"Wir sind nicht die Bösen": Leiterin berichtet über die Arbeit des Jugendamtes

Die Leiterin des Kasseler Jugendamtes, Gudula Horst.
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Die Leiterin des Kasseler Jugendamtes, Gudula Horst.

Es wenden sich immer mehr Kasseler Eltern an die Behörde und lassen sich dort beraten und helfen – zum Wohle ihrer Kinder.

Kassel. Knapp 100 Personen arbeiten für die Allgemeinen Sozialen Dienste des Kasseler Jugendamtes, damit kein Kind durch das System rutscht und vernachlässigt werden kann. Der schlechte Ruf des Amtes, den viele mit einer Wegnahme der Kinder assoziieren, ist dabei nicht gerechtfertigt. „Kinder aus einer Familie rausnehmen zu müssen, ist der letzte Schritt. Wir vom Jugendamt setzen uns natürlich dafür ein, dass es erst gar nicht so weit kommt und beraten Familien auf ganz verschiedene Art und Weise“, erklärt Gudula Horst, Leiterin der Allgemeinen Sozialen Dienste.

„Wir unterstützen Eltern bei der Versorgung und Erziehung ihrer Kinder. Auf Hilfe zur Erziehung haben Eltern einen Anspruch, wenn sie mit der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder nicht mehr allein zurechtkommen und Unterstützung benötigen. Die konkrete Hilfe orientiert sich immer an den Bedarfen des Kindes oder Jugendlichen.“ (hier mehr zu Erziehungsberatungen)

Viele Kasseler Eltern melden sich freiwillig beim Jugendamt und werden – entgegen der weitläufigen Meinung – nicht dazu gezwungen. „Ob es um Probleme in der Erziehung, in der Schule oder um Ehekonflikte der Eltern geht, die Betroffenen wenden sich immer häufiger an uns. Wir leiten anhand der Bedarfe eine Hilfe zur Erziehung zur Unterstützung ein und erstellen individuelle Zielpläne mit den Eltern und Kindern. Dabei arbeiten wir eng mit verschiedenen freien Trägern zusammen“, so Horst.

Freiwillige Hilfe

Sollten Familien eine Beratung wünschen oder Fragen haben, können sie sich jederzeit an einen Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste wenden. Dieser Dienst ist nach Regionalen Arbeitsgruppen (RAG) aufgeteilt, die für festgelegte Stadtteilbezirke zuständig sind; in Kassel sind es sechs. Pro RAG sind acht bis zwölf Kollegen zuständig, die sich um die Familien kümmern und mit den sozialen Einrichtungen sowie Institutionen des Bezirkes kooperieren und gegebenenfalls eingreifen, sollte ein Kind gefährdet sein. Jede Woche werden solche Fälle in kollegialen Beratungen besprochen und Entscheidungen gemeinsam getroffen. Schlagen die Unterstützungsangebote fehl oder zeigen sich die Eltern uneinsichtig, kann das Jugendamt die Kinder in Obhut nehmen. Dies wäre immer dann der Fall, wenn Gefahr für das Kind besteht, beispielsweise bei vernachlässigten Kindern, gewalttätigen oder drogenabhängigen Eltern oder Missbrauch.

„Der Schutz des Kindes steht dabei klar im Vordergrund. In der sogenannten Klärungsphase wird gemeinsam mit den Beteiligten geschaut unter welchen Voraussetzungen das Kind in die Familie zurückgeführt werden kann oder auf Dauer untergebracht werden muss. Sind die Eltern beispielsweise drogenabhängig kann eine Suchtberatung angebracht sein. Bis zum erfolgreichen Abschluss der Therapie bleibt das Kind in unserer Obhut und die sorgeberechtigten Eltern haben Umgangskontakt. Ziel des Jugendamtes ist es vorrangig, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern leben“, berichtet Gudula Horst. Die meisten Probleme der Eltern und Kinder können über die Unterstützungsangebote des Jugendamtes aus der Welt geschafft werden.

EXTRA INFO:

Wie wird geholfen?

Jeder junge Mensch hat das Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Dazu tragen die Fachkräfte des Jugendamtes mit ihren Angeboten und Hilfen bei. Dazu gehören u.a. Hilfen zur Erziehung, sozialpädagogische Familienhilfe, Vormundschaft, Jugendhilfe im Strafverfahren und Erziehungsbeistandschaften.

Fallzahlen

Fallzahlen laufende Hilfen zur Erziehung

2014: 1.114 Hilfen zur Erziehung

2015: 1.273 Hilfen zur Erziehung

2016: 1.299 Hilfen zur Erziehung

2017: 1.296 Hilfen zur Erziehung

2018: 1.292 Hilfen zur Erziehung

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