Nach Schließung des maroden Thermalbades - setzt Bad Emstal jetzt auf Wandertourismus?

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Wanderzentrum mit Kletterwand, Cafè, verglaster Gang, Brunnen mit Thermalwasser, Tagungszentrum mit modernster Bühnentechnik  – dazu kann die bereits vorliegende bauliche Infrastruktur weiter genutzt werden.     

Bürgermeister präsentiert Vorschläge für ein Tourismus- und Tagungszentrum am Habichtswaldsteig.

Bad Emstal. Baustempel und Stützen beherrschen das Bild, wo früher Badegäste ihre Runden schwammen. Eine dicke Staubschicht bedeckt die Fliesen im Becken. Wegen drohender Einsturzgefahr schloss der Gemeindevorstand von Bad Emstal das Thermalbad. Das war im November des vergangenen Jahres und sieht man mal von Gutachtertätigkeiten hinter den Kulissen ab, ist seit dem nicht viel passiert. Auch der eiligst ins Leben gerufene „runde Tisch“ war eher theoretischer Natur, als dass er aufgezeigt hätte, ob und wie es mit dem Thermalbad und dem dortigen Areal weitergehen könnte. Grund genug für Bürgermeister Ralf Pfeiffer, jetzt mit einem eigenen – überraschenden – Diskussionsbeitrag an die Öffentlichkeit zu gehen. Tourismus- und Tagungszentrum statt Thermalbad lautet sein Vorschlag. „Komplette Schließung des Bades? Es ist mir klar, dass ich damit bei bestimmten Kreisen in ein Wespennest steche“, schmunzelt Ralf Pfeiffer, „aber ich sehe mich als Bürgermeister auch in der Verantwortung, ein neues Konzept für den bisherigen Standort zu entwickeln und so einen Anstoß für die Gespräche über die touristische Zukunft Bad Emstals zu liefern.“ Tatsache sei, dass das bisherige Thermalbad nicht zu retten sei. „Untersuchungen haben ergeben, dass die Bauschäden so massiv sind, dass eine Renovierung den Gemeinde-Finanzrahmen sprengen würde.“

Ein neues Bad: Jährlich rund 750.000 Euro Kosten 

Die Kosten für einen potentiellen Neubau lägen bei geschätzt 20 Millionen Euro netto; dazu kämen die Folgekosten bestehend aus Personalkosten, Tilgung, Zinsen, Abschreibung in Höhe von circa 750.000 Euro – jährlich! „Wir sind eine Gemeinde unter dem kommunalen Schutzschirm. Es kann hier nicht darum gehen, was wir uns vielleicht wünschen, sondern was wir uns leisten können“, so Ralf Pfeiffer.

Zukunftsmarkt Wandertourismus

Ein Tourismus- und Tagungszentrum käme wesentlich günstiger und setze auf den Trend Wandertourismus, der mittlerweile rund 7 Milliarden Euro Umsatz jährlich in Deutschland verzeichnet. Auf dem Areal des abzureißenden Bades könne ein modernes Tagungszentrum entstehen, in dem mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden können und auch die Volksbühne ihre neue Wirkungsstätte hat. Ihm gegenüber liegt ein Wanderzentrum mit Kletterschule und Kletterwand; die Physiotherapie und Wellnessabteilung wird in das Ensemble integriert, die TAG Habichtswald wäre hier ebenfalls zu finden. Alle Gebäude sind miteinander mit einem überdachten und verglasten Gang verbunden, im Innenbereich könne ein Forum für Freilichtaufführungen entstehen. Ralf Pfeiffer: „Ein Café darf natürlich auch nicht fehlen und das Thermalwasser wird Interessierten über eine Brunnenanlage ausgegeben.“ So werde eine attraktive Infrastruktur geschaffen. „Nicht nur für Touristen. Sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, die das alles ja finanzieren müssen.“ Und die Baukosten? „Liegen laut Planern bei rund 12 Millionen Euro netto.“ Die Folgekosten wären im Vergleich zu einem Bad minimal; „Es gibt sogar Berechnungen, nach denen sich das Zentrum dank der Mieteinnahmen kostenneutral erhalten ließe.“ In informeller Runde wurde dem Bürgermeister zudem signalisiert, dass der Bau eines Tourismus- und Tagungszentrum am Habichtswaldsteig durchaus auf Landes- und/ oder EU-Fördermitteln setzen könne. Vertiefende Gespräche hierzu sollen nach der Sommerpause in Wiesbaden stattfinden.

Ralf Pfeiffer: „Mein Vorschlag ist finanziell tragbar für die Gemeinde und soll den Bad Emstalern und ihren Mandatsträgern eine Gesprächsgrundlage bieten. Wenn jemand eine bessere Idee hat – gerne!“

Prädikat „Heilbad“ bis zum Jahr 2023

Mit der Schließung des Thermalbades und der dort vorhandenen Einrichtungen liegen die Voraussetzungen für das Prädikat „Heilbad“ für Bad Emstal derzeit nicht vor. Auf Empfehlung des Hessischen Fachausschusses für Kur-, Erholungs- und Tourismusorte und mit Zustimmung des Hessischen Wirtschaftsministers bekommt Bad Emstal die Gelegenheit, „die derzeit nicht vorhandenen Voraussetzungen gem. den Begriffsbestimmungen – medizinische Anwendung de Heilwassers – bis 2023 wieder vorzuweisen“. Dies wurde dem Bad Emstaler Magistrat im Juli schriftlich zugesagt.

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