Zum "Wutbrief": Stadtwerke-Union Geschäftsführer im Interview

Windkraft, Windenergie, Windpark, Windrad, Windräder, Erneuerbare Energien, Energiewende, Energiegewinnung, Dr. Thorsten Ebert (Vorstand der Städtischen Werke und Verantwortlicher für den Ausbau der erneuerbaren Energien), auf einem Windrad in der Söhre
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Windkraft, Windenergie, Windpark, Windrad, Windräder, Erneuerbare Energien, Energiewende, Energiegewinnung, Dr. Thorsten Ebert (Vorstand der Städtischen Werke und Verantwortlicher für den Ausbau der erneuerbaren Energien), auf einem Windrad in der Söhre

Der EXTRA TIP sprach mit dem Stadtwerke-Union Geschäftsführer Dr. Thorsten Ebert über die Unzufriedenheit der Genossen.

Kassel. Einen "Wutbrief" haben die Energiegenossenschaften aus Nordhessen an die Minister al Wazir und Hinz geschrieben. Der EXTRA TIP sprach mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke-Union Nordhessen Dr. Thorsten Ebert über die Unzufriedenheit der Genossen.

ET: Kann es sein, dass die Energiewende in Wiesbaden stockt?Ebert: Es ist im Moment schwierig. Niemand dort traut sich zur Zeit, die Bedeutung regionaler Akteure in der Energiewende angemessen zu bewerten. Und das, obwohl wir ein Gutachten vorgelegt haben, dass die Bedeutung eindeutig positiv unterstreicht.

ET: Was ist das für ein Gutachten?Ebert: Das Gutachten kommt von der Uni Kassel und sagt klar und unmissverständlich: Die regionale Wertschöpfung ist achtmal höher, wenn es durch regionale Akteure gemacht wird. Das heißt: Es bleiben nicht nur die Pachten in Nordhessen, sondern auch Einnahmen aus den Windparks und kaufmännische und technische Dienstleistungen. Das Land kann sich über jahrzehntelange Steuereinnahmen freuen, die es sonst nicht erhalten würde. Das macht weitaus mehr aus, als die Mehreinnahmen durch die höhere Pacht.

ET: Diese höhere Pacht scheint ja auch dafür zu sorgen, dass die betroffenen Windparks nicht wettbewerbsfähig sind.Ebert: Es gibt demnächst keine festgelegten Vergütungen mehr für Windstrom. Die Windparks müssen an einer Ausschreibung  teilnehmen, in der im Wettbewerb die Höhe der Vergütung festgelegt wird.  Wer dann zu hohe Pachten unterschrieben hat, ist nicht mehr wettbewerbsfähig.

ET: Gibt es Probleme mit Projektentwicklern für Windparks, die von außerhalb kommen?Ebert: Ja. Projektentwickler entwickeln. Und dann sind sie verschwunden. Die Betreiber und ggf. finanzierende Bürgerenergiegenossenschaften bleiben mit den entstehenden Problemen allein. Oft ist das Betreibermodell nicht sauber durchgerechnet. Die Pachten sind zu hoch, die Einnahmen zu niedrig. Unsere nordhessischen Bürgerenergiegenossenschaften haben solche  Modelle schon geprüft und als zu riskant abgelehnt.

ET: Trotzdem verpachtet der Hessenforst gern an solche Projektentwickler. Warum?Ebert: Nach einer Rüge des Landesrechnungshofes interessiert den Hessenforst fast nur noch die Höhe der Pacht. Ob das Bürgerbeteiligungsmodell funktioniert,  scheint kein wesentliches Entscheidungskriterium zu sein.  In den meisten Fällen mit Sicherheit nicht. Wir fordern außerdem, dass Projektentwickler langfristig in den Windparks mit mindestens 25 Prozent bleiben müssen, damit man keine Investruinen im Wald stehen hat.  Auch das steht nicht in den  Verträgen.

ET: Welche Rolle spielen eigentlich die zuständigen Minister?Ebert: Wir würden uns wünschen, dass die Minister Hessenforst klare Vorgaben machen. Sie kennen die Aussage des Gutachtens, das durch regionale Akteure die Wertschöpfung achtmal höher wäre. Jetzt sind sie am Zuge.

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