"Wenn's dem Esel zu gut geht"

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Seinen Briefwechsel widmet Chefredakteur Rainer Hahne den Salafisten, die als selbsternannte "Sharia-Polizei" für Recht und Ordnung sorgen wollen.

"Wenn’s dem Esel zu gut geht...

dann tanzt er auf dem Eis”,  pflegte meine Großmutter immer zu sagen, wenn jemand mit seinen Aktivitäten völlig aus der Reihe getanzt und die Bodenhaftung verloren hatte. Liebe Jung-Salafisten, genau das scheint zur Zeit auf Euch zuzutreffen.  Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich die Bilder gesehen habe. In Jäckchen à la Warnwesten der Autobahnpolizei mit dem Aufdruck "Schariah-Police” wandert Ihr durch Wuppertal und belästigt Menschen, die auf der Straße rauchen,  Alkohol trinken oder in die Disko gehen wollen.

Die Scharia, das islamische Recht,  umfasst das gesamte religiöse, politische, soziale, häusliche und individuelle Leben sowohl der Muslime als auch der im islamischen Staat geduldeten Andersgläubigen.  Sie sind aber in der Bundesrepublik, in einem Land, das Sie gastfreundlich aufgenommen und in vielen Fällen vor der  Verfolgung  durch Andersdenkende geschützt hat. Sie sind in ein Land gekommen, das das Mittelalter hinter sich gelassen hat. Unsere Rechtssprechung ist die dritte Macht im Staat und gründet auf den Menschenrechten.  Jeder Bewohner unseres Staates kann nach eigener  Façon selig werden, vorausgesetzt, dass er nicht gegen unsere Gesetze verstößt.

Wenn Sie bei uns wohnen wollen, müssen Sie das akzeptieren. Wir werden uns auf gar keinen Fall diese kleinkarierte Scharia überstülpen lassen.  Der  Europäische Gerichtshof  für Menschenrechte hat es in aller Deutlichkeit gesagt: "Die Scharia passt nicht zu den fundamentalen Prinzipien der Demokratie.”Wir wünschen bei uns weder Auspeitschungen, noch die Todesstrafe für Drogendealer. Wir leben im 21. Jahrhundert und wollen unser Leben leben, ohne dass uns die Religion knebeln kann. Jeder kann für sich entscheiden, ob er Alkohol trinken oder in die Disko gehen möchte.Ein Muslim, der  das nicht mag, soll das einfach lassen. Das würde den Türstehern der Diskotheken das Leben einfacher machen. In Dänemark soll es ja in einigen Stadtteilen Kopenhagens eine islamische Moralpolizei geben, die wohl Euer Vorbild ist.   Dort wird gegen Alkohol, Glücksspiel und Nachtleben vorgegangen. Das wird es in Deutschland mit Sicherheit nicht geben. Packt also Eure Jäckchen ein und belästigt keine Passanten mehr. Was Ihr in Euren eigenen vier Wänden macht, ist uns egal, wenn Ihr nicht gerade jemand unter dem Deckmäntelchen Ehrenmord umbringt.

Mit freiheitlichen Grüßen

Rainer HahneChefredakteurP.s. Stellen Sie sich mal vor, ich würde in einem islamischen Staat leben und nur öffentlich gegen die Möglichkeit protestieren, mehrere Damen zu heiraten. Auf die ruhig sachlichen Diskussionen freue ich mich jetzt schon.P.s. Die angedrohte Ausweitung Eurer Streifentätigkeiten in andere Bundesländer wird es nicht geben. Auch wir Hessen werden das unterbinden.

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