Kritik an Asylunterkünften ungerechtfertigt

Als „realitätsfern“ bezeichnet Vizelandrätin Susanne Selbert die Kritik an der geplanten Gemeinschaftsunterunft in Fuldatal-Rothwesten.

Kreis Kassel. Als "realitätsfern" bezeichnet Vizelandrätin Susanne Selbert die Kritik der Gruppe "Change International" an der geplanten Nutzung eines ehemaligen Kasernengebäudes in Fuldatal-Rothwesten für eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Selbert: "Uns werden zurzeit vom Land Hessen jede Woche bis zu 40 neue Asylbewerber zugewiesen – da müssen wir auch über größere Gemeinschaftsunterkünfte nachdenken". Auch in größeren Unterkünften könne sehr gut auf die Bedürfnisse der Asylbewerber eingegangen werden. Deshalb sei die Wortwahl des Sprechers von "Change International" auch problematisch. "Wer dauernd von "Lagern" redet, war augenscheinlich noch nie in den von uns betriebenen Gemeinschaftsunterkünften und hat auch ansonsten keinen Überblick über die aktuelle Unterbringungssituation von Asylbewerbern in Deutschland", stellt Selbert fest.

Die von der Gruppe geforderte dezentrale Unterbringung sei im Landkreis Kassel längst Praxis. Aktuell betreibt der Landkreis zehn Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis – im Februar und im März kommen zwei weitere hinzu. "Bis auf die Pommernanlage in Wolfhagen mit bis zu 300 Plätzen für Asylbewerber bieten alle diese Gemeinschaftsunterkünfte nur Platz für bis zu 50 Menschen", informiert Selbert.

Ohne größere Gemeinschaftsunterkünfte sei aber die Herausforderung der Unterbringung der Asylbewerber und  Flüchtlinge "nicht zu schultern". Selbert: "Change International kann sich gern unsere Unterkunft in der Pommernanlage anschauen und dann nochmal neu bewerten, ob auch größere Gemeinschaftsunterkünfte eine sehr gute neue Heimat auch für traumatisierte Asylbewerber sein können".

Vollkommen unberücksichtigt lasse "Change International" den Ansatz des Kreises, möglichst viele Asylbewerber in privat angemieteten Wohnraum unterzubringen. "Aktuell wohnen rund 40 Prozent der Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, in Wohnungen", informiert Jörg Roßberg, Leiter des Fachbereichs Soziales des Landkreises Kassel, der für die Unterbringung und Betreuung der Asylbewerber zuständig ist. In der Kreisverwaltung kümmere sich eine Vollzeitkraft um die Gewinnung von Wohnungen und "die Bereitschaft der Vermieter uns zu helfen, ist sehr groß", so Roßberg weiter.

Ohne Gemeinschaftsunterkünfte werde es allerdings auch in Zukunft nicht gehen, da die neu zugewiesenen Asylbewerber erst einmal einen Platz zur Eingewöhnung mit intensiver Betreuung benötigen. Dazu gehören der Erwerb von Grundkenntnissen der deutschen Sprache, die soziale und medizinische Betreuung, die Integration von  Kindern in Schulen und Kindertagesstätten und auch die Möglichkeit, erste Freundschaften zu schließen. "All das leisten wir in den von uns betriebenen  Gemeinschaftsunterkünften mit Hilfe der vielen ehrenamtlichen Unterstützer und werden dies auch in Rothwesten tun", bekräftigt Selbert. An die Aktiven von "Change International" appellieren Vizelandrätin und Fachbereichsleiter, sich mehr in die vorhandenen Unterstützerkreise der Gemeinschaftsunterkünfte einzubringen und so "wie so viele andere Menschen im Landkreis den Asylbewerbern bei den wirklich wichtigen Problemen zu helfen".

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