Windgeld soll's für alle geben

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Kassel. Lokalo24.de sprach mit Dr. Thorsten Ebert, der für die Städtischen Werke Kassel den Bereich Windenergie verantwortet.

Kassel. Windenergie ist zur Zeit das Thema in Nordhessen. Lokalo24.de sprach mit Dr. Thorsten Ebert, der für die Städtischen Werke Kassel diesen Bereich verantwortet.

Zu den ersten Argumenten gegen Windkraftanlagen gehört immer, dass allein für den Betonsockel 3500 Tonnen Beton gebraucht werden. Stimmt das?Ebert: Nein, es sind für die Drei-Megawatt-Klasse (200 Meter hoch) 800 Kubikmeter/2000 Tonnen. Die Windkraftanlage wiegt 450 Tonnen. Außerdem müssen wir Rücklagen bilden, um diese Sockel wieder abzubauen, wenn die Anlagen mal nicht mehr gebraucht werden.

Die Landtagsabgeordnete Hofmeier wollte wissen, ob 100 Anlagen in den Reinhardswald gebaut werden sollen.Ebert: Nein, es wurden Flächen ausgewiesen, auf die maximal 55 Anlagen gebaut werden können. Googlen Sie mal unter windkonzept/RP Kassel.

Immer wieder geistert die Zahl von 100.000 Vögeln durch die Lande, die jährlich von Windkraftanlagen geschreddert werden. Wo kommt die Zahl her?Ebert: Ich weiß es nicht. Wir bauen Anlagen nur an Stellen, die sorgfältig von Fachleuten über ein Jahr auf geringes naturschutzfachliches Konfliktpotential untersucht worden sind. Unter unseren Anlagen haben wir noch kein totes Tier gefunden.

Von Gegnern wird Windkraft gern als Zufallsenergie bezeichnet.Ebert: Die Energiewende, die die große Mehrheit in Deutschland will, geht nur mit sechzig bis siebzig Prozent Windenergie. Wenn alle Windenergie an der Küste erzeugt wird, brauchen wir gigantische Stromtrassen, die niemand will. Außerdem wird die Windenergie dann tatsächlich zu einer Zufallsenergie, denn wenn da kein Wind weht, gibt es überall keinen Strom. Das sieht ganz anders aus, wenn die Windkraftanlagen über Deutschland verteilt werden. Da ist das Risiko gering, dass überall gleichzeitig kein Wind weht.

Touristiker stemmen sich gegen Windmühlen an sensiblen Stellen.Ebert: In der Tat müssen wir die Interessen abwägen. Wir müssen schon schauen, dass Sichtachsen frei bleiben. Andererseits zeigt sich gerade am Beispiel der Kunstausstellung "Bewegter Wind” im Windpark Söhrewald und in Oberzwehen, dass Windenergie auch touristisch nutzbar ist. Hinzu kommt noch, dass man auf Dauer damit werben kann, dass in Nordhessen weder Atomstrom, noch Kohlestrom, sondern nur noch Wind-, Solar-, Wasser- und Biogasstrom eingesetzt werden.

Und finanziell profitieren davon nur die Städtischen Werke?Ebert: Rund 300 Millionen Euro werden in der Region ausgegeben um jährlich Strom von außerhalb einzukaufen. Diese gigantische Geldmenge möchten wir in der Region behalten. Daran profitieren können alle Bürger, die in diesem Bereich Geld anlegen, egal ob sie Mitglied in einer Bürgerenergiegenossenschaft sind oder ihr Geld in einem regionalen Fond anlegen. Das macht übrigens in unserer Niedrigzinszeit richtig Sinn, denn wir bieten für die Hälfte des angelegten Geldes vier Prozent Zinsen, die zweite Hälfte beteiligt sich an der Gewinnausschüttung. Zur Zeit erwarten wir über vier Prozent.

Und die Umlandgemeinden schauen in die Röhre?Ebert: Nein, die Gemeinden können sich direkt beteiligen. Darüber hinaus kassieren die Kommunen siebzig Prozent der anfallenden Gewerbesteuer.

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