Bald freie Bahn für Radfahrer im Carlsbahntunnel

+

Trendelburg. Der Carlsbahntunnel wird bald für Fußgänger und Radfahrer saisonal geöffnet sein und so zum attraktiven Ziel für Touristen.

Trendelburg. "Wie wäre es, den Eder-Diemel-Radweg durch den Carlsbahn-Tunnel zu führen?" Die Idee, die Karl-Heinz Dworak und seine Mitstreiter von der IG "Carlsbahntunnel für alle" auf den Weg brachten, war ebenso naheliegend wie ‘Sanfter-Tourismus’-fördernd. Doch nicht alle waren von der Idee angetan. Das zeigte sich im Juli 2011 überdeutlich bei einem vom lokalo24.de kurzfristig initiierten Treffen am Streitobjekt – dem Tunnel der ehemaligen Carlsbahn bei Deisel. "Nicht mit uns. Über eine Öffnung diskutieren wir gar nicht erst", wollte der Vertreter der Oberen Naturschutzbehörde allen Plänen ein Ende setzen."Wenn andererorts Naturschutz und Radtourismus vereinbar ist, warum dann nicht auch bei uns", konterten die Mitglieder der IG,  Vertreter des Landkreises und von Hessen-Forst. Es ist vereinbar! Beim offiziellen Start der Bauarbeiten am ältesten Eisenbahntunnel Hessens  verkündete jetzt Vizelandrätin Susanne Selbert: "Wenn alles planmäßig verläuft, können wir  in diesem Jahr den Carlsbahntunnel für Radfahrer  und Fußgänger öffnen". Damit werde dem Wunsch der Bevölkerung in der Nordspitze Hessens entsprochen und "eine neue Tourismusattraktion im Diemeltal geschaffen", so Selbert weiter.

Tunnelöffnung bereits 2005 Thema

Dem Start der Bauarbeiten war eine lange Überzeugungs- und Planungsphase vorausgegangen. Denn neu ist die Idee nicht: Bereits bei der Landratstour 2005 war die Tunnelöffnung Thema. Landkreis, Hessen-Forst, Obere Naturschützbehörde und die Landesdenkmalpflege einigten sich damals darauf, den Tunnel am Nordportal  auf rund 20 Meter frei zu geben, um den Radtouristen eine "Tunnelerfahrung" zu ermöglichen. Das Südportal liegt im FFH-Gebiet Holzapetal und soll unzugänglich bleiben.Nachdem im Jahr 2011 die Tunnelportale saniert worden waren, wurde der Ruf immer lauter, den denkmalgeschützten rund 200 Meter langen Tunnel für die Bevölkerung und die Radtouristen erlebbar zu machen. Der Kreistag des Landkreises Kassel hatte im September 2011 den Kreisausschuss beauftragt, die notwendigen Maßnahmen zur Öffnung des Tunnels bei Trendelburg-Deisel anzugehen.

Landkreis mit Naturschutzgutachten

Zuerst waren die naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. "Ein von uns in Auftrag gegebenes Artenschutzgutachten hat dann ergeben, dass naturschutzrechtlich eine saisonale Öffnung des Tunnels möglich ist", informiert die Vizelandrätin.  IG-Mitglied Rolf Seydler: "Wie man Fledermausinteressen berücksichtigen kann, wird eindrucksvoll im Milseburgtunnel in der Rhön oder im Fledermaustunnel auf dem Sauerland-Radring vorgeführt." Wie bei anderen für den Radverkehr genutzten ehemaligen Eisenbahntunnel muss der Deiseler Tunnel im Winter geschlossen werden, um so seine Funktion als Winterquartier für seltene Fledermausarten zu erhalten.

Carlsbahntunnel bald offen für Radfahrer und Fußgänger

Der Landkreis hatte dann einen Gestattungsvertrag mit dem Landesbetrieb Hessen-Forst abgeschlossen, der dem Landkreis Kassel die nötige rechtliche Sicherheit für die zukünftige Nutzung gewährt. Da die Probleme mit dem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet im Anschluss an das südliche Tunnelportal nicht aus der Welt zu schaffen waren, wurde mit Regierungspräsidium Kassel und mit Hessen-Forst verhandelt, um einen kurzen Verbindungsweg zwischen dem Südportal und dem jetzigen Verlauf des Diemelradwegs zu bauen, der im letzten Jahr fertiggestellt wurde.Für die Öffnung des Tunnels fallen Kosten in Höhe von bis zu 495.000 Euro an. "Die verkehrssichere Instandsetzung der Tunnelröhre allein kostet inklusive Architektenleistung rund 320.000 Euro – weitere Kosten fallen für die Beleuchtung an", erläutert Selbert.

Finanziert wird das Projekt durch Fördermittel des LEADER-Programms der Europäischen Union sowie Mittel  aus dem  Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes, vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege und der Deutschen Stiftung Denkmal. Der Landkreis selbst beteiligt sich mit Haushaltsmitteln in Höhe von 61.177 Euro . "Diese unterschiedlichen Finanzierungsquellen ermöglichen eines der spannendsten Tourismus- und Denkmalschutzprojekte im Landkreis Kassel", stellt Selbert fest.

Hintergrund Tunnel

Der Carlsbahntunnel wurde im Zuge des Baus der "Carlsbahn" von Hümme nach Karlshafen in den Jahren 1847 bis 1848 errichtet und diente dazu, eine Streckenführung durch die hochwassergefährdeten Flussauen des Diemeltals zu vermeiden.Der Tunnel liegt direkt am Hessischen Radfernweg 4 und dem Diemelradweg. Wegen der Tunnelsperrung führt die aktuelle Radroute auf rund 1,8 Kilometer in großem Bogen und mit beachtlicher Steigung westlich um den Kesselberg (dem Tunnelberg) herum. Eine direkte Linienführung durch den Tunnel erspart die Steigung und verkürzt die Strecke auf rund 800 Meter.In den letzten Jahren wurde im Zuge des Eco-Pfades Diemel eine Hinweistafel am nördlichen Tunnelportal aufgestellt, 2010 wurde ein Weg vom Radweg zum Nordportal ermöglicht. Von der Nordseite sind die ersten  zwanzig Meter des Tunnels für Besucher bereits zugänglich – der Rest der Tunnelröhre ist noch abgesperrt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Junge Preisträger

Die Siegerinnen und Sieger des diesjährigen Wettbewerbs von "jugend creativ" in Ahnatal, Calden, Grebenstein und Liebenau stehen fest. I
Junge Preisträger

Mann in Rock und Strumpfhose zeigt sich in Baunataler Tiefgarage unsittlich

Am Montagnachmittag zeigte sich ein bislang unbekannter Mann in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums in Baunatal gegenüber einer Frau entblößt und unsittlich.
Mann in Rock und Strumpfhose zeigt sich in Baunataler Tiefgarage unsittlich

Beratung und Service bei den Lorenz Apotheken in Baunatal

Die modernen und barrierefreien Lorenz-Apotheken und das Lorenz Reformhaus in Baunatal bieten ihren Kunden seit vielen Jahren eine persönlich abgestimmte Beratung und …
Beratung und Service bei den Lorenz Apotheken in Baunatal

Bad Emstaler trägt am liebsten Frauenkleider

Cross-Dresser Jörg Hüttenberger ist immer in Rock oder Kleid unterwegs.
Bad Emstaler trägt am liebsten Frauenkleider

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.