WM-Gucken im Stadion: Dienstag endet Options-Frist für KSV-Vermarkter

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Gemeinsames Fußball-Gucken auf der LED-Wand im Auestadion – für viele Fans ein großer Wunsch. Zur EM vor zwei Jahren zogen Verein, Vermarkter und Caterer an einem Strang. Zur WM kocht offenbar jeder sein eigenes Süppchen. Fotos: Archiv

Kassel. Am 12. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Zum Thema „Public Viewing” im Auestadion ist jetzt ein Streit entbrannt.

Kassel. Am 12. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Und auch das Thema "Public Viewing”, in Kassel traditionell eher stiefmütterlich behandelt, nimmt Fahrt auf. Zumindest um den Veranstaltungsort Auestadion ist jetzt ein Streit entbrannt.

Der KSV Hessen Kassel, der zur Europameisterschaft vor zwei Jahren ein öffentliches Fußballgucken realisierte,  hatte in der vergangenen Woche abgewunken. Der Stadioncaterer der Löwen, Christian Schaeling, hatte daraufhin sein Interesse bei der Stadt bekundet. Zuerst mit der Bitte, das Stadion kostenfrei nutzen zu dürfen. "Ihm wurde mitgeteilt, dass für das Auestadion eine Reservierungsoption vorliegt. Außerdem wurde ihm mitgeteilt, dass es für das Stadion eine Gebührenordnung gibt und pro Stunde 300 Euro zzgl. MwSt. zu zahlen sind.”, erläutert Stadtpressesprecher Ingo Happel-Emrich. Joe Gibbs, der Vermarkter des KSV Hessen Kassel, hatte sich bereits im Februar 2014 das Auestadion für Public Viewing reservieren lassen, wie die Nachfrage des EXTRA TIP bei der Stadt Kassel ergab. Bezüglich der Anfrage nach einer kostenfreien Überlassung des Stadions erhielt Schaeling am 17. Mai eine Absage.  "Er schlug daraufhin ein Modell mit 50 Cent pro Zuschauer vor” , sagt Happel-Emrich.Eine Woche später dann eine neue Situation: "Herr Schaeling wurde informiert, dass Joe Gibbs auch die Möglichkeit eines Public Viewings in der Eishalle prüft.”Das Problem: Hier können derzeit überhaupt keine Veranstaltungen vor großem Publikum stattfinden: die Ausnahmegenehmigung für Spiele der Huskies endete am 30. April. Zuletzt hatten Konzertveranstalter daher kurzfristig den Auftritt von "Hundeflüsterer” Martin Rütter in die Rothenbachhalle verlegen müssen."Mir gegenüber wurde der Ablauf der Options-Frist zwei Mal verlängert. Daher wollte ich am Mittwoch dann das Stadion zu den Konditionen der Stadt mieten.”, sagt Schaeling. "Ich fühle mich verschaukelt, wenn dann gesagt wird, dass die Option nun doch bis zum 27. Mai laufe.” Die Stadt kann das nicht nachvollziehen. "Herr Schaeling wollte  am 21. Mai eine Bestätigung vom Sportamt, dass er das Auestadion anmieten kann. Er teilte mit, dass er nicht gewillt sei, bis zum Ablauftermin der Reservierungsoption für Herrn Gibbs zu warten. Das Sportamt teilte ihm  mit, dass vor Ablauf der Reservierungsfrist keine Bestätigung gegeben werden könne.” schildert Ingo Happel-Emrich die Vorgänge.  Einig sind beide im Ausgang der Sache: "Für mich ist der Zug jetzt abgefahren”, sagt Christian Schaeling. "Herr Schaeling teilte mit, dass kein Interesse mehr an der Anmietung des Auestadions bestehe”, lautet das Statement der Stadt Kassel. Auch Joe Gibbs kann noch kein grünes Licht geben: "Es sind am Montag noch Gespräche zu führen”, sagt er auf EXTRA TIP-Anfrage.

Übrigens: Ebenfalls am Montag soll eine Entscheidung in einem  zweiten geplanten Public Viewing fallen: Findet das vorgelegte Sicherheitskonzept die Zustimmung der Stadt gastiert vom 22. bis 26. Juni die "KulTour Anpfiff” auf dem Königsplatz.  Gastronomie-Partner der veranstaltenden Agentur aus München ist Christian Schaeling mit FAC-Events.

KOMMENTAR

Fan guckt in die Röhre

"Derzeit erarbeitet Kassel Marketing in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Kassel ein Vermarktungskonzept für das Auestadion.” Ein Satz aus dem Mund des Stadt-Pressesprechers, der Hoffnung macht für die Zukunft. Denn nicht zuletzt durch die hohen Investitionen zum Hessentag, deren Nachhaltigkeit so gepriesen wurde, müsste die Vermietung des Auestadions eine höhere Proirität bekommen, als sie bislang der Fall war. Sicher, im Fall eines Public Viewings mag einem das ganze als Posse vorkommen. Zumal wirklich niemanden zu vermitteln ist, was da im Umfeld des Sadion geschieht: Dass ein Verein abwinkt, ein Caterer daraufhin Interesse bekundet und ein Vermarkter sich schon lange vorher die Option gesichert hat – und alle drei das gleiche vereinsemblem in ihrer Signatur führen. Kommunikation heißt da mal wieder das Zauberwort. Und die Stadt tut gut daran, dafür die Regie zu übernehmen. Rechtzeitig, denn die Weltmeisterschaft kommt nicht überraschend, hätte man alle an einen Tisch holen können. Das Ergebnis hätte den Fußball-Fan gefreut, für den so ein "Rudel-Gucken” eben einfach den ganz besonderen WM-Genuss bedeutet.  Bleibt zu hoffen, dass dieser Fan am Ende nicht in die Röhre schaut. Wenn alle abwinken. Übrigens: Vor vielen Jahren war schon mal jemand  mit der Auestadion-Vermarktung betraut. Der heutige KSV Hessen-Vorsitzende Hans-Jochem Weikert wurde in einer für ihn politisch ungünstigen Zeit zum "Sonderbeauftragten” ernannt. Schade, dass seitdem nicht mehr viel passiert ist.

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