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Widerstand gegen Windkraft: Hessen Forst soll dreißig Millionen Euro Pacht erhalten

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Von: Rainer Hahne

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Vor Ort-Termin mit den beiden Vorstandsmitgliedern der Energiegenossenschaft Reinhardswald: Karsten Schreiber und Danny Sutor (re.). 
Vor Ort-Termin mit den beiden Vorstandsmitgliedern der Energiegenossenschaft Reinhardswald: Karsten Schreiber und Danny Sutor (re.).  © Foto: Harry Soremski

Die vorbereitenden Arbeiten für achtzehn Windkraftanlagen laufen. Aber auch der Widerstand formiert sich. Klagen wurden eingereicht.

Kassel Nach zwölf Jahren Planung und endlosen Diskussionen ist die regionale Energiegenossenschaft Reinhardswald auf der Zielgeraden. Die vorbereitenden Arbeiten für achtzehn Windkraftanlagen laufen. Aber auch der Widerstand formiert sich. Klagen wurden eingereicht. Der EXTRA TIP sprach mit den Vorstandsmitgliedern Danny Sutor und Karsten Schreiber.

Stimmt es, dass der gesamte Reinhardswald durch die Errichtung und den Betrieb von Windkraftanlagen in seinem Bestand gefährdet ist?

Danny Sutor: Nein. Es werden dauerhaft vierzehn Hektar Wald für die Anlagen und die Zuwegung benötigt. Dies entsprich 0,07 Prozent der Fläche des Reinhardswaldes.

Aber alte Baumbestände und der Urwald sind doch betroffen?

Karsten Schreiber: Ein klares Nein. Der Urwald ist weit weg von den Windrädern und nicht betroffen. Der Abstand beträgt zwei Kilometer. Auch alte Baumbestände werden geschont, denn bei den Aufstellflächen der Windenergieanlagen handelt es sich größtenteils um Windwurfflächen von Nadelholzmonokulturen auf den Höhenlagen, von denen bereits durch Hessen Forst 6,5 Millionen abgestorbene Fichten – geschädigt durch Stum, Trockenheit und Borkenkäfer – abgeräumt werden mussten. Der Reinhardswald hat eine Ausdehnung von 20.000 Hektar. Davon waren 7.000 Hektar Fichte. Etwa 5.000 Hektar Fichte wurden bereits durch Hessen Forst geräumt.

Trotzdem sollen doch mehrere tausend alte Laubbäume gefällt werden?

Sutor: Gerade nicht. Für die Windkraftanlagen wurden Flächen auf den Höhenzügen ausgewählt, von denen die abgestorbenen Fichten abgeräumt werden mussten. Intakte Baumbestände werden geschont. Für die Aufstellflächen wurden 260 Laubbäume gefällt und für die Zuwegung wird es eine deutlich geringere Anzahl sein. Die Anzahl der jungen Fichten an den Anlagenstandorten 9 und 10 haben wir nicht gezählt. Es spricht für sich, bei einem solchen Projekt die Anzahl der Laubbäume zählen zu können. Übrigens werden in diesem Herbst noch vor der Errichtung der Windenergieanlagen etwa 2,5 Hektar Ersatzfläche im Reinhardswald aufgeforstet und zudem ein sechsstelliger Betrag als Walderhaltungsabgabe entrichtet.

Nach dem Rückbau werden auch die dauerhaft in Anspruch genommenen Flächen wieder von uns aufgeforstet. Unter dem Strich wird die Waldfläche dadurch sogar zunehmen.

Gegner der Anlagen argumentieren, dass im Reinhardswald doch gar kein Wind wehen soll?

Schreiber: Auch das ist nicht richtig. An den Standorten wurden über 1 Jahr lang Windmessungen vorgenommen. Dabei wurden im Mittel 7,73 m/s für die 166 m Nabenhöhe ermittelt. Der beste Standort kann sogar 8,33 m/s aufweisen. Dies entspricht dem Niveau eines Küstenstandorts. Die riesigen Flächen, auf denen der Sturm die Bäume entwurzelt hat, sprechen im Übrigen für sich.

Nun soll ja Hessen Forst in den nächsten zwanzig Jahren 30 Millionen Euro Pacht und eine Walderhaltungsabgabe erhalten. Wird denn das Geld auch für den Reinhardswald eingesetzt?

Sutor: Das Land Hessen erhält über Hessen Forst mindestens 1,4 Mio. Euro pro Jahr an Pacht. Diese Pachteinnahmen könnten theoretisch zum Waldumbau genutzt werden, um den Wald dem Klimawandel anzupassen. Erwirtschaftete Überschüsse muss Hessen Forst an das Land abführen. Im Gegenzug unterstützt das Land Hes-sen, sollten Mittel fehlen.

An der Energiegenossenschaft Reinhardswald sind die Kommunen Fuldatal, Grebenstein, Immenhausen und Trendelburg beteiligt. Kann man sagen, wie viel Einnahmen die Kommunen erhalten werden?

Die Kommunen können Einnahmen in Höhe von 150.000 Euro pro Jahr erwarten.

Und was erhalten die aus der Energiegenossenschaft ausgetretenen Kommunen?

Einnahmen aus dem Betrieb des Windparks stehen ihnen grundsätzlich nicht zu. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit geschaffen, je eingespeiste Kilowattstunde 0,2 Cent an angrenzende Kommunen auszuzahlen. Bei einem Windertrag von 310.000 MWh ergeben sich daraus circa 12,4 Millonen Euro, die über eine Laufzeit von 20 Jahren an die berechtigten Kommunen und den Forstgutsbezirk anteilig auszuzahlen wären.

Das können die Betreiber anbieten – müssen es aber nicht! Teilhaben würde an einer solchen Auszahlung auch der Forstgutsbezirk mit einem Betrag von rund 430.000 Euro pro Jahr. Dieses Geld, über 20 Jahre in Summe circa 8,6 Mio. Euro, für den Forstgutsbezirk fließt dem Landkreis Kassel zu. Hieraus ergibt sich eine erstklassige Möglichkeit, das Geld für den Ausbau des Naturparks Reinhardswald zu nutzen. Gut in der Region investiertes Kapital zum Wohle von uns allen.

Und wie können sich die Bürger beteiligen?

Sutor: Für die Bürgerbeteiligung wird nach der Bauphase ein Sparbrief angeboten werden. Dabei werden die Konditionen deutlich über dem marktüblichen Zinsniveau liegen. Sparer mit normalen Beträgen stehen dabei im Fokus. Daneben soll ein Regionalitätsprinzip zur Anwendung kommen, das die Menschen vor Ort bevorzugt.

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