Zwölfstündige Fahrraddemo: Kasseler fordern temporäre Radspuren

Vor dem Umwelthaus sangen Mitglieder von Greenpeace mit Teilnehmenden der Fahrraddemo die Klimaversion des bekannten Titels "Mad World".

Überall in der Stadt klingelten mehrere Gruppen von Radfahrenden für die Einrichtung von temporären Radwegen.

Sorgten während der Aktion für die Sicherheit der Radfahrenden: Die Ordner des Radentscheid Kassel.

Wiebke Höfker hat gemeinsam mit Ralf Meier-Böke und dem Umwelthaus Kassel e.V. das kostenfrei ausleihbare Karla-Lastenrad ins Leben gerufen.

Auch Stadtbaurat Christof Nolda testete die temporäre Radspur auf der Wilhelmshöher Allee.

Zwölt Stunden, zwölf Orte, zwölf Aktionen – Rund 20 Kasseler Initiativen haben am Freitag von 8 bis 20 Uhr zur großen Fahrraddemonstration aufgerufen und fordern die sofortige Einrichtung von temporären Radwegen, den sogenannten Pop-Up-Bikelanes.

Kassel. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass öffentliche Verkehrsmittel weniger genutzt werden und die Menschen zum Schutz vor einer Infektion mit Covid-19 verstärkt auf den eigenen Pkw oder das Fahrrad umsteigen. Doch für den dadurch stark zunehmenden Fuß-, Rad- und KFZ-Verkehr braucht es klare Abgrenzungen aller Teilnehmenden zueinander, damit die derzeit notwendigen Abstandsregeln gewahrt werden können.

Aber nicht nur, um angesichts der Corona-Pandemie den nötigen Abstand aufzuzeigen sind weltweit in vielen Städten temporäre Radspuren eingerichtet worden. Die sogenannten Pop-Up-Bikelanes sollen ebenso den Abstand verdeutlichen, zu dessen Einhaltung Autofahrende ohnehin beim Überholen von Radfahrenden in Innenstädten verpflichtet sind. Durch die Pop-Up-Bikelanes lässt sich darüber hinaus eindrucksvoll visualisieren, wie eine veränderte Aufteilung des Verkehrsraums wirkt.

"Pop-up-Bikelanes zu errichten und dafür eine komplette Fahrspur zu sperren, ist schon in vielen Städten wie beispielsweise Berlin präsent. In Kassel ist diese Motivation seitens der Stadt nicht gegeben, das Interesse der Bürgerinnen und Bürger daran hingegen sehr groß", erklärt Maik Bock vom Radentscheid Kassel.

Neben den Vertretern des Radentscheids haben sich aus diesem Grund am Freitag mit Scientists4Future, Essbare Stadt, AStA, ADFC, Dynamo Windrad, Klimagerechtigkeit Kassel (KligK), BUND, der Fridays For Future Ortsgruppe Kassel und weiteren rund 20 Initiativen zusammen geschlossen und zur großen Fahrraddemo aufgerufen. Gemeinsam sollte von 8 bis 20 Uhr überall in der Stadt verteilt ein Zeichen für eine sichere sowie umweltfreundliche Mobilität gesetzt werden. Während die große Fahrraddemonstration am Stadthallengarten mit Morgenyoga startete, wurde um 10 Uhr im Nordstadtpark bereits ein ScienceQuiz über Klimaschutz geboten und um 13 Uhr trommelten und sangen Teilnehmende der Demonstration mit Mitgliedern von Greenpeace vor dem Umwelthaus in der Wilhelmsstraße.

Augenscheinlich den roten Teppich ausgerollt haben die Aktivisten des Kasseler Radentscheid von 16 bis 18 Uhr auf der Wilhelmshöher Allee. "Wir wollen den Radverkehr sicher auf die Straße bringen und das ist im Alltag hier ein großes Problem", sagt Bernhard Kändler, der sich seit einem knappen Jahr beim Radentscheid engagiert. Unter der Aufsicht von weiteren Ordnern fuhren am Freitagnachmittag zahlreiche Fahrradbegeisterte auf der rechten Spur in Richtung Kirchweg über das von Pylonen abgesicherte, 50 Meter lange Stoffband und testeten somit die kurzweilige Pop-Up-Bikelane. 

Gut eignen für einen derartigen temporären Radweg würden sich nach Auffassung von Maik Bock vor allem die viel befahrene Frankfurter Straße, Kohlenstraße und natürlich Wilhelmshöher Allee, speziell im Bereich vor dem Bahnhof. "Das größte Problem in Kassel ist einfach, dass kein zusammenhängendes Radwegenetz existiert. Viele große Verbindungen wie beispielsweise im Königstor und der Goethestraße müssen sicherer werden", erklärt Maik Bock.

Einen Höhepunkt der großen Fahrraddemonstration bildete außerdem die ab 17 Uhr vom Schüler Jakob Albert gehaltene Kundgebung der Fridays For Future Ortsgruppe Kassel vor dem Rathaus. "Klimaschutz geht nicht ohne Verkehrswende und in Kassel ist die Situation für Radfahrer nicht tragbar. Wir müssen uns tagtäglich durch den Verkehr kämpfen", bewertet der 16-Jährige Jonathan Faust von Fridays For Future Kassel die Situation.

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