Neue Besucherattraktion im Tierpark Sababurg: die Anlage für die Beberbecker Pferde

Pferdezucht hat in Beberbeck eine lange Tradition. Mit den Stuten Oliotta, mit Fohlen Karlotta geb. 16. Mai 2021), und Elisee, mit Fohlen Aivy geb. 28. Mai 2021) wird sie fortgesetzt.
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Pferdezucht hat in Beberbeck eine lange Tradition. Mit den Stuten Oliotta, mit Fohlen Karlotta geb. 16. Mai 2021), und Elisee, mit Fohlen Aivy geb. 28. Mai 2021) wird sie fortgesetzt.

Lange Tradition der Pferdezucht im Landkreis Kassel

Der Tierpark Sababurg hat eine neue Attraktion: Einen eigenen,rund 14.000 Quadratmeter umfassenden Bereich mit Stallungen, befestigtem Auslauf und großer Weide für die wieder angesiedelten Beberbecker Pferde. Diese standen bei der feierlichen Einweihung der neuen Anlage auch gleich im Mittelpunkt - in Gestalt von zwei Stuten und ihrem Nachwuchs. Wie kurzweilig werden doch Redebeiträge, wenn gleich nebenan zwei junge Fohlen über die Wiese toben, einfach mal so Luftsprünge veranstalten oder sich neugierig dem menschlichen Treiben nähern. Um sich dann vom Reden belohnenden Applaus der Gäste zu erschrecken und zu ihren Müttern zu fliehen. Aber ein richtiges Beberbecker Pferd ist ja intelligent: beim dritten Applaudieren blieben die Fohlen schon ganz „cool“.

Kurzum: die Stuten Oliotta, mit dem am 16. Mai geborenen Fohlen Karlotta, und Elisee, mit dem am 28. Mai geborenen Fohlen Aivy, fühlen sich sichtlich wohl in ihrem neuen Zuhause, in das rund 280.000 Euro investiert wurde. Die Anlage liegt mitten im Tierpark direkt an Wegeführung zum Bauernhof und der Kirchenscheune, mit freiem Blick auf die Sababurg. Die Erhaltung und Weiterzüchtung dieser fast ausgestorbenen und für die Region einst so bedeutsamen Rasse ist ein großer Erfolg für den ältesten, bis heute in seinem ursprünglichen Areal erhaltenen, Tiergarten Deutschlands. „Die Wiederbelebung der alten Pferderasse passt bestens in das Konzept des Tierparks, der mit Exmoorponys, Przewalskipferden und Heckpferden bereits drei Wildpferdarten hält“, betonte Landrat Uwe Schmidt bei der Einweihung. „Für die Besucher wird damit ein Stück Geschichte und die lange Tradition der Pferdezucht in unserem Landkreis erlebbar“.

„Die Nachzucht ist schon ein ehrgeiziges Vorhaben für uns“, erklärt Uwe Pietsch, Leiter des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen im Landkreis Kassel, zu denen auch der Tierpark gehört „Erst nach einer aufwendigen Suche konnten wir europaweit mehrere Stuten erwerben, die sich lückenlos auf Beberbecker Abstammung zurückführen lassen.“ Auch einige Rückschläge musste man verkraften. Von den fünf heute noch nachweisbaren, in Osteuropa beheimateten Beberbecker Pferdefamilien, sind mit den angekauften Pferden im Tierpark bereits vier Linien vertreten. Zuchtziele, Eigenschaften und Merkmale sind in einem eigenen Zuchtprogramm festgelegt und orientieren sich am früheren Erscheinungsbild der Rasse, die als intelligent, robust und widerstandsfähig galt. „Das neu genehmigte Zuchtbuch für die Beberbecker Rasse führt der Zuchtverband für Senner Pferde in Borgholzhausen“, so dessen Zuchtleiter Karl-Ludwig Lackner. „Ziel ist es, künftig auch Pferdezüchter in der Region für die Weiterzucht dieser alten Pferderasse zu gewinnen“.

Abschließend dankte Landrat Schmidt den Unterstützern. Insbesondere der Kasseler Sparkasse, die das Vorhaben mit einem namhaften Betrag an den Förderverein Freunde des Tierparks Sababurg e.V. unterstützt, und dem Land Hessen, welches Mittel aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung EFRE) beisteuerte.

Hintergrund

Pferdezucht hat an der Sababurg eine lange Tradition. Schon um 1490 wird von den „Sababurger Wilden“ im Reinhardswald berichtet. Im Jahre 1724 wurde auf königliche Anordnung auf dem Schloß Beberbeck ein kurhessisches Land- und Hofgestüt gegründet, hier sollten vor allem Kavalleriepferde gezüchtet werden. Ab Ende des 19. Jahrhunderts war Beberbeck eines der preußischen Hauptgestüte. Die Beberbecker Pferde waren beim preußischen Militär beliebt. 1928 wurde das Gestüt aufgelöst, die 160 verbliebenen Pferde wurden an das polnische Gestüt Racot abgegeben. Den Fliegerangriff der Deutschen Wehrmacht 1939 überlebten dort nur 48 Zuchtstuten, diese kamen 1942 in das polnische Gestüt Graditz. 2018 traten die „Beberbecker Pferde“ dann ihren „Heimweg“ nach Nordhessen an, diese Tiere sind Nachfahren einiger Stuten, die damals in Beberbeck lebten.

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