„Bei mir werden Sie entdeckt“ Castingshow und „hatta,hatta..“

Von HELMUT KRMLER Wolfhagen. Hans Werner Olm zhlt zu den bekanntesten und aufregendsten Kabarettisten/Comedians seiner Zunft. ber al

Von HELMUT KRMLER

Wolfhagen. Hans Werner Olm zhlt zu den bekanntesten und aufregendsten Kabarettisten/Comedians seiner Zunft. ber all die Jahre hat er sich seine Ecken und Kanten bewahrt, Bestndigkeit in der scharfzngigen Beobachtung des alltglichen Irrsinns des Menschseins gezeigt. Bestndigkeit beweist Hans Werner Olm auch mit seinen Auftritten beim Wolfhager Kulturzelt: Nach 1996, 2003 und 2006 kommt er in diesem Jahr zum vierten Mal an die Teichwiesen. Wir sprachen mit dem zweimaligen Comedy-Preistrger und Erfinder skurriler Figuren.

Redaktion: Ich hab mich kommen sehen wenn man so will, versprachen Sie ja schon beim letzten Mal, wieder nach Wolfhagen zu kommen. Vier Jahre spter, am 15. Mai, ist es nun also soweit.

Olm: Ja, ich freue mich drauf. Denn das Wolfhager Kulturzelt ist eines der Festivals, wo man als Knstler gerne hingeht. Es wird von guten, engagierten Leuten absolut professionell gemacht. Das Umfeld stimmt und die Atmosphre im Zelt und auf der Wiese mit den umstehenden Bumen ist toll. Auerdem finde ich die Kontinuitt ber all die Jahre gut. Kurz: Ich komme gerne.

Redaktion: Auf was drfen wir uns freuen?

Olm: Auf Hans Werner Olm pur! Ich werde Dinge ausprobieren, die Bestandteil meines nchsten Programms Mit Vollgas im Leerlauf werden. Das Programm enthlt neue Texte und natrlich auch ltere Sachen, zum Beispiel den 7er BMW neu getunt. Ich werde mir die Chartshows vornehmen, und auch der Wii -Sport ist nur noch komisch, wenn man keinen Bildschirm vor sich hat. Es gibt einen Gesangswettbewerb und ein Casting, wer will, kann also am 15. Mai von mir entdeckt werden! Natrlich wird sich Vieles um die Themen des Menschseins und um ganz aktuelle Sachen drehen lpest, Griechenland, die Priester-Nummer. Damit werde ich mich kritisch auseinander setzen. Und die Kirchenlieder bringe ich auch mit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die mittlerweile selbst im tiefsten Bayern ankommen, Das zeigt doch, dass sich die Leute kritischer mit diesen Institutionen auseinander setzen, und sich die kumene freut, wenn man da mal den Finger in die Wunde legt.

Redaktion: Sie treten solo auf?

Olm: Ein Pianist begleitet mich. Ob ich Luise Koschinsky aus ihrem Mallorca-Urlaub los eisen kann, wei ich noch nicht, sie ist aber mit Sicherheit in der kommenden Saison wieder mit dabei.

Redaktion: Wie sind Sie eigentlich zum Kabarettisten, zum Meisterzyniker der besonderen Art geworden?

Olm: Wieviel Stunden Zeit haben Sie? Aber im Ernst, das ergab sich einfach so. Eigentlich wollte ich Mitte der 70er Musik machen, bin deshalb nach Berlin gegangen. Dort in den Clubs habe ich gemerkt, dass ich als Sprachjongleur und Parodist auch gut ankam. Mein erstes abendfllendes Bhnenprogramm gab es dann 1985, unter anderem mit viel Untersttzung der damaligen Titanic-Macher.

Redaktion: Sie haben sich auch als Radiomoderator und mit erfolgreichen TV-Shows und Fernsehauftritten einen Namen gemacht. Wie beurteilen Sie den Comedy-Hype, der seit einigen Jahren bei den TV-Sendern zu verzeichnen ist?

Olm: Wer wei, wie lange das noch anhlt. Es gibt immer mehr junge Leute, die sich dort versuchen. So nach dem Motto wenn ich bei allen Castingshows durchgefallen bin, werde ich eben Comedian. Mal abwarten, wer bleibt. Denn in diesem Metier musst Du Standing haben. Es ist ein Kampfsport. Und das Mediengetse geht ziemlich an mir vorbei. In meiner Freizeit gucke ich beispielsweise Phoenix oder Arte aber bestimmt nicht diese ganzen ebenso aufgepumpten wie witzlosen Comedyformate. Die jungen Comedians betrachte ich nicht als Konkurrenz - ich betrachte mich ja auch nicht als Comedian.

Redaktion: Sondern?

Olm: Ich mache das jetzt ber 30 Jahre, es ist mein Leben. Mit Olm habe ich mir quasi eine Marke geschaffen, die auch ohne Medienhype hlt. Irgendetwas nur zu besuseln ist nicht mein Ding. Ich will an den Grundtenor von Ereignisen, Dingen. Will rauskriegen, ist das tatschlich so? Und warum ist das so? Einfach nur Spchen machen und Witze reien, dafr bin ich mir zu schade.

Redaktion: Stattdessen nehmen Sie den alltglichen Wahnsinn wortgewaltig, ironisch und manchmal schon bsartig ins Visier?

Olm: Nehmen Sie die kirchlichen Missbrauchsflle, die lpest anscheinend muss es immer erst zum Knall kommen, bevor die Leute aufmerksam werden, bevor sie berhaupt etwas tun. Ich versuche, Missstnde komisch zu beleuchten. Nur wenn es weh tut, nimmt man die Hand von der Herdplatte. Das gleiche gilt fr die vielen menschlichen Unzulnglichkeiten, die ich in meinem Programm aufgreife oder mit Paul Schrader oder Iff berzeichne. Nur wer gelernt hat, eine Distanz zu seiner eigenen, zweifelhaften Wichtigkeit aufzubauen, ist bereit fr Kritik, fr Vernderungen. Ich habe das Gefhl, ich komme mit meinen Programmen immer mehr zum Inneren dessen, was Mensch-sein ausmacht.

Redaktion: Sie stammen aus Bochum, wie erstaunlich viele Ihrer Kollegen?

Olm: Anscheinend hat das Ruhrgebiet eine Struktur, die Originale schafft. Hier gibts viele Urviecher. Und Bochum besitzt den Kreativpool: Thomas Hermanns, Frank Goosen, Hennes Bender, um nur einige zu nennen. Auerdem muss der Bochumer leidensfhig sein. Nicht zuletzt wegen des VfL. 2009 habe ich dem VfL mit Power im Revier extra eine Hymne geschrieben, aber die kann man eigentlich nicht spielen - die ist viel zu dynamisch fr deren mdes Gekicke. Am Wochenende war ich extra in Bochum, zum Spiel gegen Hannover. Jetzt bin ich als Wahlberliner doppelt bestraft.

Redaktion: Und wie beurteilt der Fuballexperte und Kicker-Kolumnist Hans Werner Olm die WM-Chancen der Lw-Truppe?

Olm: Wir fliegen im Halbfinale gegen Italien raus. Wenn wir Glck haben und berhaupt bis dahin kommen. Wie kann man nur Kuranyi zu Hause lassen. Der ist zwar Schalker aber trotzdem...

Redaktion: Arte-Gucker, Bochum-Fan verraten Sie uns mehr aus Ihrem Privatleben?

Olm: Ich bin eigentlich ein ganz normaler Typ esse ab und zu eine Currywurst, gehe in den Baumarkt und parke in der zweiten Reihe. Wichtig ist, dass man immer mit den Fen auf dem Boden bleibt. Ich bin Gott sei Dank nicht so eine arme Sau wie Boris Becker, der anscheinend glaubt, ohne mediale Prsenz nicht zu existieren. berhaupt sollten meine Zuschauer nicht immer berlegen, ist der Typ dort oben auf der Bhne auch im wirklichen Leben so, und sich bei den Themen fragen, ist das seine private Meinung. Sie sollten vielmehr von sich selbst ausgehen, und sich im Zusammenhang mit dem Gezeigten fragen, wie sie selbst auf Dinge reagieren.

Redaktion: Trotzdem sind Sie als Promi einer ffentlichen Neugier ausgesetzt.

Olm: Die hlt sich in Grenzen. Berlin ist eh eine Stadt, wo das geschluckt wird. Hier rennen doch jede Menge Leute rum, die man aus den Medien kennt. Das wre in einer Stadt wie Wolfhagen oder Kassel sicher anders. Aber einfach mal so in eine Kneipe gehen, beobachten, wie die Leute reden und sich benehmen, das geht natrlich nicht mehr. Ist aber auch nicht schlimm, die menschlichen Typen und ihre Macken besitzen eine erstaunliche Haltbarkeit.

Redaktion: Und wie steht es mit Ihrer Filmkarriere? 

Olm: Als zweites Standbein fr irgendwann einmal kann ich mir die Schauspielerei durchaus vorstellen. Die Auftritte in den Otto-Filmen 7 Zwerge haben Spa gemacht. Im Fernsehen bernehme ich ab und zu kleine Gastrollen Sesamstrae, Adelheid und ihre Mrder und sogar bei Cobra 11. Das Fernsehen multipliziert, es ist ein Medium, dass ich nutze, um das zu zeigen, was ich kann. Aber man kann ja nicht alles auf einmal machen! Ich produziere viel, habe eine Band, schreibe Kolumnen. Am liebsten aber stehe ich nach wie vor auf der Bhne.

Redaktion: Wir werden es erleben. Am Samstag, dem 15. Mai, ab 20 Uhr im Kulturzelt Wolfhagen. Vielen Dank fr das Gesprch.

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