Kalter Entzug mit Gottes Hilfe

Ehemalige Drogenschtige bauen in Udenhausen eine Wohngemeinschaft auf Von HELMUT KRMLER Hofgeismar. Das Dach ist undicht, der Wind pfeift

Ehemalige Drogenschtige bauen in Udenhausen eine Wohngemeinschaft auf

Von HELMUT KRMLER

Hofgeismar. Das Dach ist undicht, der Wind pfeift durch die Fensterrahmen und auch sonst hnelt der frhere Gasthof im Udenhuser Borneweg eher einem Sanierungsfall als einem wohligen Heim. Doch fr Sergej, Peter, Victor, Arthur, Wladimir und einer Reihe weiterer junger Mnner im Alter zwischen 20 und 30 Jahren ist das Gebude viel mehr als eine Unterkunft. Hier kamen sie von ihrer langjhrigen Drogensucht weg, hier leben sie jetzt und hier schmieden sie Plne fr ihre ganz persnliche Zukunft mit Arbeit, Studium aber jeder immer auch mit Gott.

Ja wir sind eine christliche Wohngemeinschaft, besttigt Sergej Malinowski, der heute so etwas wie der Hauslteste im Borneweg ist und selbst auf eine langjhrige Suchtkarriere zurckblicken kann. Ich habe mit 16 Jahren in Kaliningrad angefangen, Drogen zu nehmen. Als er 1997 mit seiner Familie nach Deutschland kam, wurde er gleich in ein Methadonprogramm gesteckt. Insgesamt habe ich 40 Entgiftungen mitgemacht. Drei Dinge brachten Sergej 2004 zur Umkehr: Sein kleiner Sohn, seine Mutter Es wre besser, Du stirbst, dann werde ich nur einmal weinen und die russische Pastorin Natalja Potopajewa, die in Kiew als erweckte Christin unter anderem ein Entzugsprogramm mit Gottes Hilfe ins Leben gerufen hatte. Diese Botschaft Gottes verkndet sie mittlerweile auch in Deutschland, die Wohngemeinschaft in Udenhausen ist ein Ableger der Potopajewa-Gemeinde in Kassel. Ich wei nicht, wie es passiert ist, aber ich denke Gott hat mir geholfen, versucht Sergej seinen radikalen Lebenswandel zu erklren.

hnlich erstaunt betrachten auch die anderen Mitglieder der Wohngemeinschaft ihre neue Lebenssituation. Peter aus Kassel zum Beispiel, der seit fnf Monaten in Udenhausen lebt: 1998 begann meine Drogenlaufbahn mit allem, was dazu gehrt. In diesem Frhjahr, als es mir so richtig dreckig ging, habe ich einen Ex-Kumpel getroffen, der pltzlich clean war und mir von dieser WG erzhlte. Das musste ich einfach ausprobieren! hnlich dachten auch die anderen Jungs aus Kln, Osnabrck oder Berlin. Der 23-jhrige Alexi hrte sogar in den USA von den erstaunlichen Erfolgen des Potopajewa-Programms und setzte sich vor zwei Monaten ins Flugzeug, um nach Udenhausen zu gelangen. Dabei ist dort der Start in ein drogenfreies Leben alles andere als leicht: Die Neuen machen einen kalten Entzug durch, bekommen also   auer den persnlichen Zuwedungen der anderen keine Mittel, die ihre Qualen und Schmerzen lindern. Das klappt bei erstaunlich vielen, freut sich Sergej und erklrt dies mit dem Wunsch der Drogenabhngigen, endlich wieder normal leben zu knnen und Gottes Hilfe. Eher Zufall sei es, dass bislang nahezu alle Hilfesuchenden sogenannte Rulanddeutsche bzw. Aussiedler aus der frheren Sowjetunion seien. Das hat sich herumgesprochen. Auerdem gibt es ja keine Einrichtung in Deutschland, die sich mit den speziellen Problemen dieser Abhngigen beschftigt.

Die Tage in der Wohngemeinschaft sind klar strukturiert: viel Arbeit, viel Sport, Gruppengesprche, freiwillige Bibellesungen und jeweils ein Morgen- und Abendgebet bestimmen den Ablauf. Gekocht wird reihum, ab 23 Uhr herrscht Bettruhe.Den frheren Gasthof in Udenhausen hat die Kasseler Potopajewa-Gemeinde gekauft.Die Wohngemeinschaft finanziert sich aus Spenden, die Mitglieder mssen lediglich einen kleinen Beitrag fr Kost und Logis bezahlen. Und natrlich ins normale Leben zurckkommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

15-Jährige bei Unfall schwer verletzt: Unfallbeteiligter und Angehörige schlagen sich vor Polizeirevier

Am Montagabend kam es in Fuldatal-Rothwesten zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein Mercedesfahrer einer 15-jährigen Radfahrerin die Vorfahrt genommen haben soll.
15-Jährige bei Unfall schwer verletzt: Unfallbeteiligter und Angehörige schlagen sich vor Polizeirevier

Streit auf dem Radweg: 22-Jähriger droht mit Luftdruckwaffe - Festnahme nach Fahndung

Am gestrigen Donnerstagabend eskalierte auf einem Radweg im Bereich der Baunataler Schulze-Delitzsch-Straße ein Streit. Dabei bedrohte ein 22-Jähriger einen Mann mit …
Streit auf dem Radweg: 22-Jähriger droht mit Luftdruckwaffe - Festnahme nach Fahndung

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.