Karambolage-Atlas: So schnitten Stadt und Landkreis Kassel ab

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In der Stadt Kassel liegt die Schadenquote bei 12,7 Prozent und damit um einen Prozentpunkt höher als im Bundesdurchschnitt.

In der Region gibt es mehr Unfälle als im Bundesdurchschnitt.

Trotz des Dieselskandals, Feinstaubbelastung und teuren Sprits fahren die Bundesbürger gern und viel Auto. Aktuell zählt die Bundesrepublik allein 46,5 Millionen zugelassene Personenkraftwagen. Ebenso wie die Anzahl der Fahrzeuge nimmt auch die Menge der Blechschäden jedes Jahr zu, die Zahl der Personenschäden hat zuletzt glücklicherweise abgenommen. Dies spiegelt auch der Karambolage-Atlas 2018 der Generali in Deutschland wider, in dem Daten aus über 700.000 Schadenfälle aus den Jahren 2017 und 2015 ausgewertet wurden. „Die wichtigste Erkenntnis unserer Untersuchung: Dank verbesserter Technik und vieler Sicherheitssysteme werden nur bei weniger als 4 Prozent aller Schäden Menschen verletzt“, sagt Roland Stoffels, Vorsitzender der Geschäftsführung der Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH. Obwohl nur bei 3,9 Prozent aller Unfälle ein Mensch verletzt wird, sind diese Situationen für knapp ein Drittel aller Kosten verantwortlich: 2017 wurden rund 300 Mio. Euro für die Versorgung von Unfallopfern im Straßenverkehr gezahlt. Stoffels sieht jedoch nicht nur Positives: „Unser Karambolage-Atlas zeigt auch, dass es trotz zahlloser technischer Helferlein im Auto erstaunlich oft auf deutschen Straßen kracht und knirscht.“ 2017 hatte mehr als jeder neunte Fahrzeughalter einen Kfz-Schaden, die Kosten lagen durchschnittlich bei 2.300 Euro pro Schaden.

Sommerzeit ist Unfallzeit

Überraschend: Die meisten Schäden geschehen jedoch nicht im Winter, sondern finden in den Sommermonaten von Mai bis August statt. „Für die Verteilung der Schadenfälle mag es vielschichtige Gründe geben. Wir gehen davon aus, dass die meisten Fahrer in den kalten und dunklen Monaten eher vorsichtig unterwegs sind. In den wärmeren Monaten scheint es auf Deutschlands Straßen – möglicherweise bedingt durch die Ferien und die Motorradsaison – hektischer zuzugehen“, erklärt Stoffels.

Mercedes und BMW: Klischee bestätigt

Fahrern der Premium-Marken wird oft vorgeworfen, besonders unvorsichtig zu fahren. Der Karambolage-Atlas bestätigt nun: Autos keiner anderen Marke verursachen mehr Haftpflicht-Schäden als die Edel-Hersteller aus Stuttgart (Mercedes-Benz: 5,4 Haftpflicht-Schäden pro Jahr je 100 Versicherte) und München (BMW: 5,2 Haftpflicht-Schäden). Scheinbar vorsichtiger sind dagegen offenbar Fahrer von Fiat und Skoda unterwegs, deren Haftpflicht- Schadenhäufigkeit nur bei 4,6 Prozent liegt. Untersucht wurden hierbei jedoch nur die zehn häufigsten Automarken Deutschlands. Tendenziell geht mehr Leistung auch mit einer höheren Schadenhäufigkeit einher: Schwach motorisierte Autos mit maximal 75 PS kommen lediglich auf eine Schadenhäufigkeit von 6 Prozent. Dagegen kommen Fahrzeuge mit 250 bis 300 Pferdestärken auf 19,9 Prozent.

Was ist dran? Frauen, Männer, Sonntagsfahrer

Geht es um Unfälle, wird schnell auch darüber diskutiert, ob nun Männer oder Frauen besser Auto fahren. Der Karambolage-Atlas zeigt jedoch: Die Schadenhäufigkeit der Geschlechter unterscheidet sich nur geringfügig (männliche Versicherungsnehmer 11,4 Prozent; weibliche Versicherungsnehmer 12,5 Prozent). Mit den Ergebnissen des Atlas kann auch mit dem Vorurteil der Sonntagsfahrer aufgeräumt werden: Unter der Woche ist das Schadenrisiko am Donnerstag mit 16,7 Prozent und Freitag 16,6 Prozent am höchsten – vermutlich, weil die meisten Autofahrer am Ende der Arbeitswoche schnell nach Hause möchten. Am Sonntag hingegen verringert sich die Anzahl der Schadenfälle und liegt bei lediglich 8,3 Prozent.

Karambolage-Hauptstädte Berlin und Hamburg

Grundsätzlich gilt: Je mehr Menschen auf engem Raum leben, desto höher liegt die Schadenhäufigkeit. Durchschnittlich liegt sie in Deutschland bei 11,7 Prozent. Klar darüber liegt das Bundesland Berlin mit einem Wert von 15,5 Prozent, dicht gefolgt von den Stadtstaaten Hamburg (15,4 Prozent) und Bremen (13,5 Prozent). Weniger Sorgen um Unfälle müssen sich hingegen die Einwohner von norddeutschen Flächenländern machen. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg liegt die Schadenhäufigkeit nur bei 10,8 Prozent.

Stadt und Landkreis im direkten Vergleich

Zum Vergleich: In der Stadt Kassel liegt die Quote bei 12,7 Prozent, hier verzeichnet man aber mehr Schäden als der Landkreis Kassel (12 Prozent) und der Kreis Göttingen (10,7 Prozent). Besonders auffällig: Ein Schaden kostet die Menschen im Landkreis Kassel im Schnitt 2.001 Euro. In der Stadt Kassel müssen hingegen knapp 870 Euro mehr, nämlich 2.869 Euro in die Hand genommen werden. Sowohl bei den Haftpflicht- als auch bei den Kaskoschäden liegen in Kassel die Frauen vorn (7,3 Prozent und 9,2 Prozent). Die Männer sind etwas bedächtiger unterwegs und sind bei beiden Schadensarten weniger stark vertreten (6 Prozent und 7,8 Prozent. Sowohl in Stadt als auch im Landkreis Kassel liegen Haftpflicht- und Glasschäden in unterschiedlichen Prozentzahlen an der Spitze der Schadensfälle. Markante Unterschiede bestehen bei Wild- und Elementarschäden, hier weist der Landkreis deutlich höhere Zahlen auf.

Landkreis Kassel

Schadenhäufigkeit nach Automarken  Haftpflicht: 6,70% Fiat 6,30% BMW 6,10% Renault 5,80% Opel 4,90% Skoda Kasko: 16,70% Audi 14,40% BMW 13,00% Skoda 12,30% VW 11,30% Opel

Schadenhäufigkeit nach Geschlecht Haftpflicht: 4,40% weiblich, 4,30% männlich Kasko: 10,60% weiblich, 9,80% männlich

Prozentualer Anteil an allen Schäden im Landkreis 32,20% Sachschaden (Haftpflicht) 27,60% Glas-Schaden 17,10% Sonstige (Vandalismus, Brand etc.) 11,10% Wildunfall 7,30% Elementarschaden (Sturm, Hagel etc.) 3,80% Personenschaden (Haftpflicht) 0,80% Diebstahl

Stadt Kassel

Schadenhäufigkeit nach Automarken Haftpflicht: 8,80% BMW 8,70% Renault 8,50% Mercedes 7,80% Fiat 7,50% Opel Kasko: 15,30% Audi 12,40% Skoda 10,90% Mercedes 10,80% BMW 10,00% VW

Schadenhäufigkeit nach Geschlecht: Haftpflicht: 7,30% weiblich, 6,00% männlich Kasko: 9,20% weiblich, 7,80% männlich

Prozentualer Anteil an allen Schäden in der Stadt 46,00% Sachschaden (Haftpflicht) 23,30% Glas-Schaden 18,20% Sonstige (Vandalismus, Brand etc.) 3,30% Wildunfall 3,10% Elementarschaden (Sturm, Hagel etc.) 4,50% Personenschaden (Haftpflicht) 1,70% Diebstahl

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