Geplante Oberweserpipeline ist keine Lösung

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Seit Bekanntwerden der Pläne protestiert man im Altkreis Hofgeismar gegen die projektierte Oberweserpipeline.

Seit Ende August gibt es einen Produktionsstillstand im Osthessischen Klairevier bei der K+S, da der Entsorgungsweg Werra zu wenig Wasser führt. Trotzdem hält die Firma an der geplanten Oberweserpipeline fest.

Landkreis. Ende August musste die K+S Gruppe erneut einen Produktionsstillstand im Osthessischen Klairevier „auf unbestimmte Zeit“ verkünden, weil die Werra als Entsorgungsweg ausfällt. Die sommerliche Wasserführung ist nicht mehr ausreichend, um die anfallenden Salzabwässer aufzunehmen. Derzeit sind aus diesem Anlass 400 Mitarbeiter witterungsabhängig auf unbestimmte Zeit sozusagen im Zwangsurlaub, die finanziellen Verluste sollen nach Firmenangaben rund 1,5 Mio. Euro werktäglich betragen. Bereits im Sommer 2017 kam es zu einem Produktionsstillstand aus gleichem Grund, der Produktionsausfall hielt damals drei Wochen an.

Tjark Bartels, Landrat von Hameln-Pyrmont und Vorsitzender des Hamelner Bündnisses e.V. sorgt sich um die betroffenen Mitarbeiter, hält diese Probleme in der Kaliindustrie aber überwiegend für hausgemacht: „Es liegt ja nicht am Sommer, dass nicht weiterproduziert werden kann, sondern am Fehlen einer wirksamen und vor allen Dingen auch zeitgemäßen Entsorgungsstrategie des Bergbauunternehmens. Der Klimawandel hat sich jahrelang angekündigt, wer sich trotzdem unbeirrt auf Flüsse als eine unverzichtbare Entsorgungseinrichtung ausrichtet, sei absolut schlecht beraten, wie sich auch wieder in diesem Jahr zeige“.

Und selbst in dieser Situation halte die Firma geradezu stoisch an ihren Planung für die Oberweserpipeline fest, die die ungelösten Probleme von der Werra nur an die Oberweser verlagere. Schon sei aber auch der Schiffsverkehr in der Oberweser aufgrund zu niedriger Pegelstände eingestellt, der Edersee als Stütze für den Wasserstand der Weser fallt auch in diesem Jahr wieder aus.

Und genau diese sensible Oberweser will das Bergbauunternehmen ersatzweise zur Einleitung ihrer Salzabwässer benutzen. Auf Höhe von Bad Karlshafen habe die Lokalpresse derzeit einen Wasserstand von nur 56 cm gemessen, aber der Wasserstand wird noch weiter fallen, sobald der Zufluss aus dem Edersee versiegt. In diesem Zusammenhang wäre die Oberweserpipeline kein Befreiungsschlag für die heimische Kaliproduktion, sondern eine glatte Fehlentscheidung, die von der K+S Gruppe schon im eigenen Interesse revidiert werden müsse.

Bernd Kleibl, Ausschussvorsitzender im Bündnis ergänzt, dass sich Städte und Gemeinden planerisch u.a. auf lange sommerliche Hitze- und Dürreperioden als Teil des Klimawandels einstellen. Ziel sei, das Leben der Bürgerschaft nicht nur bei häufigeren Extremwetterlagen zu sichern, sondern auch bei Hitze und Dürre weiterhin angenehm zu gestalten.

Die gleiche konzeptionelle Anforderung gelte natürlich auch für die Industrie, so müsse auch K+S endlich Abschied davon nehmen, die produktionsbedingte salzige Abwasserflut einfach in Werra oder – wie geplant – in die Weser zu pumpen. „Vielleicht werden wir das Weserwasser zukünftig noch dringend brauchen, um unsere Felder zu bewässern. Im Klimawandel hätten jedenfalls nur Technologien eine Berechtigung und damit Zukunft, die weitgehend unabhängig auch von Extremwetterverhältnissen eine ungestörte Produktion sicherstellen“. Salzabwasser in Süßwasser zu kippen, sei jedenfalls nicht mehr Stand der Diskussion.

Tjark Bartels regt an, in der Firmenleitung die nunmehr wiederholt aufgezwungene Produktionunterbrechung wegen biedriger Wasserführung zu nutzen, um alte Zöpfe abzuschneiden. Die Oberweserpipeline sei so ein alter Zopf, der keine Berechtigung mehr habe.

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