Immer mehr Renten-Jobber im Kreis

Von HELMUT KRMLERLandkreis. Rentner im Un-Ruhestand: Im Kreis Kassel mssen immer mehr Rentner arbeiten. Sie sind zum Jobben gezwunge

Von HELMUT KRMLER

Landkreis. Rentner im Un-Ruhestand: Im Kreis Kassel mssen immer mehr Rentner arbeiten. Sie sind zum Jobben gezwungen, weil ihre Rente nicht reicht. Darauf haben die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststtten (NGG) aufmerksam gemacht. Sie sprechen von einer alarmierenden Entwicklung und nennen Fakten: In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Rentner mit Mini-Jobs im Kreis Kassel um rund 30 Prozent zugenommen. Schon 2003 verdienten 1.331 Rentner durch eine geringfgige Beschftigung dazu. Vier Jahre spter gab es bereits 1.736 Renten-Jobber und damit rund 410 Senioren-Arbeiter mehr. Die Gewerkschaften berufen sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur fr Arbeit.

Zahlen, die Silke Sennhenn, Sprecherin der Bundesagentur fr Arbeit Kassel, besttigt. Nimmt man den Stichtag 30. Juni 2003 und vergleicht ihn mit dem 30. Juni 2007 so ist im Landkreis eine Steigerung von 405 Personen festzustellen. In der Stadt Kassel stieg die Zahl der geringfgig entlohnt Beschftigten ber 65 im selben Zeitraum von 1284 auf 1653. Nicht differenziert werden kann allerdings in Stadt und Land, ob der Beschftigte bereits Rentner ist. Silke Sennhenn: Hufig findet der Eintritt in die Rente ja bereits vor dem 65 Lebensjahr statt. Wer als Rentner arbeitet, der macht das in der Regel nicht aus Spa. Es ist meistens die pure Not, die ltere Menschen dazu zwingt. Sie sind auf den Job neben der Rente schlichtweg angewiesen, sagt Andreas Kampmann. Der Geschftsfhrer der NGG-Region Nordhessen befrchtet, dass die Zahl der Senioren, die von ihrer Rente allein nicht mehr leben knnen, in den kommenden Jahren drastisch zunehmen werde. Wer heute schon zu wenig verdient, um ber die Runden zu kommen, fr den ist das leere Portemonnaie im Alter vorprogrammiert, so Kampmann. Die Lohnarmut von heute sei die Altersarmut von morgen.Um diese Entwicklung zu stoppen, fordern die beiden Gewerkschaften die schnelle Einfhrung eines gesetzlichen Mindestlohns von 7,50 Euro pro Stunde. Dieser msse dann jedoch rasch auf 9 Euro steigen. Nur der Mindestlohn knne knftigen Rentnern ausreichende Altersbezge sichern.

Das grte Problem dabei sind Dumpinglhne. Mit einem viel zu niedrigen Einkommen lsst sich keine existenzsichernde Rente aufbauen. Von einer privaten Altersvorsorge ganz zu schweigen, sagt Harald Fennel. Der Geschftsfhrer vom ver.di-Bezirk Nordhessen macht deutlich, dass Vollzeitbeschftigte ein Einkommen bentigten, das ihnen spter auch eine ausreichende Rente sichere.

Genau deshalb brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn, erklrt Andreas Kampmann. Auch eine Mehrheit der Bevlkerung halte einen gesetzlichen Mindestlohn fr erforderlich. Dies knne die neue schwarz-gelbe Bundesregierung nicht ignorieren.

+++ +++ +++

EXTRA INFO

DumpinglhneVer.di und NGG fordern Beschftigte mit einem Stundenlohn von unter sechs Euro auf, ihre Dumpinglhne zu melden unter:www.dumpinglohn.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Aufmerksamer Nachbar verhindert Einbruch in "Lasertag"-Halle in Helsa

Zeuge und Hallenbesitzer halten mutmaßlichen Täter bis zum Eintreffen der Polizei fest
Aufmerksamer Nachbar verhindert Einbruch in "Lasertag"-Halle in Helsa

Windkraft im Reinhardswald - Betreiber müssen Unterlagen nachbessern

Bürgerinitiativen und Verbände wollen Genehmigungsverfahren weiter fachlich begleiten.
Windkraft im Reinhardswald - Betreiber müssen Unterlagen nachbessern

Windkunstfestival „bewegter wind“ 2020

Change?!“ – Klimawandel aus der Perspektive internationaler Künstler.
Windkunstfestival „bewegter wind“ 2020

Zwei neue Kursangebote in der Musikschule Hofgeismar

Eintauchen in die spannende Welt der Noten und Musiktheorie.
Zwei neue Kursangebote in der Musikschule Hofgeismar

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.