Baunatals Gleichstellungsbeauftragte: „Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig Frauen sind“

Die Kasselerin Stefanie Teuteberg ist seit Januar die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in Baunatal.
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Die Kasselerin Stefanie Teuteberg ist seit Januar die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in Baunatal.

In Baunatal soll demnächst eine Ausstellung eröffnet werden, die Frauen in der Corona-Krise in den Fokus rückt. Denn die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie wichtig Frauen sind.

Baunatal. „Als Mutter weiß ich, wie viele Frauen auch, was es in Zeiten von Corona heißt, Kinder, Job und Homeschooling unter einen Hut zu bringen. Und wie sehr sie gebraucht werden“, so die Kasselerin Stefanie Teuteberg, die seit Anfang des Jahres die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in Baunatal ist. Vorher war die 51-Jährige, die in Kassel Sozialpädagogik studiert hat, Beauftragte für Gleichstellung am Arbeitsmarkt im Jobcenter. Wir sprachen mit ihr über ihre Aufgaben, über die Wertschätzung weiblicher Arbeit und ihre Idee einer besonderen Kunstausstellung in Baunatal.

lokalo24.de: Frau Teuteberg, wie muss man sich Ihre Aufgaben als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte einer Stadt vorstellen? Stefanie Teuteberg: „Es gibt zwei Bereiche, wo ich tätig bin. Innerhalb der Verwaltung der Stadt Baunatal bin ich beispielsweise dann zuständig, wenn es um neue Job-Einstellungen geht und schaue, dass in der Verwaltung das Thema Gleichstellung in allen Planungsprozessen mitgedacht wird. Da muss ich allerdings sagen, dass Baunatal super aufgestellt ist. Ich erlebe hier eine offene und innovative Verwaltung. Das ist leider nicht überall in Betrieben so. Allgemein gibt es da noch Handlungsbedarf. Sei es mit mehr Frauen in Führungspositionen oder auch bei Elternzeit und Arbeitszeitverkürzung, um Beruf und Familie besser vereinbar zu machen.

Das ist ihr Job innerhalb der Verwaltung. Und außerhalb? Extern stehe ich allen Bürgerinnen und Bürgern in Fragen zum Thema Chancengleichheit zur Verfügung und setze mich dafür ein, die verfassungsrechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern auf kommunaler Ebene zu gewährleisten sowie die Interessen von Frauen und Mädchen zu vertreten. So plane ich bspw. eine Fragebogenaktion für Alleinerziehende um herauszufinden, wo die besonderen Bedarfe bei den Ein-Eltern –Familien liegen. Wenn wir wissen, wo Nachholbedarf ist, können wir auch neue Angebote schaffen.

In der Corona-Zeit haben Familien oft das Problem der fehlenden Betreuungsmöglichkeit. Häufig sind dann die Mütter diejenigen, die zugunsten der Kinder zu Hause bleiben und sich kümmern. Genau, denn die Corona-Krise zeigt uns gerade, dass Frauen sehr stark gebraucht werden. Sie stehen beruflich oft an vorderster Front, bspw. als Verkäuferin oder Pflegekraft, müssen aber häufig parallel als Lehrerin- und Betreuungskraft einspringen und den Haushalt schmeißen. Und nach einer Krise sind es oftmals Frauen, die ihren Job verlieren. Die Einschränkungen werden größtenteils auf den Schultern von Frauen und Kindern ausgetragen. Immerhin wird diese Problematik jetzt groß thematisiert.

Dieser Umstand führte auch zu Ihrer Idee einer besonderen Ausstellung in Baunatal. Wir von der Stadt und dem Stadtmarketing Baunatal möchten in den Schaufenstern Kunst zeigen, die sich mit den Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Zeiten von Corona beschäftigt. Verschiedene Einzelhändler stellen ab dem 1. Juli ihre Schaufenster in der Innenstadt zur Verfügung und es soll auch einen Online-Katalog dazu geben. Regionale Künstler können sich bis zum 10. Juni mit ihren Arbeiten bewerben, die Abgabe ist bis zum 15. Juni möglich. Wir hoffen, dass wir bis zum Ende der Ausstellung am 9. August eine Finissage planen können.

Was soll die Ausstellung zeigen? Gerade jetzt kommt zum Vorschein, wie wichtig die Jobs von Frauen sind, um unsere Gesellschaft am Laufen zu halten – dennoch werden ihre Leistungen zu gering bewertet. Auf der beruflichen Ebene haben wir es nach wie vor schwerer. Eine im Beruf erfolgreiche Mutter ist immer noch nicht so anerkannt, wie sie es sollte. Da herrscht noch zu oft der Rabenmutter-Gedanke. Und ist eine Führungsposition als Teilzeitstelle denkbar? In Baunatal ist das Kita-System zum Beispiel sehr gut ausgebaut, doch gesamtgesellschaftlich ist es eben leider häufig nicht so. Die Ausstellung soll einen Blick auf die derzeitige Situation von Frauen in Corona und auf die möglichen Schwierigkeiten oder aber Chancen für Frauen danach werfen.

EXTRA INFO: Die Ausstellung

Kann Corona als Chance gesehen werden, damit die Leistungen von Frauen höhere Anerkennung bekommen? Die Veranstalter laden Kunstschaffende ein, sich mit Bildern, Fotografien, Collagen, Skulpturen, Zeichnungen und Texten zu dem Thema zu beteiligen. Bewerbung bis 10. Juni. Mehr Infos dazu hier.

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