Kasseler mit 74 Jahren im Unruhestand in Vietnam

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Gerold Montag hilft in Vietnam beim Aufbau der dualen Handwerksausbildung
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Gerold Montag hilft in Vietnam beim Aufbau der dualen Handwerksausbildung

Gerold Montag hilft dort beim Aufbau der dualen Handwerksausbildung

Kassel. Wer mit einer deutschen Handwerksausbildung im Ausland arbeiten will, muss nicht lange nach einem Job suchen. „Handwerker aus Deutschland gelten überall auf der Welt als top ausgebildet und zuverlässig“, sagt Gerold Montag. Und dabei spricht der Elektromeister aus eigener Erfahrung. Er hatte sich auf eine Stellenanzeige hin beworben und den Zuschlag bekommen. Allerdings nicht, um im Ausland - in diesem Fall in Vietnam - seine berufliche Karriere fortzusetzen, sondern um dort jungen Menschen dabei zu helfen, überhaupt erst eine beginnen zu können.

„Karriere fortsetzen, das wäre in meinem Alter wohl nicht mehr angebracht“, schmunzelt Gerold Montag, blickt er doch auf stolze 74 Lebensjahre zurück. Wie kommt man dazu, sich in einem Alter, in dem andere Kollegen längst den verdienten Ruhestand genießen, auf eine Stellenanzeige zu reagieren? „Ich genieße eben den Unruhestand“, betont der Elektromeister, der nach wie vor aktives Mitglied im Gesellenprüfungsausschuß der Kreishandwerkerschschaft bzw. der Elektro-Innung Kassel ist. „Gesucht werden zwei agile, Prüfungsausschuss-erfahrene Meister“, so stand es sinngemäß in der Stellenbeschreibung, die Gerold Montags Interesse weckte. Annonciert hatte sie die Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement GmbH „gpdm“ in Paderborn. Die ist von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit „GIZ“ beauftragt worden, das duale Ausbildungssystem in den Berufsschulen in Vietnam gemäß den deutschen Anforderungen und Standards zu entwickeln. „Warum nicht mal Vietnam“, musste Gerold Montag nicht lange überlegen und reichte seine Bewerbung ein. Ebenso wie Peter Pfaffe, Sanitär-, Heizung-, Klimatechnik - Meister, ebenfalls noch aktives Mitglied im SHK Prüfungsausschuß aber ansonsten sein Rentnerdasein auf Wohnmobiltouren genießend. „Nach Abgabe unserer Lebensläufe, persönliches Kennenlernen mit den ‚gpdm‘ Geschäftsführern Markus Kamann und Dennis Thoms im Innungsbüro am Kasseler Karlsplatz sowie vorausgegangener Video-Liveschaltungen mit den in Vietnam tätigen Entwicklungshelfern von GIZ, erhielten wir, die zwei aus Kassel kommenden ‚Ruheständler‘ die Zusage für den Workshop Vietnam“, erzählt der Elektro-Meister.

Ziel des Workshops und der Vietnam-Exkursion war und ist es, „unser seit Jahren bewährtes Ausbildungssystem für die Berufsgruppen ,Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik‘ und ,Anlagenmechaniker für Sanitär/Heizung/Klima‘ in den Berufsschulen und Betrieben in Vietnam einzuführen. Nach dem Zusage stürzten sich die beiden Unruheständler in die Aufgaben: wochenlange Vorarbeiten zu Hause waren erforderlich, um die für Vietnam verständlichen Modulbausteine zu entwickeln und zu formulieren. Mit den entsprechenden Ausarbeitungen in der Tasche reisten Gerold Montag, Thomas Pfaffe und gpdm-Geschäftsführer Dennis Thoms dann die Reise nach Ho-Chi-Minh-Stadt (ehemals Saigon). Vor Ort wurden sie in den kommenden zwei Wochen jeweils vom GIZ-Fahrdienst zu ihren Verhandlungspartnern in eine neu errichtete Berufsschule in Dong Nai, sowie zu einigen größeren Unternehmen und zu Großbaustellen gefahren.

Keine Urlaubstour 

„Urlaub war das bestimmt nicht“, unterstreicht der 74-Jährige. „Wir sind morgens im Hotel abgeholt worden und waren abends gegen 20 Uhr wieder dort. Das einzige, was ich von der Stadt gesehen habe, waren die Ansichten aus dem Autofenster“.Ihren vietnamesischen Gesprächspartnern stellten die beiden Nordhessen ausführlich das deutsche bewährte duale Ausbildungssystem und die Prüfungssystematik vor. „Das dauerte natürlich, alles musste von Dolmetschen übersetzt werden, was gerade bei spezifischen Fachbegriffen zu einer Herausforderung wurde“, so Gerold Montag und erzählt: „Die Verantwortlichen dort sind von unserem Handwerkssystem so angetan, dass sie das - mit deutscher Unterstützung - Mitte des Jahres 2020 übernehmen werden und danach gelehrt und gearbeitet werden soll“. Genau wie in Deutschland wird die Elektro- und SHK-Berufsausbildung in Bausteine zerlegt, nach 18 Monaten gibt es eine Zwischen- und nach drei Jahren die Abschlussprüfung. Gerold Montag: „Auf eine dreieinhalbjährige Ausbildungszeit - wie bei uns - konnte man sich in Vietnam nicht verständigen, die Industrie will möglichst schnell qualifizierte Fachkräfte haben“.Den Abschluss der Exkusion bildete eine feierliche Veranstaltung des vietnamesischen Ministeriums für Arbeit, Kriegsunfälle und Soziales, zu der eigens hochkarätige Regierungsvertreter aus Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt reisten.

Prüfer beim ersten Abschluss

Einen ganz persönlichen Dank gab es dann noch für Gerold Montag und Thomas Pfaffe: Sie sollen - wenn in zwei, drei Jahren die ersten vietnamesischen Absolventen ihren Abschluss anstreben - im dortigen Ausschuss die Prüfung mit abnehmen. „Klar, bin ich dabei“, strahlt Gerold Montag.

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