Ein Herz für den maskierten Feind

Von KRISTINA BRUTIGAMZierenberg. Ein grau-schwarzes Hufchen Elend ist Marti, als sie Ende Mai zu den Krgers kommt. Nachbarskinder ha

Von KRISTINA BRUTIGAM

Zierenberg. Ein grau-schwarzes Hufchen Elend ist Marti, als sie Ende Mai zu den Krgers kommt. Nachbarskinder haben das abgemagerte und schreiende Waschtierbaby auf der Strae gefunden. Den pelzigen Winzling einfach liegen zu lassen, bringt Ludmilla Krger nicht bers Herz: Ich kann kein Tier einfach sterben lassen.

Gemeinsam mit ihrem Mann Werner beschliet sie, das Waschbrenbaby aufzupppeln. Vier Wochen lang bekommt Waschbrmdchen Marti Katzenmilch aus dem Flschchen, wird beim Tierazt entwurmt und schlft im Katzenkrbchen. Schon bald ist das pelzige Sorgenkind putzmunter, dreht mit seinen geschickten Hnden Wasserhhne auf, schwimmt im Teich und weicht Ludmilla Krger bei Gartenarbeiten nicht von der Seite. Man gewhnt sich schnell an ein Tier, erinnert sich die 43-Jhrige. Trotzdem steht fr die Krgers fest: Marti soll ausgewildert werden. Ein Waschbr ist kein Haustier, das man erziehen kann, sondern ein Wildtier, das in die Natur gehrt.

Das Experiment gelingt. Im Wald, der an das Grundstck der Krgers in einem Zierenberger Ortsteil grenzt, wird Marti heimisch. Seine Zieheltern hat der Waschbr trotzdem nicht vergessen. Regelmig besucht Marti mittlerweile winterfeste sechs Kilo schwer die Krgers und holt sich ein Leckerli ab. Besonders beliebt: Walnsse und Ahle Wurscht. Wohl ein Mix aus amerikanischen Vorfahren und nordhessischen Genen, lacht die gebrtige Russin. Bleibt Marti lnger als eine Woche weg, wird Ludmilla Krger unruhig. Ich mache mir dann immer Sorgen, dass sie in einer Falle sitzt.

Die Angst ist nicht begrndet: Die durchschnittliche Lebenserwartung von Waschbren in freier Wildbahn liegt bei zwei Jahren in Gefangenschaft sind es 20 Jahre. Die meisten Waschbren werden berfahren oder sterben duch die Jagd. Denn Waschbren gelten in Nordhessen als Plage. Ich kann verstehen, dass sich Menschen ber Schden und aufgerissene Gelbe Scke rgern, so Ludmilla Krger. Statt die Waschbren zu diskriminieren sollten die Menschen ihnen ohne Vorurteile begegnen. Der Waschbr gehrt zu unserer Region, das sollten wir akzeptieren, so die 43-Jhrige. Seit 25 Jahren sind die Krgers auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt dabei. Noch bis zum 23. Dezember verkaufen sie in ihren zwei Stnden auf dem Knigsplatz Honigsorten, Kerzen und Met aus eigener Herstellung. Ob Marti seinen Zieheltern Heiligabend einen Besuch abstattet, entscheidet der Wetterbericht. Waschbren mgen keinen Schnee, wei Ludmilla Krger. Und hofft zum ersten Mal, dass es keine weie Weihnacht gibt.

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