Kakerlaken, Drogen und aufgebrochene Türen: Zustände im Kasseler ‚Schmuddelhaus‘ weiterhin katastrophal

Schmuddelhaus Hopla Verwahrlosung Mieter Vandalismus
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Seit Jahren ist das sogenannte Schmuddelhaus am Holländischen Platz ein Schandfleck. Ein Teil der Anwohner und auch die Hausverwaltung bemühen sich um besser Zustände – doch ihnen sind die Hände gebunden.
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Seit Jahren ist das sogenannte Schmuddelhaus am Holländischen Platz ein Schandfleck. Ein Teil der Anwohner und auch die Hausverwaltung bemühen sich um besser Zustände – doch ihnen sind die Hände gebunden.
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Seit Jahren ist das sogenannte Schmuddelhaus am Holländischen Platz ein Schandfleck. Ein Teil der Anwohner und auch die Hausverwaltung bemühen sich um besser Zustände – doch ihnen sind die Hände gebunden.
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Seit Jahren ist das sogenannte Schmuddelhaus am Holländischen Platz ein Schandfleck. Ein Teil der Anwohner und auch die Hausverwaltung bemühen sich um besser Zustände – doch ihnen sind die Hände gebunden.

Seit Jahren ist das sogenannte Schmuddelhaus am Holländischen Platz ein Schandfleck. Ein Teil der Anwohner und auch die Hausverwaltung bemühen sich um besser Zustände – doch ihnen sind die Hände gebunden.

Kassel. Auch eine großangelegte Säuberungsaktion zur Schädlingsbekämpfung im Februar 2017 konnte nicht helfen. Nach wie vor finden sich in dem als Kasseler ‚Schmuddelhaus‘ bekannten Wohnkomplex Ungeziefer wie Kakerlaken und Ratten. Die Zustände sind katastrophal.

Der Wasserschaden besteht schon seit dem Einzug, doch seit fünf Monaten wird es regelmäßig schlimmer. Mieterin Stephanie Gerguri beklagt sich – doch es passiert nichts.

„Ich bin vor fünf Jahren hier eingezogen. Schon damals bestand ein Wasserschaden im Bad, der bis zu meinem Einzug behoben werden sollte. Passiert ist bis heute nichts“, erzählt uns Mieterin Stephanie Gerguri. Im Bad: feuchte Wände, Decken und Schimmel. Strom hat sie aufgrund der Nässe weder im Bad noch in der angrenzenden Küchenzeile. Seit fünf Monaten ist ihre Einzimmerwohnung zudem mit Kakerlaken befallen, die von den oberen Stockwerken zu ihr in den dritten Stock gewandert sind. „Vor ungefähr fünf Monaten wurden im 5. Stock Schädlinge bekämpft und eigentlich hieß es, es sollte Stockwerk für Stockwerk behandelt werden. Doch seither ist nichts passiert und die Kakerlaken haben sich nun einfach in die unteren Stockwerke verzogen. Die Hausverwaltung unternimmt nichts dagegen“, so die Köchin, die aufgrund der Zustände schon monatelang einen Teil der Miete einbehält und sich über den Mieterschutzbund regelmäßig beklagt.

Für ihre rund 20 Quadratmeter große Wohnung zahlt sie eigentlich 330 Euro Miete, eine Nebenkostenabrechnung habe sie seit ihrem Einzug noch nie erhalten. Will man sie besuchen, muss man anrufen, denn auch die Klingel funktioniert schon ewig nicht mehr. Post oder Pakete zu sich bestellen? Undenkbar, denn regelmäßig werden die Briefkästen aufgebrochen und Päckchen verschwinden. „Ich bin seit zwei Jahren auf Wohnungssuche, doch wenn mögliche Vermieter meine derzeitige Adresse lesen, denken die sich ihren Teil. Man wird vorverurteilt“, so Gerguri. Ein ehemaliger Hausmeister soll ihr angeboten haben, er könne ihr helfen‚ wenn sie ein bisschen nett zu ihm sei‘. Teilweise soll er mithilfe des Zweitschlüssels in die Wohnungen eingedrungen sein.

Auch der Wasserablauf in der Spüle ist defekt. Auch hier hilft bloß ein Eimer, denn gekümmert wird sich nicht.

„Man wohnt hier relativ anonym und sucht sich andere Vermieter aus, mit denen man Kontakt haben möchte. Leider leben hier auch viele Kriminelle im Haus. Drogendealer, die regelmäßig das Schloss der Haustür zerstören, damit ihre Junkie-Kunden direkt zu ihnen hochkommen und das Zeug abholen können“, erzählen Anwohner vor dem Haus, die anonym bleiben möchten. Ein weiteres Problem – gerade für die älteren Bewohner des Hauses mit 203 Appartements: der Aufzug sei schon seit Monaten defekt. Gerade für Menschen mit Rollatoren oder Kindern eine Belastung. Laut Aussagen der Bewohner würde sich der Eigentümerbeirat querstellen, da eine Reparatur zu teuer sei. „Hier gehören viele Wohnungen vielen verschiedenen Vermietern. Die wollen ihr Geld – alles andere ist denen egal. Auch die Zustände hier interessieren die nicht“, heißt es vonseiten der Betroffenen. „Wenn wir uns nicht untereinander helfen und kümmern, passiert hier gar nichts. Dann leben oben auf den Balkonen die Tauben und unten die Ratten – und wir müssen damit leben.“

Seit fünf Monaten ist der Aufzug defekt. Gerade für ältere Bewohner oder diejenigen mit jüngeren Kindern bedeutet dies viele Treppenstufen und Anstrengungen.

Teilweise sind der Hausverwaltung und dem Hausmeister die Hände gebunden, denn die Hausverwaltung darf innerhalb der Wohnung nicht tätig werden und größere Investitionen müssen die Eigentümer gemeinsam beschließen. Und bei den 203 Appartements sind das knapp 100 verschiedene Eigentümer.

Das sagt die Hausverwaltung

Seit dem 1. Januar 2020 ist die Immobilien Verwaltung Führer & Brungs im Sinne der Wohnungseigentümergemeinschaft für die Liegenschaft zuständig. Geschäftsführer Mark Zimni ist selbst frustriert darüber, wie die Liegenschaft verkommt: „Wir sind mit dem Ziel angetreten, dass Ruder rumzureißen. Doch kosmetische Eingriffe, wie beispielsweise neue Haustüren, reichen bei weitem nicht aus. Man müsste das Haus kernsanieren, um einen Neustart erreichen zu können.“ Einige Eigentümer wüssten gar nicht, wie miserabel der Zustand der meisten Wohnungen sei. Mit Fotos im Newsletter hat Mark Zimni nun versucht, vor der einberufenen Eigentümerversammlung aufzuklären. „Nur ein Teil der Mieter ist schwierig und für die Vandalismusschäden zuständig. Fast alle Haustüren der Wohnungen wurden schon eingetreten, wird das Schloss der Hauszugangstür repariert, ist es spätestens nach 24 Stunden wieder mutwillig zerstört worden. Auch die Aufzugtüren werden regelmäßig eingetreten, so dass der Aufzug derzeit außer Funktion ist. Teilweise leben sechs Erwachsene auf 20 Quadratmeter, doch die jeweiligen Wohnungseigentümer wissen entweder von nichts oder ihnen ist es egal. Dass diese Zustände zu Frust führen, ist auch klar. Doch ‚vernünftige‘ Mieter möchten nicht in ein solches Haus ziehen. Es ist ein Kreislauf, der durchbrochen werden muss. Mit vielen Mietern haben wir gute Gespräche und diese wünschen sich auch, dass etwas passiert.“ Doch dafür müssten sich die Eigentümer auf eine Kernsanierung verständigen, die – laut Zimni – auf lange Sicht um einiges günstiger wäre als den jetzigen Zustand noch jahrelang zu dulden. Sollten sich die Eigentümer gegen diesen notwendigen Schritt versperren, werde Führer & Brungs die zukünftige Verwaltungstätigkeit überdenken.

Das sagt die Polizei

„Bezüglich des Gebäudekomplexes am Holländischen Platz lässt sich sagen, dass die Kasseler Polizei dort rund zwei Dutzend Einsätze pro Monat verzeichnet. Am häufigsten handelt es sich um Einsätze wegen Ruhestörungen und Streitigkeiten. Nahezu ebenso oft wird die Polizei wegen Körperverletzungsdelikten gerufen. In einigen Fällen sorgen diese Einsätze auch für ein größeres Polizeiaufgebot.
Seltener sind die Streifen wegen Einbrüchen, Diebstahlsdelikten und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz eingesetzt. Schwere Straftaten werden der Polizei sehr selten bekannt, wie z.B. der Verdacht eines Raubes in einer Wohnung. Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass die Anzahl der polizeilichen Einsätze in und um das genannte Gebäude recht hoch ist, sich aber in etwa auf einem gleichbleibenden Niveau bewegt. Der Holländische Platz ist eine Örtlichkeit, bei der es sich um einen Kriminalitätsschwerpunkt handelt. Aus diesem Grund führt die Polizei dort regelmäßig schwerpunktmäßige Kontrollen mit uniformierten und zivilen Kräften durch.“

Das sagt die Stadt

Wir fragten bei der Stadt beziehungsweise bei Gesundheits- und Jugendamt nach und erhielten folgende Antworten.
Gesundheitsamt Region Kassel: Die genannten, zusammenhängenden Häuser Holländische Straße 17 und Wolfhager Straße 2 werden seit mehreren Jahren vom Gesundheitsamt Region Kassel begangen. Es finden hierzu teils in kürzerem Abstand Abstimmungen und Kontrollen in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und auch mit Schädlingsbekämpfern statt. Regelmäßige Bekämpfungsmaßnahmen werden zur Zeit anlassbezogen zwischen der Hausverwaltung und einer Schädlingsbekämpfungsfirma durchgeführt.

Jugendamt: In diesem Bereich bestehen derzeit keine Planungen von Projekten. In dem Haus gibt es keine übermäßigen Gefährdungsmitteilungen, die seitens des Jugendamtes bearbeitet werden. Einzelne Gefährdungsmitteilungen gab es bei polizeilichen Einsätzen wegen häuslicher Gewalt, bei denen Kinder mit in der Familie leben. Dies ist ein abgestimmtes Verfahren zwischen Jugendamt und Polizei. Seit ca. einem halben Jahr vermehren sich Mitteilungen über versäumte U-Untersuchungen und Ordnungswidrigkeiten wegen Schulversäumnissen, die seitens der Allgemeinen Sozialen Dienste regulär bearbeitet werden.

Rubriklistenbild: © Soremski

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