Ausstellungseröffnung: Die „verschwundene“ Synagoge

Carola Frank (Klarinette) und Christiane Riepe (Klavier) musizierten zur Eröffnung der Ausstellung. Foto: Privat

Großer Publikumsandrang: Alleine 156 Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung am 29. Januar ins Stadtmuseum Hofgeismar.

Hofgeismar. Damit hatten die Ausstellungsmacher nun wirklich nicht gerechnet: Zur Eröffnung von „Was Steine erzählen“ am 29. Januar erlebte das Stadtmuseum Hofgeismar einen großen Publikumsandrang. Ungewöhnlich war es schon, dass die 156 Besucher den Einführungsreden aus verschiedenen Perspektiven lauschen mussten – man versammelte sich im Treppenhaus über zwei Etagen hinweg. Außergewöhnlich wie die neue Ausstellung selbst, war auch die Einführungsrede, die nach der Begrüßung durch Museumsleiter Helmut Burmeister von Vertretern der jüdischen Abteilung, Lehrern der Gustav-Heinemann-Schule Hofgeismar (GHS) und Schülern der R9c im Wechsel gehalten wurde. Gemeinsam konnten sie nun das Ergebnis einer fünf Monate dauernden Projektarbeit vorstellen.

Ein Zeitungsartikel vom 28. Januar 1939 brachte den Stein ins Rollen: Darin betonten die Nazis anlässlich des Abrisses der Hofgeismarer Synagoge die Absicht, auch jede Erinnerung an dieses Gebäude und die jüdische Gemeinde Hofgeismars auszulöschen. „Wir haben hieraus für uns den Auftrag herausgelesen, den Nazis einen Strich durch die Rechnung zu machen und die Erinnerung an die Synagoge wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, sagte Julia Drinnenberg als Sprecherin des pädagogischen Teams der jüdischen Abteilung im Stadtmuseum, dem auch Gabriele Hafermaas und Arnd Naundorf angehören.

Beispielhaftes Pilotprojekt 

Irmgard Ehls, die als Lehrerin der GHS zusammen mit ihrer Kollegin Claudia Wesemann im Projektteam die Aktion mitgestaltete, sagte in ihrem Beitrag: „Deutsch, Mathematik, Gesellschaftslehre, Religion, Englisch – in all diesen Unterrichtsfächern wurde das Projektthema aufgegriffen und in den Unterricht eingebaut. Für ganze Vormittage gaben weitere Kollegen ihre Stunden zugunsten des Projekts ab. Die Stundenplanung der Schule wurde kurzerhand und unbürokratisch um das Projekt herum umgebaut – damit wurde „Was Steine erzählen“ zu einem Pilotprojekt, das beispielhaft für andere Schulen sein kann“.

Die Schüler Sarah Lange und Moritz Beutekamp betonten ihr Interesse und ihre Freude an den Vermessungen im Gelände, an der Schaffung einer Rastervergrößerung eines historischen Bildes der Synagoge und vor allem an der Beschäftigung mit Dokumenten zur Geschichte der NS-Zeit in Hofgeismar. Besonders die Briefe der jüdischen Familie Goldschmidt aus Hofgeismar machten ein Hineindenken in diese Zeit möglich. Auf dieser Grundlage schrieben und vertonten die Schüler Dialoge, wie sie 1933-1939 in Hofgeismar stattgefunden haben konnten.

Erinnern schafft Wissen

Sarah und Moritz sprachen aus, was die Schüler der R 9 c in diesen Monaten empfunden haben: „Es hat uns schon zum Nachdenken gebracht, als wir bemerkten, dass der Nationalsozialismus auch bei uns in Hofgeismar sich so ausbreiten konnte. Die jüdischen Familien waren wie unsere Familien heute und die Kinder so alt wie wir oder unsere Geschwister. Wir wissen jetzt, so etwas darf nicht noch einmal passieren! Erinnern schafft Wissen, und Wissen hilft, Fehler aus der Vergangenheit zu vermeiden“. Die Ausstellungseröffnung wurde musikalisch umrahmt von Carola Frank (Klarinette) und Christiane Riepe (Klavier) . Durch die finanzielle Förderung durch den „Kulturkoffer“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst konnte die neue Ausstellung mit ihren vielen Facetten realisiert werden.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Museums besucht werden – für Schulklassen und Gruppen sind Vereinbarungen außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Die Öffnungszeiten sind: Montag 10 - 12 Uhr; Dienstag10 - 12 Uhr; Mittwoch 15 - 18 Uhr; Donnerstag 10 - 12 Uhr; Freitag 17 - 19 Uhr; Sonntag 11 - 13 u. 15 - 18 Uhr;  2. Feiertage 11 - 13 u. 15 - 18 Uhr.

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