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WM-Finale: Einschaltquoten für die Ewigkeit

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Von: Rainer Hahne

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Briefwechsel. Chefredakteur Rainer Hahne beschäftigt sich in seinem Briefwechsel mit dem WM-Finale.

Briefwechsel. Liebe Nachbarn,am Sonntag, 23.25 Uhr, hat ein Mega-Schrei die Stille unserer Wohnanlage zerrissen. Ja, ich gestehe, ich war’s. Mit einem Schlag hatte sich die Anspannung entladen, die sich während des nervenzerfetzenden Finales bei mir angesammelt hatte. GÖTZSEIDANK! hat die BILD getitelt, auf die man sich bei solchen Ereignissen verlassen kann. Ausgerechnet Götze, der in München nicht so richtig in Tritt gekommen ist, bis zu dem Zeitpunkt eine eher unglückliche WM gespielt hatte.Und dann wird dieser Zwerg zum WM-Riesen – nimmt den Ball technisch brillant mit der Brust an und jagt ihn aus kurzer Distanz mit seinem schwachen linken Fuß – mit dem er sonst nur Kippen austreten kann – ins argentinische Tor.

Was dann kam war Jubel pur. Irgendwie hatte ich das Gefühl, einen Zeitsprung getan zu haben. Ja, ist denn schon wieder Silvester? Überall in Kassel knallten die Böller, jagten Raketen in den Himmel. Wer war denn da so vorausschauend? Wer hatte diese Feuerwerke für das WM-Finale gebunkert?Hut ab, liebe Polizei. In dieser Nacht wurde niemand verhaftet, weil er unerlaubt geböllert hatte. Deutschland, das Land von Gesetz, Ordnung und Radarfallen ist im Ausnahmezustand.

Bei facebook gibt es nur noch ein Thema. Es wird gezitttert und gebebt. Ist der Kroos denn wahnsinnig geworden? Gott sei Dank, dass Higuain die 10.000prozentige Chance vergurkt. Allein vor Neuer ist ihm das Herz in die Hose gerutscht. Kramer ohnmächtig, Schweinsteiger blutet. Was soll das denn nur geben? Kein Zweifel, der dritte WM-Titel, den ich erleben durfte, war der schwerste.

1974 hatten wir Gerd Müller, der den Holländern den sicher geglaubten Pott aus der Hand geschossen hat. 1990 war sowieso klar, dass nur unser unglaublicher Fußball-Kaiser, dieses Glückskind, den Pokal in den Himmel über Rom recken würde – um dann einsam und allein auf dem Rasen den Triumph zu genießen.Und jetzt ist es Jogi Löw, in der letzten Zeit massivst angefeindet, seit dem EM-Aus gegen Italien unter Beschuss, der sich auf den Olymp katapultiert.Khedira fällt wenige Minuten vor dem Anpfiff aus? Kein Problem! Jogi zieht Kramer aus der Wundertüte. Kramer mit Gehirnerschütterung raus. Und? Jogi wechselt gegen bärenstarke Argentinier mit Schürrle offensiv ein – und der bedankt sich mit der Flanke zum goldenen 1:0.

Weltmeister. Aus! Vorbei! Fantastische Wochen voller Fußball liegen hinter uns. Jetzt können wir den Fernseher wieder auslassen. Fernseher? Einschaltrekorde für die Ewigkeit werden an diese WM erinnern. Die Kämpfer aus dem Maracana-Stadion bleiben uns erhalten – in der Bundesliga.

Mit weltmeisterlichen GrüßenRainer HahneChefredakteur

P.s. Schade, dass viele Spiele erst um 22 Uhr angepfiffen worden sind. Ein Drama für die Gastronomie!

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