„Wieder ein Hauch von Normalität“

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Anja Fehrensen vom gleichnamigen Atelier in der unteren Langen Straße hält für Kunden Mundschutz, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel bereit. Wir baten sie, für ein Bild den Mundschutz abzunehmen, denn auch sie trägt im Laden vorsorglich einen.

Mündener Geschäfte seit Montag wieder geöffnet

Hann. Münden. Man merkte es ihnen an: Etliche Mündener Einzelhändler atmeten in der vergangenen Woche bereits etwas auf, nachdem sie ihre Türen wieder aufsperren durften. Als Faustregel gilt vorerst: Pro 20 Quadratmetern Ladenfläche darf sich ein Kunde im Geschäft aufhalten - mit entsprechendem Abstand natürlich. Ab Montag soll dann die Maskenpflicht für zusätzlichen Schutz sorgen. Andreas Sadowsky vom Vorstandsteam der Mündener Gilde begrüßt diese Entscheidung, die Läden wieder zu öffnen, warnt aber gleichzeitig vor Leichtsinn: „Wir hatten gleich am ersten Tag eine ordentliche Kundenfrequenz, die aber noch nicht ganz an die alten Zeiten heranreichte. Immerhin wehte ein Hauch Normalität durch unsere Sport-Treff-Filiale und wir waren fürs Erste zufrieden. Damit das so weitergehen kann, bedarf es aber auch der Sorgfalt der Kollegen. Es kann wieder einen Rückschlag geben, wenn Schutzmaßnahmen nicht konsequent eingehalten. Deshalb bitte ich im Namen der Gilde, die maximale Anzahl der Kunden auf der Fläche nicht zu überschreiten und den Mindestabstand zwischen den Menschen zu kontrollieren. Begrüßen würden wir Einzelhändler, dass die Mündener ihre Einkäufe wieder in ihrer Stadt erledigen - die Händler brauchen Sie mehr denn je!“

Ein Schutz aus Plexiglas an der Kasse

Andreas Sadowsky, Filial-Leiter und Mitglied des Gilde-Vorstandsteams, hofft, dass die Regeln in den Geschäften eingehalten werden und bald wieder so etwas wie Normalität in den Alltag einkehrt.

Und wie bewerten andere Mündener Einzelhändler die Situation? Im Schreibwarengeschäft Herzel von Axel Kratzenberg-Fischer in der Langen Straße dürfen bis zu vier Personen gleichzeitig ins Geschäft. Geregelt wird das mit vier Einkaufskörben - sind die vergriffen, müssen andere Kunden vor der Tür solange warten, bis ein anderer wieder den Laden verlassen hat und ein Korb frei wird. An der Kasse soll eine Plexiglasscheibe vor einer möglichen Tröpfcheninfektion schützen. Auf dem Boden wurde eine „Einbahnstraße“ aufgezeichnet, die verhindern soll, dass sich Kunden mehrmals unnötig begegnen. Von normalen Kundenströmen sei man auch hier noch weit entfernt, aber die Öffnung sei zumindest ein Anfang.

Kurzarbeit in der Parfümerie Weber

Nur wenige Schritte entfernt weist am Eingang der Parfümerie Weber ein Schild auf die Hausregeln hin: „Jeder Kunde einzeln eintreten, maximal zwei Kunden im Geschäft.“ Die Kosmetikabteilung ist bis auf weiteres nicht zugänglich: „Das liegt daran, dass wir Kurzarbeit haben und nur noch eine Mitarbeiterin im Geschäft ist. Wir wechseln uns ab“, erklärt Silvia Pethran vom Weber-Team. Sie trägt eine Mund-Nasen-Maske was laut Weber-Zentrale „ausdrücklich erwünscht“ sei. Die Resonanz nach der Wiedereröffnung sei sehr gut gewesen, teilt Pethran mit. „Wir haben viele Stammkunden, die darauf gewartet haben.“

„Bitte vor dem Eintreten Hände desinfizieren“: Vor der Postscheune hängt ein Spender mit Sterillium an dem sich die Kunden bedienen sollen. Inhaberin Inga Hansen und ihr Team tragen Mund-Nasen-Masken.

Etwa besser hatte es die Postscheune von Inga Hansen getroffen. Die florale Manufaktur in der Wallstraße musste am 16. März zunächst schließen, durfte aber eine Woche vor Ostern wieder öffnen, da hier auch Waren des täglichen Bedarfs angeboten werden. Dennoch leidet das Geschäft wie alle anderen unter der Corona-Krise: „Normalerweise haben wir vielen Aufträge für Hochzeiten zu bearbeiten, aber die fallen jetzt komplett weg“, so Hansen. Mittlerweile durfte die Inhaberin auch die obere Laden-Etage wieder zugänglich machen. „Wer sich aber etwas genauer anschauen möchte, den bitten wir das Personal anzusprechen. Generell gilt, dass man die Postscheune nur mit Handschuhen oder desinfizierten Händen betreten darf“, informiert Hansen. Entsprechend hängt am Eingang ein Spender mit Sterillium, an dem sich die Kunden bedienen können. Auch hier tragen alle Mitarbeiter eine Mund-Nase-Maske. Selbst gemalte Hinweise auf dem Boden weisen freundlich darauf hin Abstand zu anderen Kunden zu halten. Ist das aufgrund des Andrangs schwer möglich, greifen die Mitarbeiter ein, die jederzeit die erlaubte Personenanzahl auf beiden Etagen im Blick haben und, falls nötig, regulieren. Wer dem Trubel fernbleiben will oder muss, der kann übrigens den kostenlosen Lieferservice der Manufaktur in Anspruch nehmen.

Flexible Öffnungszeiten im Atelier AF

Auf den 100 Quadratmetern Ladenfläche von Anja Fehrensen dürfen sich maximal vier Personen aufhalten. Das Atelier in der unteren Langen Straße ist ausgerüstet mit Mundschutz - den auch Fehrensen selbst trägt - Einmalhandschuhen und Desinfektionsmittel: „Hygiene- und Abstandsregeln sind mir sehr wichtig. Eine Abstandsregel vor ihrer Laden-Tür ist bei mir eher zu vernachlässigen, da ich sehr kreative Öffnungszeiten habe und mich Interessenten meist anrufen bevor sie mich aufsuchen und meine Wohnaccessoires in Augenschein nehmen möchten.“ Das Interesse an neuen und gebrauchten Möbeln aus Indien und China oder Lampen aus Dänemark sei nach wie vor vorhanden, „deshalb bin ich froh, dass ich wieder öffnen darf. Wenn auch mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen, die ich aber gerne in Kauf nehme“, freut sich Fehrensen.

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