Aus für Kulturzelt: Veranstalter bemängeln Engagement der Stadt

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Aus fürs Kulturzelt: 2019 soll es kein Stadtfestival mehr geben.

Das Kulturzelt an der Drahtbrücke erfreute sich überregionaler Beliebtheit: Jetzt droht das Aus. Angelika Umbach äußert sich nun persönlich über die Beweggründe

Update 16.50 Uhr

Umbach spricht Klartext

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns die Stellungnahme von Angelika Umbach zu der Aussage von Kulturdezernentin Völkers: „Die institutionelle Förderung beträgt seit 1994 15.340 Euro (damals 30.000 DM) und ist seither nicht erhöht worden. Hier korrigieren wir Frau Völker. Es wurden von der Stadt Kassel hin und wieder Projekte des Kulturzeltes in wechselnder Höhe und unterschiedlichen Zeiträumen gefördert. Diese wurden jeweils bei Bedarf beantragt und waren nie Teil der institutionellen Förderung, die weit mehr Planungssicherheit gibt. Die Stadt Kassel hat sich auch finanziell am Einbau eines Schallschutzdaches beteiligt. Dieses wurde nach Anwohnerbeschwerden in der Unterneustadt nötig, da das Festival sonst nicht rechtssicher weitergeführt werden konnte. Durch den Einbau des Daches entstanden jährlich Kosten von 35.000 Euro.

Die Stadt hat sich daran mit 12.000 Euro beteiligt. Die restlichen jährlichen 23.000 Euro mussten im Festivalbetrieb von uns erwirtschaftet werden. Hier handelt es sich um eine Projektförderung, die jedes Jahr neu beantragt und bewilligt werden muss. Nach einem Brief an den Oberbürgermeister und der Kulturdezernentin am 6. September 2017 in dem wir unsere Lage ausführlich dargestellt haben, gab es einen Termin mit Frau Völker und der Verwaltungsleiterin des Kulturamtes Frau Metz am 20. November vergangenen Jahres. Frau Völker sagte zu, eine Erhöhung der institutionellen Förderung in den Haushaltsentwurf aufzunehmen. Sie sagte uns auch zu, bis spätestens Juni 2018 zu signalisieren, ob es zu dieser Erhöhung kommen würde. Dies ist in einem Schreiben von uns an die Kulturdezernentin vom 28. November dokumentiert worden. In diesem Schreiben haben wir auch darauf hingewiesen, dass das Kulturzelt nur mit einer Erhöhung der institutionellen Förderung weiter bestehen wird und wir die Arbeit beenden müssen, sollte dies in Frage stehen. Auf diesen Brief haben wir bis heute keine offizielle Reaktion erhalten. Die Kommunikation mit der Stadtverwaltung haben wir immer gesucht und angestrebt. Man hätte uns aber auch jeden Sommer sieben Wochen an der Drahtbrücke besuchen können. Wir waren immer da.“

 

Kassel. Schock für viele Kulturfans! Das Kulturzelt wird 2019 nicht mehr stattfinden. Das haben die Veranstalter heute auf ihrer Webseite verkündet. Dem gemeinnützigen Verein ist es zukünftig nicht mehr möglich, das Stadtfestival auf seinem hohen künstlerischen Standard weiterzuführen und sie bedauern diesen Schritt zutiefst. "Wir gehen auch, weil Selbstausbeutung Grenzen hat und Arbeit mit und von Kultur die gleiche Wertschätzung erfahren muss, wie jede andere auch." ist im Statement zu lesen. Die Stadt Kassel wird daran erinnert, "dass sie ihre Aufgaben nicht wahrnimmt und die vielfältige Inszenierung einer Stadtgesellschaft in ihrem Interesse sein sollte."

Gleichzeitig bedanken sich die Veranstalter bei allen Gästen, Förderern, dem Verein und Künstlern, die das Kulturzelt in der Vergangenheit so erfolgreich gemacht hat.

Das sagt die Kulturdezernentin

Kulturdezernentin Susanne Völker.

Wenig Verständnis hat Kulturdezernentin Susanne Völker für diese Aussagen. Sie teilte unserer Redaktion mit: „2017 unmittelbar nach meiner Wahl bin ich darauf hingewiesen worden, dass im Haushalt des Kulturzeltes eine Lücke klafft. Für 2018 stand der Haushalt zu dem Zeitpunkt schon fest. Aber für 2019 habe ich 46.000 Euro in den Haushalt eingeplant. Mir wurde damals aber versichert, dass der Haushalt für 2018 bereits steht.“ Wie bekannt hat sich die Stadt an den Anschaffungskosten des neuen Kulturzeltes beteiligt. Auch in puncto Sicherheit, so Völker, habe sich das zuständige Dezernat gekümmert.

Nach der Diskussion um die documenta zeigt sich nun auch in der Diskussion um das Kulturzelt, dass es Kultur nicht zum Nulltarif gibt.

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