Corona: Den Ärmsten in Siebenbürgen droht eine Hungersnot

1 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.
2 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.
3 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.
4 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.
5 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.
6 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.
7 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.
8 von 12
Nordhessische Landwirte schicken Grundnahrungsmittel nach Siebenbürgen.

Nordhessische Landwirte schicken 20 Tonnen Kartoffeln und weitere Grundnahrungsmittel ins Krisengebiet.

Liebenau/Calden. Der Hilferuf von Pfarrer Johannes Klein aus dem Kreis Hermannsstadt im rumänischen Siebenbürgen kam Ostern. Die beiden nordhessischen Landwirte Ottmar Rudert und Günter Rüddenklau, die bereits mehrfach Hilfstransporte in diese Region organisiert hatten, erhielten die Schreckensnachricht, dass in der dortigen evangelischen Kirchengemeinde viele Familien hungern müssten. Der Corona-Virus hat die ohnehin schon schwache Infrastruktur kollabieren lassen: Die Kartoffelpreise sind beispielsweise auf das fünffache gestiegen; dazu kommen schwere wirtschaftliche Probleme und drohende akute Verarmung eines Teils der Bevölkerung wegen Arbeitslosigkeit und Flucht.

Heimkehrer verschärfen die Situation 

Johannes Klein: „In den vergangenen Wochen sind hunderttausende von Rumänen aus dem westlichen Ausland zurück in ihre Heimat geflohen. Aufgrund von Corona wurden ihnen die Arbeitsverträge gekündigt, dazu kommen viele Menschen, die schwarz gearbeitet haben und für die es auch keine Arbeit mehr gibt.“ In der Regel haben diese Rückkehrer kein Geld und oftmals auch keine eigene Unterkunft, so dass sie bei Verwandten unterkommen müssen. „Die Armut derer, die hier waren, hat sich dadurch noch verschlimmert“, so der Pfarrer. „Da es in den seltensten Fällen Ersparnisse gibt, ist das Hungertuch wieder sprichwörtlich geworden!“ Gesellschaftliche Zustände, die so auch von Elisabeth Reinhardt aus Fagaras beschrieben werden: „Viele Leute hier leben mittlerweile vom Betteln oder suchen in Mülltonnen nach Lebensmitteln.“ Durch die anhaltenden Ausgangssperren und die Allgegenwart der nicht gerade zimperlich vorgehenden Polizei sei es vielen Menschen dort nicht mehr möglich, Geld zu beschaffen, um an die dringend benötigten Lebensmittel zu gelangen. „Am meisten leiden darunter die Schwächsten, das sind die Kinder und die Alten.“

Hilferufe und Situationsbeschreibungen, die in Nordhessen nicht ungehört blieben. „Uns ist klar, dass es hier auch Vielen nicht gut geht“, so Ottmar Rudert. „Doch was bei uns klemmt, klemmt dort um das zehnfache.“ Seit dreizehn Jahren bestehen mittlerweile Kontakte nach Siebenbürgen, „da lässt uns so ein Hilferuf nicht unberührt!“ Und so startete am vergangenen Wochenende ein Lkw dorthin, vollgepackt mit 20 Tonnen Kartoffeln, einer Tonne Mehl und fast zwei Tonnen Zucker. Bei der Besorgung der Lebensmittel mitgeholfen haben die Landwirte Egbert Ide-Knorr und Josef Jacobi, Unterstützung kam auch von Silke Kohlwes, Pfarrerin im Kirchspiel Liebenau sowie der dortigen Stadtverwaltung. Das Mehl stammt aus der niedersächsischen Mühle Rüningen, die Kartoffeln hat der Kartoffelhof Neutze in Grebenstein-Schachten gespendet. Für die Familie Neutze war es selbstverständlich, zu helfen. „Wir hatten dank Corona ‚zufällig‘ ein paar Kartoffeln übrig“, schmunzelt Hartmut Neutze. Und so sorgen die eigentlich für nordhessische Kantinen, Gaststätten oder Kindergärten bestimmten Nahrungsmittel nun in Siebenbürgen für etwas Entspannung auf dem Speiseplan. „Mit jeweils zehn Kilo lassen sich 2000 Familien unterstützen“, rechnet Günter Rüddenklau vor. Wie hoch gehandelt Lebensmittel in Rumänien mittlerweile sind, zeigt die Tatsache, dass der Lkw nach der Ankunft auf einem eigens abgezäunten und rund um die Uhr bewachten Hof abgestellt wurde. Die gespendeten Kartoffeln werden vor Ort und in der Umgebung verteilt und zwar an Behinderten-, Alten- und Pflegeheime sowie an die ärmsten Menschen in der Region.

Helfer bitten um Geldspenden 

Für den Transport nach Rumänien war noch Geld auf dem Spendenkonto. Doch um möglicherweise weitere Lebensmittel liefern zu können, sind die Organisatoren für Geldspenden dankbar. Konto des Kirchenkreisamtes Hofgeismar-Wolfhagen bei der Evangelischen Bank, IBAN: DE13 5206 0410 0002 0001 05, BIC GENODEF1EK1, Stichwort: Moldawien-Hilfe.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Verletztem 26-Jährigen fehlt die Erinnerung: Polizei ermittelt wegen Verdacht auf Sexualdelikt in Kaufungen

Am Sonntagmorgen wurden Polizeibeamte wegen eines verletzten 26-jährigen Mannes nach Kaufungen gerufen. Das Opfer wies blutige Verletzungen im Gesicht auf - außerdem …
Verletztem 26-Jährigen fehlt die Erinnerung: Polizei ermittelt wegen Verdacht auf Sexualdelikt in Kaufungen

Ursache bislang unklar: Wohnhaus brannte in Bad Emstal

In der Nacht auf Sonntag kam es zu einem Wohnhausbrand in Bad Emstal.
Ursache bislang unklar: Wohnhaus brannte in Bad Emstal

Baunatals Gleichstellungsbeauftragte: „Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig Frauen sind“

In Baunatal soll demnächst eine Ausstellung eröffnet werden, die Frauen in der Corona-Krise in den Fokus rückt. Denn die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie wichtig …
Baunatals Gleichstellungsbeauftragte: „Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig Frauen sind“

Tagespflegestellen im Landkreis Kassel wieder für alle Kinder offen

Jugendamt empfiehlt behutsamen Start – auch müssen einige Sicherheitsregeln beachtet werden.
Tagespflegestellen im Landkreis Kassel wieder für alle Kinder offen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.