Zahl der Flüchtlinge steigt weiter: Hessen muss Zelte aufstellen

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Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen hat seit mehreren Wochen die Kapazitätsgrenze erreicht und inzwischen Zelte auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots in der Rödgener-Straße für Notfälle errichtet. Foto: RP Gießen

Gießen. Die Zahl der nach Hessen einreisenden Flüchtlinge steigt weiter an. Allein im Monat Juli suchten bis zu dreihundert Personen mehr eine Bleibe.

Gießen. Die Zahl der nach Hessen einreisenden Flüchtlinge steigt weiter an. Allein im Monat Juli suchten bis zu dreihundert Personen mehr eine Bleibe, als noch im Vormonat. Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen bereitet sich aufgrund aktueller Entwicklungen auf zusätzlichen Bettenbedarf vor. Trotz einer Verfünffachung der Unterbringungskapazitäten in den letzten zwei Jahren und trotz großer Bemühungen, weitere Gebäude anzumieten, werden ab sofort auch Zelte zum Einsatz kommen, um jedem Flüchtling ein Bett und ein Dach über dem Kopf garantieren zu können. Dies teilt das Gießener Regierungspräsidium heute mit, nachdem die HEAE seit mehreren Wochen die Kapazitätsgrenze erreicht hat und inzwischen Zelte auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots in der Rödgener-Straße für Notfälle errichtet hat.

"Wir haben uns sehr lange gegen den Aufbau von Zelten gewehrt und verstehen dies auch jetzt noch als eine absolute Not- und Zwischenlösung", erläutert die Leiterin der Einrichtung, Elke Weppler. Nach derzeitigen Erkenntnissen müsse man davon ausgehen, dass die Zelte bis Mitte September genutzt werden, danach stünden weitere, noch im Umbau befindliche Gebäude zur Verfügung. Aber, so Weppler, aufgrund der jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen sei kurz- bis mittelfristig weiterhin mit einer steigenden Anzahl von Flüchtlingen zu rechnen.

Der anhaltende Zustrom hat seinen Ursprung in der politischen Situation der Herkunftsländer. In erster Linie sind das Eritrea, Syrien, Afghanistan, Somalia und Serbien. Danach folgen mit größerem Abstand Pakistan, Albanien und Äthiopien. Rund 1700 Menschen warten derzeit in Gießen auf ihre Anhörung zum Asylverfahren oder auf eine dauerhafte Bleibe in einem Landkreis oder einer Kommune. Täglich werden etwa 20 bis 50 Personen dorthin zugewiesen.

Zusätzlicher Wohnraum für zirka 700 Personen, wie etwa der eines Hauses in der Rödgener Straße, das sich nach einem Brand im Umbau befindet, sei voraussichtlich ab Oktober wieder nutzbar. Zwei weitere, zusätzlich angemietete Gebäude, seien  nach brandschutztechnischer Instandsetzung ebenfalls in Kürze bewohnbar. Ab Mitte September könne dort mit dem Einzug von rund 450 Flüchtlingen begonnen werden.

"Um die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung auf einen weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen vorzubereiten und um insbesondere in den eher stark frequentierten Herbst- und Wintermonaten für weiteren Zustrom gewappnet zu sein, sind die Fachleute meiner Behörde seit vielen Monaten mit Hochdruck auf der Suche nach geeigneten Unterkünften oder Objekten, auch stets mit dem Blick auf Möglichkeiten eines entsprechenden Umbaus", erläutert Regierungsvizepräsident Hans-Otto Kneip. Alle im RP Gießen mit der Flüchtlingssituation befassten Mitarbeiter und auch die Kolleginnen und Kollegen in der HEAE seien aufs Äußerste bemüht, menschenwürdige Unterkünfte und Betreuung zu gewährleisten, die stets auch die nationalen Besonderheiten berücksichtigt. Oberste Prämisse sei es bis heute stets gewesen, Unterbringungen in Turnhallen oder Zelten so lange wie möglich abzuwenden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen beträgt zurzeit vier Wochen.

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