Massive Erweiterung der Forensik in Bad Emstal?

Dunkle Wolken über Merxhausen. Die Ausbaupläne der Landesregierung und Vitos dürften für heftige Diskussionen sorgen.
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Dunkle Wolken über Merxhausen. Die Ausbaupläne der Landesregierung und Vitos dürften für heftige Diskussionen sorgen.

Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben - steigende Patientenzahlen stellen Klinik vor neue Herausforderungen

Bad Emstal. Mit fast 90 belegten Behandlungsplätzen platzt die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal aus allen Nähten; Kriseninterventionsräume mussten mit regulären Patienten belegt werden und auch in Sachen Therapie arbeitet man längst am Limit. Jetzt gibt Vitos eine Machbarkeitsstudie hinsichtlich einer möglichen Erweiterung in Auftrag. Geprüft werden soll, ob und wie die Klinik auf 160 Betten erweitert werden kann.

In der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Forensikbeirates der Vitos Klinik Bad Emstal wurde das Vorhaben den Mitgliedern präsentiert und der Prüfauftrag ausführlich erläutert. „Mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre ist in den Kliniken für forensische Psychiatrie mit steigenden Patientenzahlen zu rechnen“, so die Ärztliche Direktorin Birgit von Hecker. „Aktuell gibt es zu dieser sich abzeichnenden Entwicklung einen Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration HMSI) an die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal, ihre Kapazitäten zu prüfen und eventuell zu erweitern“. Steigende Patientenzahlen erfordern Maßnahmen Das HMSI und Vitos hätten hierzu erste Überlegungen ausgetauscht. „Wir machen das nicht einfach mal so oder weil wir uns alle einen schicken Neubau wünschen. Seit Jahren steigen im hessischen Maßregelvollzug die Patientenzahlen und wir müssen diese suchtkranken Menschen, die straffällig geworden sind, sicher unterbringen und behandeln“, betonte Susanne Höcker vom zuständigen Ministerium, die der Sitzung aus Wiesbaden per Video zugeschaltet war. Aufgrund der steigenden Patientenzahlen ist Vitos - deren Kliniken für forensische Psychiatrie sind in Hessen mit dem Maßregelvollzug beauftragt - bereits dabei, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Im dritten Quartal 2021 wird ein zweiter Bauabschnitt die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt um drei Stationen ergänzen. 2025 soll ein Ersatzneubau für die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina in Betrieb gehen. Hochsensibles Thema in der Bevölkerung

Nun also eventuell Bad Emstal: „Wir sind uns bewusst, dass die Erweiterung und Belegung der Klinik ein hochsensibles Thema in der Bevölkerung ist. Darum gilt für uns, offen damit umzugehen und die Bevölkerung in unsere Überlegungen von Anfang an mit einzubeziehen“, unterstrich Birgit von Hecker. Die Information der Mitglieder des Forensikbeirates bilde dabei nur den allerersten Schritt. „Wir kommen - wenn es denn soweit ist - gerne zu allen möglichen Bürgerversammlungen, um uns den Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu stellen“, so Birgit von Hecker und Susanne Höcker. Ihnen sei auch klar, dass es ein denkbar schlechter Zeitpunkt sei, jetzt, nach dem kürzlich erfolgten Ausbruch zweier Patienten, mit so einer Nachricht an die Öffentlichkeit zu gehen. Ein Vorfall, der nicht die positive Entwicklung und die Zahlen der Klinik in den letzten 14 Jahren verwischen dürfe.

Das unterstrich auch Bürgermeister Stefan Frankfurth, der sich, ebenso wie andere Beiratsmitglieder, noch an die heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen in Bad Emstal im Zusammenhang mit dem Bau der Forensik erinnerte. „Da sind Risse quer durch Familien gegangen, Freundschaften im Streit beendet worden“, so ein Sitzungsteilnehmer. Das werde sich aktuell allerdings nicht wiederholen, zeigen sich die Mitglieder des Beirats optimistisch. In den 14 Jahren des Bestehens hätten sich in Bad Emstal Verständnis und Akzeptanz für die Aufgaben des Maßregelvollzugs entwickelt. Befürchtungen, dass das Land Hessen oder Vitos die Gemeinde vor vollendete Tatsachen stellen könnte, widersprach Bürgermeister Stefan Frankfurth: „Natürlich hat die Gemeinde ein Wörtchen mitzureden.“ Er verwies darauf, dass man damals zufriedenstellende Verträge für alle Seiten geschlossen habe und alle Beteiligten davon ausgehen, dass dies auch bei einer Erweiterung - so sie denn komme - der Fall sei.

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