„100 Jahre Frauenwahlrecht“ Landkreis Kassel lud zum Frauenempfang ein

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Die weiblichen Mitglieder des Kreisausschusses (v.l.) Christa Oehler, Heidrun Gottschalk, Jutta Rüddenklau, Irmgard Croll und Uta Erdmann.

150 Frauen aus der Region trafen sich im Kasseler Hermann-Schafft-Haus, um diese "Geburtsstunde der Demokratie" zu feiern.

Kassel. Im Zuge der Novemberrevolution 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Frauen war es somit am 19. Januar 1919 erstmals möglich zu wählen und sich wählen zu lassen. Genau 100 Jahre später trafen sich rund 150 Frauen aus der Region im Kasseler Hermann-Schafft-Haus, um diese „Geburtsstunde der Demokratie“ zu feiern und einen Blick auf die Kämpfe um das Frauenwahlrecht zu werfen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Vizelandrat Andreas Siebert, hatte Dr. Gilla Dölle vom Archiv der Deutschen Frauenbewegung das Wort. In ihrem Festvortrag spannte Dölle einen geschichtlichen Bogen vom Beginn der der organisierten Stimmrechtsbewegung von Frauen für Frauen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Dabei wurde deutlich, dass den Frauen das Wahlrecht vor 100 Jahren keineswegs „in den Schoß gefallen ist“, wie Dölle betonte, sondern gegen zahlreiche Widerstände, auch unter Geschlechtsgenossinnen, erkämpft werden musste.

Frauen für das „Soziale“

Als schließlich mit Marie Juchacz die erste Rednerin vor die Parlamentarier trat, schlug ihr aus den Reihen der Männer noch höhnisches Gelächter entgegen. Doch ein Anfang war gemacht. Von 300 Kandidatinnen wurden 37 in die 423 Sitze umfassende Weimarer Nationalversammlung gewählt. Die mit großen Hoffnungen gestarteten Parlamentarierinnen mussten jedoch schnell feststellen, so Dölle, dass eine inhaltliche Aufteilung stattfand, die bis heute nachwirkt. Frauen sollten sich um „das Soziale“ kümmern, Außen und Wirtschaftspolitik beispielsweise blieben eine Männerdomäne. Bis die Nationalsozialisten 1933 das Parlament auflösten. Es war mit Elisabeth Selbert eine Frau aus Kassel, die beim demokratischen Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg, mit Unterstützung von Frauenrechtsorganisationen und anderer Abgeordneter, schließlich den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland durchsetzen konnte. Doch auch sie musste feststellen, so Dölle, dass die angestrebte Gleichberechtigung der Frauen häufig nur auf dem Papier verwirklicht wurde.

Männer als bessere Selbstdarsteller

In der anschließenden Gesprächsrunde mit den weiblichen Kreisausschussmitgliedern wurde die Festrede aufgegriffen. So forderte etwa Uta Erdmann: „Frauen sollten an allen Bereichen der Politik teilnehmen.“ Warum das nicht so ist, dafür hatte Jutta Rüddenklau eine Antwort: „Männer sind die besseren Selbstdarsteller.“ Frauen warteten zu häufig, dass jemand anderes ihre herausragenden Leistungen erkennen möge. „Wir müssen selbst sagen, was wir geleistet haben", forderte Rüddenklau daher. Ähnlich kämpferisch äußerte sich Juanita Hille-Kleij. „Wir Frauen schaffen das, wir müssen es nur tun“, betonte sie. Irmgard Croll wiederum betonte den parteiübergreifenden Zusammenhalt der Frauen im Kreisausschuss: „Streiten können die Männer, ordentlich zusammenarbeiten können wir." Sie gab damit die Vorlage für Christa Oehler, die an die Frauen appellierte sich zu engagieren. „Denn", so Oehler, „gerade in den kommunalen Parlamenten sind für Frauen die Chancen gut, etwas durchzusetzen."

Für die musikalische Umrahmung und stimmungsvollen Ausklang der Veranstaltung sorgten Sabine Voigt und Anja Koop von der Musikschule Söhre-Kaufunger Wald mit einem bunten Potpourri neuer und alter Lieder.

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