Zoff im Villenviertel Mulang: Anwohner stören sich an Neubauten

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Kassel. Die Villenkolonie Mulang unterliegt dem Wandel – neue Häuser und Umbauten passen nicht zum historischen Charakter fürchten Anwohner.

Kassel. Historisch-architektonische Schönheit und viel Grün – dies zeichnet die Mulang Villenkolonie im Stadtteil Bad Wilhelmshöhe aus. Doch durch Grundstücksteilung und Neubebauungen  verändert sich das Gesicht von Deutschlands ältester Gartenstadt. Um den prachtvollen Siedlungscharakter der zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Häuser des Viertels zu erhalten, soll mit einer Gestaltungssatzung  allzu großen Stilbrüchen Einhalt geboten werden.  Die Anwohner und der Ortsbeirat wünschen sich schon seit 2001 eine solche Satzung. Ihre Befürchtung: die Umgestaltung  und Bebauung der Grundstücke zerstört das harmonische Gesamtbild.

Dorothee Fischer (B90/Grüne) ist Mitglied des Ortsbeirats in Bad Wilhelmshöhe und teilt diese Sorgen: "Besonders durch die dichte Neubebauung, das Plattieren von Gärten mit altem Baubestand und mittelmäßiger Architektur geht viel vom alten Charakter  des Viertels verloren." Auch ihre Hoffnungen liegen auf der Satzung: "Sie gibt vor, dass sich alle Um- und Neubauten harmonisch einfügen müssen", erklärt Dorothee Fischer.Dazu gehören beispielsweise Vorgaben für Dächer, Dachgauben, Fassadengestaltung, Balkone, sowie die Gestaltung der Vorgärten und Nebenbauten. "Der gestalterische Spielraum bleibt ja dennoch groß”, so die Grünen-Politikerin.

Baukultur von hoher Qualität

Der Magistrat veröffentlichte 2013 eine Broschüre, die eine Übersicht über die architektonischen Besonderheiten und Baustile bietet. "Künftige Bauherren sollten sich jedoch in jedem Fall bereits vor der Planung von der Stadt Kassel beraten lassen", empfiehlt Dorothee Fischer. "Es geht nicht nur darum, für die Anwohner eine qualitätsvolle Umgebung zu erhalten, sondern für die gesamte Stadt Kassel Viertel von hoher Baukultur zu schaffen für – alle Bürger", fasst sie zusammen.

Die Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für die Zukunft der Mulang Villenkolonie ist auch Thema der nächsten Ortsbeiratssitzung am  morgigen Donnerstag, 28. August. Beginn ist um 19 Uhr im Gutshof im Hessischen Rundfunk, Wilhelmshöher Allee 347a.

+++EXTRA INFO+++

Landgraf Friedrich II. ließ 1780 am südlichen Rand des Bergparks Wilhelmshöhe das Kunst-Dörfen Mulang errichten. Im Übergangsbereich zum Bergpark finden sich noch 13 Gebäude dieser Zeit. 100  Jahre später kamen die ersten privaten Häuser dazu – die Villenkolonie entstand. Nach und nach wurden weitere Anwesen gebaut. Dadurch entstand das prägende Bild des Mulangs: prächtige Häuser aus den Gründerzeitjahren, Elemente der Neoklassik und des Neobarocks vermischen sich mit Jugendstil oder Bauhaus-Design. Mulang ist benannt nach dem angrenzenden im Bergpark befindlichen chinesischen Dorf Mou-lang.

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