Ländlicher Raum hinkt hinterher: Nachfolgeprobleme bei Pensionen in Nordhessen

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Beim Jahrestreffen Tourismus: (v. li.) Ulrich Spengler (stellv. Hauptgeschäftsführer IHK Kassel-Marburg), Markus Mannsbarth (Bürgermeister Hofgeismar), Anna Homm (Geschäftsführerin DEHOGA Nord-Osthessen), Ute Schulte (Leiterin GrimmHeimat NordHessen), Holger Schach (Geschäftsführer Regionalmanagement Nordhessen) und Herwig Leuk (Vizepräsident DEHOGA Hessen).

Einst waren Nordhessens kleine Pensionen der Grundstock für den touristischen Erfolg der Region. Die Zeiten sind vorbei. Immer mehr kleine Häuser finden keine Nachfolger. Mehr Hotels müssen her, meint Regionalmanger Holger Schach.

Hofgeismar. Rekordbeteiligung am Jahrestreffen Tourismus in der Hofgeismarer Stadthalle, die demnächst abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt werden soll. 250 Touristiker und Bürgermeister zeigten sich begeistert über die Zahlen des Jahres 2018. lokalo24 sprach mit Regionalmanager Holger Schach.

lokalo24: 2018 war ein Jahr ohne documenta. Wie stark waren die Einbrüche?

Holger Schach: So gering wie noch nie. Insgesamt hatten wir 3,3 Prozent weniger. Das heißt: Wir kommen nicht ganz an das Rekordjahr mit zehn Millionen Übernachtungen heran. Darin sind auch die Übernachtungen in Pensionen enthalten. Dazu kommen 48,5 Millionen Tagestouristen. Insgesamt erzielten wir im Bereich Tourismus 2,9 Milliarden Euro Umsatz. Davon profitierte der Einzelhandel mit 30 Prozent, der Bereich Dienstleistungen mit 23 Prozent. 215 Millionen Euro Steuern wurden bezahlt.

Wie viele Arbeitsplätze gibt es in dem Bereich? 2018 waren es 47.700 Vollzeitarbeitsplätze. Im ländlichen Bereich gibt es kaum Hotels, sondern mehr Pensionen. Was ist da los?

Nordhessen war immer kleinteilig organisiert. Das heißt: Es gab immer mehr Pensionen als Hotels. Gerade in den kleineren Häusern haben wir eine große Nachfolgeproblematik. In vielen Fällen wollen die Kinder die Pension nicht übernehmen. Das würde die ländlichen Bereiche noch mehr ausdünnen.

Wie soll dagegengesteuert werden?

Ich mache das mal am Kreis Werra-Meißner fest. Auf der letzten EXPO Real, der großen Immobilienmesse in München, hat der Kreis sechs interessante Standorte für Hotels vermarktet. Das Interesse möglicher Investoren war groß. Mit neuen Hotels wollen wir die Betten kompensieren, die wegfallen, wenn kleine Pensionen schließen. Gleiches gilt auch für den Bereich Edersee. Wir brauchen Hotels, die junge Zielgruppen in unsere Region ziehen, die Natur, Landschaft, Ruhe, Sport und Entspannung suchen.

Preisträger Sonderpreis: (v. li.) Markus Exner (Regionalmanagement Nordhessen), Hartmut Reiße (Laudator), Dr. Brigitte Buhse (Leader-Region Knüll), Sonja Pauly (Leader-Region Schwalm-Aue), Heidrun Englisch (Tourismusservice Rotkäppchenland) und Holger Schach (Regionalmanagement Nordhessen).

Auch hier kann sich ein Investor zwischen vier hoch attraktiven Standorten entscheiden. Entspannung scheint ja ein ganz großes Ziel zu werden. Ja. In einer Welt, die sich immer schneller dreht, wächst das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung. Wir möchten uns einen Namen als Entschleunigungsregion machen. Dazu gehört, dass wir den Bereich Wandern verstärkt bewerben. Schließlich haben wir tolle Vereine und auch die größte Wanderschule Deutschlands in Nieste.

Wie bewerten Sie die Qualität der Gastronomie- und Übernachtungsangebote?

Nach einer bundesweiten Studie sind in Nordhessen 79 von 100 Besuchern zufrieden. Da ist Luft nach oben. Die besten Regionen – Bayern zum Beispiel – liegen bei 85 Prozent. Da wollen wir hin.

Wie?

Indem wir uns regelmäßig über die neuesten Trends und Standards nicht nur informieren, sondern sie auch bei uns umsetzen. Und natürlich muss in dem Bereich investiert werden. Die Gäste von heute erwarten nun einmal bestimmte Ausstattungen in Hotels und Pensionen. Zurzeit kommt überall die nächste Generation in die Verantwortung. Ich bin gespannt wie sich das auswirkt.

Jahrestreffen Tourismus: GrimmHeimat kürt vier Preisträger

Im Rahmen der Veranstaltung fand zudem die Verleihung des Tourismuspreises GrimmHeimat NordHessen statt. Aus mehr als 20 Bewerbungen wurden Preisträger in drei Kategorien gekürt.

Preisträger in der ersten Kategorie „Kooperationen“ ist das Projekt „Die HOMEberger – Nordhessen nachhaltig erkunden“. Die Initiative von zehn Unternehmer präsentiert ein modernes Bild ihrer Heimat und weckt damit Interesse und Sympathie für die Region.

In der Kategorie „Kooperationen“ siegte die Unternehmer-Initiative „HOMEberger – Nordhessen nachhaltig erkunden“. Den Preis nahmen: (v. li.) Rainer Wälde, Jonathan Linker, Moritz Zinn und Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz entgegen.

Preisträger in der zweiten Kategorie, „Marke“ war sowohl die „Märchen-Schlemmer-Kiste“ vom Parkhotel Emstaler Höhe als auch die Grimm’s Living Boutique Apartments. In der Schlemmer-Kiste verbirgt sich ein warmes Märchenmenü (vier Sorten erhältlich), das an ausgewählte Wanderrastpunkte geliefert wird. Im Kasseler Stadtteil Wahlershausen finden Urlauber die Grimm’s Apartments: Luxuriöse, regionaltypisch eingerichtete Gästeappartments in einem aufwendig sanierten, 350 Jahre alten Fachwerkhaus.

In der dritten Kategorie „Service“ siegte die Gemeinde Weißenborn mit dem „Graburg Scout“. Der Lieferservice versorgt Wanderer auf dem P15 mit einer Brotzeit und ersetzt fehlende gastronomische Angebote.

Der Sonderpreis ging an die LEADER-Regionen Knüll und Schwalm-Aue mit der modularen Fortbildung „Servicequalität im Tourismus im ländlichen Raum“.

„Der Tourismuspreis GrimmHeimat NordHessen zeichnet Unternehmen der Tourismusbranche aus, die als Aushängeschild für die Region gelten können und würdigt ihre kreativen und innovativen Ideen“, erklärte Holger Schach, Geschäftsführer der Regionalmanagement Nordhessen GmbH. Der Tourismuspreis GrimmHeimat wird im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben.

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