Vom Innen zum Außen

Hofgeismar. Es ist nicht selten das Klischee, das einen Nachlass nachhaltig prgt. Theodor Rocholl beispielsweise ist weniger als Vat

Hofgeismar. Es ist nicht selten das Klischee, das einen Nachlass nachhaltig prgt. Theodor Rocholl beispielsweise ist weniger als Vater groartiger Werke mit dem Themenschwerpunkt Reinhardswald, Beberbecker Pferde, Sababurg oder als Retter des dortigen Urwalds in den Kpfen verankert, denn als Schlachtenmaler.Ein Vorurteil, dem die aktuelle Sonderausstellung in Haus I des Hofgeismarer Stadtmuseums ebenso vehement wiederspricht wie eigentlich bereits die Tatsachen. In den Balkankriegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, in denen er sich zumeist an der jeweiligen Front aufhielt, entstanden grob geschtzt 200 Werke. Davon ist lediglich eines ein Schlachtenbild und das wurde auch noch bestellt, rckt Rocholl-Kenner Helmut Burmeister die Fakten ins rechte Licht. Der Leiter des Haues, in dem in den vergangenen drei Jahrzehnten eine ansehnliche Dokumentation von Werken des Dsseldorfer Malers zusammengetragen wurde mit weit ber 500 Originalen ist die Hofgeismarer Sammlung einer der grten deutschen, in ffentlicher Hand befindlichen Bestnde, der sich einem einzelnen bekannten Knstler gewidmet hat mit seinem Team eine bemerkenswerte Prsentation zusammen gestellt.

Wider dem Klischee

Dem Schablonendenken entgegen steuernd, erlebt man mit fast ausnahmslos museumseigenen Werken, darunter viele bislang erstmals prsentierte Zeichnungen, Aquarelle und Gemlde, Theodor Rocholls als Zeuge der Balkan-Kriege, an denen er zunchst auf trkischer Seite gegen Griechenland teilnahm, spter in den Reihen albanischer Freiheitskmpfer gegen trkenfreundliche Stmme.

Mit sehr genauem Blick das Spezifische der Menschen in diesem Ausnahmezustand erfassend und geradezu meisterlich umsetzend, entstanden eindringliche Portraits. Beredte Beweise fr das Interesse des Malers am Individuum, das in einer anderen Kultur lebt und damit auch andere Auffassungen entwickelt. Das, was Rocholl in dieser Zeit schrieb, das darf man nicht immer so ernst nehmen; Das, was er malte, das ist dagegen Bleibend. Das darf man getrost ernst nehmen, bringt Burmeister diese Art der Auseinandersetzung mit Menschen auf den Punkt.

Gelebte Integration

Eine andere nicht minder intensive bietet die Begleitausstellung Farbentanz, die in Haus II einen wie Mechthild Scheld-Ast formuliert wichtigen Beitrag gelebter Integration behinderter Menschen in der Gesellschaft, konkret in Hofgeismar darstellt. Unter dem Motto Es ist nie zu spt, man muss es einfach nur tun, arbeitet Karl Bieda seit April 2008 einmal pro Woche mit einem halben Dutzend Bewohnern der Diakonie-Wohnsttten in einem Atelier, in dem sie mit Farben und Pinsel auf Leinwand und Papier experimentieren und sich ausleben knnen. Der Arbeitsverlauf ist nicht geplant, die natrliche Bildsprache individuell, erklrt der bildende Knstler, den die Freude und Spontanitt seiner Schtzlinge begeistert: Das Spiel wird zum Farbentanz, das Innen zum Auen. Wir begegnen in den Bildern Menschen, so Burmeister, die anders sind als wir, die wir uns gemeinhin als normal bezeichnen. Wer diese Bilder sieht, wird sehr schnell sehen, dass diese Grenze zwischen behindert und normal verschwimmt. fau

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