmter Geruch, beim anderen eine spezielle Rotweinsorte“, erklärt Lucia Gnant. Kennt man seine Trigger, könne man darauf achten, diesen Reizen aus dem Weg zu gehen.

Ist der Migräneanfall jedoch da, sollten Patienten sich absolute Ruhe gönnen und übermäßige Reize meiden. Betroffene sollten außerdem einen Kopfschmerzkalender führen, der Häufigkeit, Dauer und Schwere der Anfälle dokumentiert, um in Absprache mit einem Arzt möglicherweise ein passendes Prophylaxemedikament zu finden und spezielle Schmerzmittel verschrieben zu bekommen. „Migräne ist eine tückische Krankheit, die vielen Betroffenen Angst macht. Es gibt aber immer einen Behandlungsweg. Man darf nur nicht aufgeben und ihr die Macht überlassen“, sagt Lucia Gnant mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Extra Info: Fest-Symposium in Kassel

MigräneLiga e.V. veranstaltet am Freitag, 20. April, ein großes Jubiläums-Symposium im Kasseler Hotel La Strada (Raiffeisenstraße 10). Hier gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Migräne sowie zahlreiche Infostände zu Behandlungsmethoden und Selbsthilfegruppen. Von 18 bis 21 Uhr stehen außerdem Experten zu Gesprächen zur Verfügung. Der Einritt ist kostenfrei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen unter www.migraeneliga.de

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