K+S - Pipeline nur im „Notfall“

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Schematische Darstellung des Pipeline-Verlaufs von Hattorf zur Oberweser.

K+S-Salzwasser-Fernleitung durch Nordhessen kommt nur, wenn andere Maßnahmen nicht greifen

Trendelburg. Der Erörterungstermin zum Raumordnungsverfahren Anfang März hat es wieder ins Gedächtnis gerufen: Wenn der Kasseler Düngemittelproduzent K+S eine Salzpipeline vom Standort Werk Werra in Osthessen zur Oberweser bauen sollte, würde diese Leitung auch durch den Schwalm-Eder-Kreis gehen.

„Wobei das Wort ‘sollte’ ganz groß geschrieben werden muss“, sagt Jörg Willecke, Leiter Öffentlichkeitsbeteiligung und „Pipeline-Experte“ bei K+S. „Denn die Pipeline wird nur gebaut, wenn andere Maßnahmen nicht greifen“, so der diplomierte Umweltingenieur. Dabei handelt es sich vorrangig um drei zentrale Maßnahmen, die im sogenannten „Masterplan Salzreduzierung“ verankert sind, den die Flussgebietsgemeinschaft Weser (FGG Weser) im März 2016 verabschiedet hat. Und diese Maßnahmen sind: – die Inbetriebnahme einer Kainit-Kristallisations- und Flotationsanlage (KKF) – die Haldenbegrünung am Verbundwerk Werra – die Einstapelung flüssiger Rückstände unter Tage

Wobei Punkt eins dieser Maßnahmenliste von K+S schon abgearbeitet wurde: Die Kainit-Kristallisations- und Flotationsanlage ging in diesem Januar in Betrieb. Willecke: „Mit ihr kann die jährliche Abwassermenge des Werkes Werra um 20 Prozent reduziert werden“, erklärt der Umweltingenieur, „das sind 1,5 Millionen Kubikmeter.“ Ein für K+S angenehmer Neben­effekt: Mit der Anlage lassen sich aus bisher nicht nutzbaren Salzlösungen zusätzliche Wertstoffe gewinnen, die K+S vermarkten kann. Die 180 Millionen Euro, die K+S für die Anlage ausgegeben hat, stellen die größte Investition in ein Einzelprojekt dar, die das Kasseler Unternehmen bislang getätigt hat.

Zu Punkt zwei – Haldenbegrünung – gab es schon mehrere Tests. Die Idee: Auf die Salzberge wird eine erdähnliche Schicht aufgetragen, auf der wiederum Gras angepflanzt wird. Das soll dafür sorgen, dass nur noch 20 Prozent des Regenwassers zu versalzenem Haldenwasser wird. In diesem Jahr wird auf einer Fläche von rund 5.500 Quadratmetern auf der Halde in Hattorf noch ein Großversuch gestartet. Willecke: „Die Vorbereitungen dafür laufen. Sobald die Genehmigung des Bergamtes da ist, geht’s los. Und wenn der Versuch gut läuft, starten wir mit dem Regelbetrieb auch auf der Halde Wintershall.“ Die dritte Maßnahme zur Verringerung der Produktionsabwässer ist das „Einstapeln und der Versatz unter Tage“. Wobei unter „Einstapeln“ gemeint ist, dass leerstehende Gruben mit den Salzlösungen geflutet werden.

Willecke: „Und erst wenn all das nicht die gewünschten Effekte bringt, kommt der Bau der Pipeline ins Spiel.“ Diese wäre eine Art Bypass, durch den die Salzlösung mit Pumpen von Philippsthal in den Bereich Oberweser transportiert und dort in die Weser eingeleitet würde. Bei einem Bau würde die Pipeline durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg, den Schwalm-Eder-Kreis und den Landkreis Kassel gehen. Der Bau geschähe so umweltschonend und -verträglich wie möglich, verspricht Willecke. „Wir würden beispielsweise eine Korridorführung durch ökologisch wertvolle Bereiche vermeiden wollen“, so der 44-Jährige, „und – sofern es zu einem Bau kommt – zum Schutz des Bodens und der Natur eine extra Baubegleitung zum Einsatz bringen.“ Willecke weiter: „Angesichts dessen, dass sich K+S als Partner der Landwirtschaft versteht, würden auch Ernteausfälle und Entschädigungen gezahlt.“„Und denjenigen, die meinen, dass sich der Salzgehalt an der Oberweser durch die Pipeline erhöhen wird, entgegne ich: Stimmt nicht! Heute liegt der Salzgehalt dort bei etwa 600 bis 800 Milligramm Chlorid pro Liter Weserwasser. Ab Ende 2021 dürfen es höchstens noch 400 und ab Ende 2027 nur noch 300 Milligramm pro Liter Weserwasser am Pegel Boffzen, bei Höxter, sein“, so der Umweltingenieur.

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