„Dieses Elend – und das mitten in Europa“

Foto: privat
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Liebenau. Die Landwirte Ottmar Rudert und Günter Rüdenklau waren mit vielen Spenden in Rumänien-Moldawien und erlebten die krasse Armut in der EU.

Liebenau. "Mein Gott, wenn man sich vorstellt, dass das Land eigentlich zur EU gehört!" Die Landwirte Ottmar Rudert aus Ostheim und Günter Rüdenklau aus Westuffeln sind auch Tage nach ihrer Rückkehr aus dem rumänisch-ukrainisch-moldawischen Länderdreieck sichtlich geschockt. Dabei haben sie in den vergangenen Jahren schon mehrere Hilfstransporte in den Osten Europas organisiert und begleitet. Allerdings führten die immer außerhalb der EU-Grenzen. "Das wollten wir uns nicht mehr antun," erzählt Günter Rüddenklau , "all die Schikanen, Korruption, die Drohungen gerade auch seitens einiger Behördenvertreter."

Ziel des jüngsten Transportes war deshalb – nicht zuletzt dank guter Kontakte zu einer örtlichen Kirchengemeinde – die Region nördlich der rumänischen Stadt Sibiu. "Zum ersten Mal hat eigentlich alles so geklappt, wie wir das geplant hatten", berichtet Ottmar Rudert. Als mittlerweile routinierte Ostreisende stellten sie fest, dass die Hauptverkehrswege – "zumindest bis zu den Karpaten" – immer besser erschlossen werden. Doch abseits der Trassen und Städte herrscht tiefste Armut. Die Dorfstraßen gleichen Feldwegen, die Felder sind kümmerlich, die Häuser baufällig und vielfach ohne Glasfenster. Auch in Schulen oder Kindergärten fehlt oftmals das Geld für Heizmittel, so dass der Unterricht in Pullovern, Jacken und Mützen nichts außergewöhnliches ist.

Unvorstellbare Armut mitten in Europa

"Besonders schlimm ist es, auf den Dörfern die vielen ärmlich gekleideten Kinder zu sehen", so Ottmar Rudert. "Selbst bei Kälte laufen die nur mit Gummistiefeln oder Sandalen herum."

Eindrucksvoller kann man nicht bestätigt bekommen, dass die vielen Kleidungsstücke, Spielsachen, Werkzeuge und Haushaltsgeräte, die die Nordhessen alljährlich für die Hilfstransporte der beiden Landwirte spenden, hier an der richtigen Adresse ankommen. "Noch einmal ein herzliches Dankeschön allen Spendern, unseren Berufskollegen und den vielen Helfern". Gleich zwei 40-Tonner konnten in Liebenau beladen werden. In Rumänien angekommen, wurden die Sachen auf kleine Transporter umgeladen, – "anders waren einige Dörfer nicht zu erreichen" – und dann mit Hilfe von Dorfvorstehern und vor allem mit Unterstützung des Pfarres der Kirchengemeinde an die Bedürftigsten verteilt.

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