Energischer Widerspruch

Schwalm-Eder. Sehr geehrter Herr Schmidtkunz,ich habe mit groem Interesse Ihren Kommentar gelesen zum Thema Ehrenmter kosten Arbei

Schwalm-Eder. Sehr geehrter Herr Schmidtkunz,

ich habe mit groem Interesse Ihren Kommentar gelesen zum Thema Ehrenmter kosten Arbeit und mchte als auch ehrenamtlich Ttiger energisch widersprechen. Als ich die berschrift gelesen hatte, dachte ich im ersten Moment, der Mann hat recht, Ehrenamt macht eine Menge Arbeit. Fr die Ehrenamtlichen. Als ich den tatschlichen Tenor gelesen hatte, war ich entsetzt. Sicherlich darf und soll es keine ehrenamtliche Ttigkeit geben, wenn bestehende Arbeitspltze dadurch gefhrdet werden. Aber, wo ist dass denn tatschlich der Fall? In dem von Ihnen erwhnten Beispiel im Reisebro ja sicherlich nicht.

Im Gegenteil. Die Arbeit, die Jugendtrainer beim Fussball, Grne Damen der Kirchen, Mitarbeiter der Tafeln und viele andere mehr leisten, ist mit Geld gar nicht zu bezahlen. Und zwar nicht mehr, sondern schon immer. Und ehrenamtliches Engagement darf weiterhin nicht nur an pekuniren Grundstzen gemessen werden, sondern an ethischen. Ehrenamt ist auch immer ein Dienst am Mitmenschen. Freiwillige Arbeit, bei der sich die Beteiligten dort einsetzen, wo sie ihre Fhigkeiten oder Interessen verwirklichen knnen, ist ein Dienst sozialer Nchstenliebe, auch im christlichen Sinn. Dies vertrete ich auch und besonders als Abgeordneter im Katholikenrat der Dizese Fulda, wo ich mich als Sprecher der Arbeitsgruppe Berufs- und Arbeitswelt fr mehr Ethik in den Betrieben einsetze. Auch ehrenamtlich.

Ist denn, Ihrer Meinung nach, die Arbeit von Fussballtrainern, Tafelmitarbeitern etc. berhaupt zu finanzieren? Entschuldigung, aber der Staat kann und soll auch gar nicht fr alles verantwortlich sein. Und, sehen wir es doch realistisch: Wenn es die groe Schar der Ehrenamtlich nicht geben wrde, dann wrden diese Ttigkeiten berhaupt nicht erledigt werden. Von Niemandem! Und zustzlich zum Fehlen der Trainer, Betreuer und Freizeitpolitiker wrde dies eine soziale Klte hervorrufen, die ich fr abscheulich halte. Ihre Behauptung, dass ehrenamtliche Arbeit Arbeitspltze vernichtet, halte ich daher fr hanebchend und unangemessen. Und: was spricht denn dagegen, dass Menschen etwas tun, weil sie es gerne tun? Gezwungen wird keiner und bin froh ber jeden, der nicht nur in der Bude hockt, sein Geld zhlt und fr andere Menschen kein Interesse hat.

Wenn zum Beispiel Vertreter von Vereinen und Politik einmal im Jahr ehrenamtlich am Umwelttag die Gemeinde subern, werden dann Arbeitspltze gestrichen? Im Gegenteil! Da ein solcher Umwelttag nicht mehr als eine Geste und ein vorbergehende Besserung bringen kann, ist doch die Einsicht in die Notwendigkeit der Existenz von Bauhofmitarbeitern erst erlebbar. Und es gibt durchaus Stimmen, die Bauhfe schlieen mchten und die Aufgaben an Private vergeben. An diesem kleinen Beispiel sehen Sie, dass eher das Gegenteil von Arbeitsplatzabbau durch ehrenamtliche Arbeit erreicht wird. Sehen Sie mir diese deutlichen Worte nach, aber ich lade Sie gerne einmal zu ehrenamtlicher Arbeit ein, damit Sie erleben knnen, mit welchem Herzblut und Zeit- sowie auch persnlichem und finanziellem Aufwand Dienst am Mitmenschen geleistet wird. Und gerade Letzteres ist ein Aspekt, der gerne vergessen wird. Nicht nur, dass Ehrenamtliche dem Staat eine Menge Geld sparen, sie bringen auch noch eine Stange Geld mit. Manche mehr, manche weniger.

Lassen Sie mich noch etwas zu Ihrer Frage sagen, mit welchem Recht der Staat immer mehr Ehrenamt einfordert. Mit gutem Recht. Abgesehen von der Frage, ob Arbeitspltze bedroht werden oder nicht, mssen wir doch konstatieren, dass unser Staat pleite ist. Nicht erst seit der Wirtschaftskrise gehen die Einnahmen durch Lohn- und Einkommenssteuer sowie Gewerbesteuer zurck. Und wenn Sie sich die Haushalte, besonders der Kommunen, einmal ansehen, werden Sie feststellen, dass fast berall die einzige Einsparmglichkeit bei den freiwilligen sozialen Leistungen liegt. Warum werden denn Schwimmbder und KiTa`s geschlossen? Sicher nicht, weil die Verantwortlichen das so klasse finden. Das ist die Realitt. Aber wie gesagt, wo sind denn wirklich gravierende berschneidungen von Ehrenamt und Arbeit zu verzeichnen? Abschlieend festgestellt muss ich sagen, dass Ihre Thesen das gesellschaftliche Miteinander, den Einsatz fr Mitmenschen und Freude am Umgang mit Anderen nicht frdern, sondern dazu fhren, dass sich Ehrenamtliche ja eigentlich schmen mssten, wenn sie ihre freiwillige Arbeit machen. Das kann es nicht sein.

Ob es in dem konkreten Fall angemessen ist, den Landesehrebrief zurckzugeben, muss die betroffene Person mit sich ausmachen. Auch ich kenne Personen, die mir angedroht haben, die Freundschat zu kndigen, wenn ich ihnen den Landesehrenbrief angedeihen lassen mchte. Das liegt daran, dass die Voraussetzungen nicht sehr hoch sind und diese Auszeichnung sehr oft vergeben wird. Ich habe dazu eine andere Einstellung. Der Landesehrebrief dient nicht als Urkunde, die man sich an die Wand hngt, sondern ist meist Ausdrucksmittel von langjhrigen Weggefhrten der Geehrten, um ihre Wertschtzung fr die Person und die von ihr geleistete Arbeit zum Ausdruck zu bringen. Wer den Landesehrenbrief zurckgibt, stt m. E. diese Menschen vor den Kopf. Aus einem solchen Verhalten jedoch grundlegende Aussagen wie Ihre abzuleiten, halte ich aus den genannten Grnden fr nicht richtig, aber auch fr besonders bedauernswert, weil sie meiner Meinung nach von Unkenntnis ehrenamtlichen Engagements zeugen.

Mit freundlichen Gren,

Martin Graefe

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