Er will nur noch Frieden und einen Neuanfang

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Foto: dpa/Uwe Zucchi/nh

Kassel/Region. Ekel-Jubiläum: Am Donnerstag ist der Kannibalen-Prozess zehn Jahre her. Auch heute interessiert der Fall vor allem die Kunstwelt.

Kassel/Region. Vor fast auf den Tag genau zehn Jahren verschlägt es nicht nur Nordhessen den Atem. Ganz Deutschland muss 2004 schlucken, als die grausamen Details rund um den Kannibalen-Mord aus Rotenburg publik werden. Armin Meiwes war vor zehn Jahren wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren verurteilt worden. Knapp zwei Jahre später folgen ein neues Urteil und eine lebenslange Haftstrafe – diesmal wegen Mordes. Verurteilt wird Armin Meiwes zunächst dennoch wegen Totschlags. Denn nicht das Töten habe ihn befriedigt, sondern das Essen, plädiert sein Anwalt.

2006 hebt der Bundesgerichtshof das Urteil auf. Dann heißt es für den weltweit als "Kannibalen aus Rotenburg" bekannt gewordenen Meiwes: Lebenslänglich wegen Mordes. Diesmal endgültig. Seit elf Jahren ist Meiwes nun in Haft, aktuell in der JVA Kassel-Wehlheiden. Im März 2001 schneidet Meiwes einer Berliner Internet-Bekanntschaft den Penis ab – auf ausdrücklichen Wunsch des Opfers. Später sticht Meiwes zu, zerstückelt die Leiche und verspeist deren Teile. Was übrig bleibt, friert der Kannibale ein. Die Bevölkerung reagiert schockiert und fassungslos. Nach zehn Jahren haben sich die Menschen in Meiwes’ Örtchen mit der fragwürdigen Berühmtheit arrangiert.

Das öffentliche Interesse entfachte danach vor allem in der Welt der Kunst und Kultur. Und das bis heute: Die Kannibalen-Geschichte wurde zum Stoff für Kino, Theaterbühne, Comic und Musik. Es entstanden zahlreiche Werke rund um die Gräueltat. Darunter: Die umstrittenen Filme "Rohtenburg" und "Dein Herz in meinem Hirn". Comickünstler Wittek (Thomas Wittke) veröffentlicht seinen Kannibalencomic "Hunger", Metal-Bands griffen das Schock-Thema musikalisch auf und der Schweizer Theaterregisseur Igor Bauersima sorgte bereits 2003 auf der Bühne für Entsetzen.

Heute: Kannibale zeigt sich einsichtig

Laut der Nachrichtenagentur dpa ist Meiwes in Therapie. Ziel: Er solle Menschenfleisch von Männern nicht als "sexuellen Hauptstrom" betrachten. Ist die Therapie erfolgreich, könne Meiwes frühestens in drei Jahren aus der Haft entlassen werden. Vor rund sechs Monaten betont Meiwes im "Kasseler Sonntagsblatt", dass er seine Tat nun mit anderen Augen sehe und wisse, dass er falsch gehandelt habe. Sollte er frei kommen, wolle Meiwes ein neues, friedliches Leben mit einer neuen Identität aufbauen. In seinen Ort wolle er nicht mehr zurück, sein Haus aber behalten.

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