Bevölkerungsabnahme erfordert richtige Weichenstellung für die Zukunft

Kreis Kassel. "Die neuen Rahmendaten zur Bevölkerungsentwicklung in Hessen sind für uns keine Überraschung - sie zeigen allerdings, dass man j

Kreis Kassel. "Die neuen Rahmendaten zur Bevölkerungsentwicklung in Hessen sind für uns keine Überraschung - sie zeigen allerdings, dass man jetzt die richtigen Weichen für die zukünftige Entwicklung unserer Region stellen muss", kommentiert Vizelandrätin Susanne Selbert die neuesten Zahlen zur Bevölkerungsabnahme im Landkreis Kassel. Die Kreisverwaltung beschäftige sich bereits seit 2007 intensiv mit den Folgen der langfristigen Bevölkerungsentwicklung. Selbert: "Eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit allen relevanten Fragestellungen". Die richtigen Antworten auf den Bevölkerungsrückgang und die Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung zu finden, sei die wichtigste Aufgabe für Politik, Verwaltung und Gesellschaft im Kreis. "Dabei ist es von großer Bedeutung, die Veränderungen nicht als unbewältigbares Problem zu sehen, sondern mutig und entschlossen für den Erhalt unserer lebenswerten Strukturen im ländlichen Raum zu sorgen", betont die Vizelandrätin.

Natürlich werde sich ein prognostizierter Bevölkerungsrückgang für den Landkreis Kassel um 28 Prozent bis 2050 deutlich in den Städten und Gemeinden im Kreis auswirken. "Wir sind ein Beispiel für die Bevölkerungsentwicklung in Hessen insgesamt, weil man im Kreis bereits sehen kann, dass der Einwohnerrückgang im Hofgeismarer und Wolfhager Land stärker ist, als im direkten Umfeld der Stadt Kassel", berichtet Selbert. Dieses Stadt-Land-Gefälle bedeute allerdings nicht, dass sich die Kommunen im ländlichen Raum "ohne Chancen auf dem absteigenden Ast befinden".

Der Landkreis sorge mit gezielten Infrastrukturmaßnahmen dafür, dass es auch "in Zukunft eine gute Entscheidung ist, auf dem Land zu wohnen", so die Vizelandrätin weiter. Selbert nennt in diesem Zusammenhang die Investitionen in neue Schulen in Bad Emstal, Bad Karlshafen, Grebenstein, Hofgeismar, Immenhausen, Reinhardshagen, Trendelburg, Wahlsburg und Wolfhagen. Selbert: "Bildung sichert Zukunftschancen und gut ausgestattete Schulen sind die beste Grundlage für gute Bildungschancen".

Die gut funktionierenden Anrufsammelverkehre im Weserraum und im Wolfhager Land sorgten dafür, dass es neben der RegioTram auch bedarfsorientierte ÖPNV-Angebote für den ländlichen Raum gibt. Auch die Attraktivitätssteigerung des Tierparks Sababurg und die verstärkten Angebote im Wasserschloss Wülmersen gehörten "zu einer ganzheitlichen Strategie, den ländlichen Raum zu stärken". Gerade im Tourismus könnten noch Potenziale für die Region gehoben werden.

Ein besonderer Schwerpunkt für den Erhalt der dörflichen Infrastruktur werde im gesamten Sozialbereich liegen. "Mit dem neuen Sozialatlas liegt eine sehr gute Datenbasis vor, auf deren Grundlage wir zusammen mit den Kommunen und der Liga der Wohlfahrtsverbände zielgenaue Strategien für die soziale Infrastruktur im Kreis entwickeln können", ist sich Selbert sicher.

Bereits die bisherigen Auswirkungen der Bevölkerungsveränderungen zeigten, dass eine nachhaltige zukünftige Entwicklung für den Kreis nur gemeinsam erreicht werden könne. "Unser Ansatz ist daher, zusammen mit Akteuren vor Ort, die Weichen zu stellen", betont Selbert. Die Kommunen seien dabei ein ebenso wichtiger Gesprächspartner wie die Wirtschaft, die Vereine und Verbände, die Kirchen wie die Fachbehörden auf Bundes- und Landesebene. "Mit dem Verein Region Kassel-Land e.V. und der Evangelischen Akademie Hofgeismar haben wir zwei Kooperationspartner, die mit ihren Veranstaltungen in Hofgeismar, diejenigen zusammenführen, die sich um die Zukunft unserer Region kümmern wollen", weist die Vizelandrätin abschließend auf die regelmäßigen Workshops zu Demographie-Fragen in der Evangelischen Akademie Hofgeismar hin.

Hintergrund:

Die aktuellen Prognosen zur demografischen Entwicklung im Landkreis Kassel gehen von einem Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2050 von 28 Prozent gegenüber dem Jahr 2009 aus. 2050 würden nach Berechnungen der HessenAgentur GmbH 171.000 Menschen im Landkreis Kassel wohnen - Ende 2009 waren es 237.973 (Quelle: Statistisches Landesamt). 44 Prozent der Einwohner im Landkreis Kassel sollen 2050 60 Jahre und älter sein - Ende 2009 lag dieser Wert bei 25 Prozent.

Im Februar 2007 wurde von Landrat a.D. Dr. Udo Schlitzberger der 'Arbeitskreis Demografie' ins Leben gerufen. Ziel des Arbeitskreises ist es, zukunftsfähige Handlungsstrategien für den Landkreis Kassel zu entwickeln und daraus ableitend kommunale Handlungskonzepte vorzuschlagen. Es geht dabei um die Beratung der Kommunen, denn sie müssen die Maßnahmen vor Ort umsetzen. Alle Bereiche, in deren Handlungsspektrum Auswirkungen des demographischen Wandels erkennbar sind, werden einbezogen. Das sind neben der Kreisspitze die Untere Denkmalschutzbehörde, die Bauaufsicht, die Bereiche ÖPNV, Landwirtschaft, Energie, die Schulentwicklung, die Arbeitsförderung, die Jugend- und Altenhilfeplanung und die Dorf- und Regionalentwicklung. Außerdem nehmen Bürgermeister von Landkreiskommunen sowie Vertreter gesellschaftlicher Gruppen an der Arbeit des Arbeitskreises teil. Die Federführung des Arbeitskreises liegt beim Leiter des Amtes für den ländlichen Raum des Landkreises Kassel, Christian Primus.

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