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"Wir sind noch Frauen"

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Foto: Wiewiorska
Foto: Wiewiorska © Lokalo24.de

Kassel. Fotoausstellung im Klinikum: Zwölf Krebspatientinnen und ein Fotograf über wiedergewonnene Weiblichkeit.

Kassel/Köln. "Ich kann wieder in den Spiegel sehen, danke dafür" – ihre Stimme bricht etwas ein. Ihre Augen füllen sich mit Tränen als Petra Rössel aus Rheinland-Pfalz den Satz ausspricht. Petra Rössel ist Brustkrebspatientin und besiegt nicht nur die Krankheit, sondern überwindet vor etwa drei Monaten ihre Angst, nicht mehr als Mensch oder Frau wahrgenommen zu werden.

Sie lässt sich mit elf weiteren Krebspatientinnen fotografieren: Nackt vom Kölner Fotografen Gerhard Zerbes, einfühlsam und schön mit all ihren Narben auf Körper und Seele. "Wegen einer Narbe ist man nicht entstellt und immer noch eine Frau mit Gefühlen und Erotik", erklärt Zerbes.

So wie Petra Rössel entschieden sich elf weitere Frauen für den mutigen Schritt zur Aktfotografie. Das Ergebnis ist zurzeit in der Fotoausstellung und dem veröffentlichten Bildband "Veränderung" im Klinikum Kassel zu sehen. "Die Krebskrankheit hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen", erzählt Petra Rössel. Die beiden anderen Frauen, die mit nach Kassel gekommen sind, nicken. Auch Monika Lövenich aus der Eifel und Anke Dillender aus Koblenz kämpften mit dem Brustkrebs, Anke sogar zweimal. Sich vor einem männlichen Fotografen zu entblößen, fiel den Frauen wider Erwarten nicht schwer.

"Es war toll eine andere Sicht von mir zu bekommen. Es war ein wundervolles Erlebnis im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen", erzählt Anke Dillender. Sie komme sich nicht mehr vor wie ein Stück Fleisch beim Metzger, wo nur markiert werde, wo der nächste Schnitt folge. Das Akt-Shooting habe ihr ein großes Stück Weiblichkeit zurück gebracht: "Ich habe mit 36 Jahren beide Brüste verloren. Nicht leicht für mich, wenn ich daran denke, dass ich eine schöne Naturbrust hatte und immer gerne Dekolleté trug. Jetzt sehe ich mich wieder anders."

Um Haare, Make up und Accessoires kümmerten sich die Frauen bisher wenig – ihre letzte Kraft brachten sie für ihre Familien auf. Hier übernahmen Visagistinnen das Styling. "Man wird nicht mehr nur auf eine Patientin reduziert und fühlt sich schön und wichtig", betont Anke Dillender. Auch Monika Lövenich bereut ihre Entscheidung nicht, sich für das Foto-Buch abgelichtet zu haben. "Es war alles sehr einfühlsam aufgebaut. Und allein das Gefühl, wir alle haben den gleichen Mist hinter uns, gibt Kraft", sagt Monika mit einem sanften Lächeln.

+++EXTRA INFO+++

Die Ausstellung

Die Bilder sind in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Haus F, Ebene 3 (Ambulanz), Mönchebergstraße 41 - 43, noch bis 31. Januar zu sehen. Das Shooting ist kostenlos, ein Sponsoren-Fond soll weitere Fotoshootings mit Krebspatientinnen ermöglichen. Der Bildband erzählt auch die persönlichen Geschichten der Frauen und lässt die Betroffenen erzählen, welche Eindrücke das Shooting hinterlassen hat. Mehr Infos bei Gerhard Zerbes unter 0221-5008010 und online auf www.veraenderung.net.

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